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Analyse: Für die Alp gibt's (noch) keine App

Im Nebel nach verirrten Tieren suchen, bei 30 Grad im Schatten über dem Käsekessi schwitzen oder hunderte Zaunpfähle auf dem Rücken herumtragen – wer tut sich das schon freiwillig an?


Nun, das sind erstaunlich viele: Von der ganzen Familie über den jungen Bauernsohn und die kaufmännische Angestellte bis zur – Klischee hin oder her – Studentin aus Deutschland. Die Älplerschaft ist so vielfältig, wie es die Alpbetriebe selber sind. Quer durch unser Land, auf verschiedenen Höhen, Stufen und über alle Tierarten, Einrichtungsstandards und Produktionsrichtungen hinweg. Wirklich zählbar sind die Arbeitskräfte nicht, Jörg Beck vom Schweizerischen Alpwirtschaftlichen Verband (SAV) schätzt deren Zahl auf 15 00, verteilt auf 6800 Sömmerungsbetriebe, ebenfalls basierend auf einer Schätzung des SAV.

Und würde man erst die Arbeitsstunden während der Sommermonate zählen, das nähme wohl überhaupt kein Ende mehr. Nicht die Agenda oder der Terminkalender geben auf der Alp den Takt an, sondern alleine die Natur und die Tiere. Kühe holen, Melken und Käsen folgen sowieso einem klaren Rhythmus.

Aber auch Schafe oder Mutterkühe wollen regelmässig kontrolliert sein, benötigen Wasser, Schutz und frische, sicher eingezäunte Weiden. Von einem Termin zum anderen hetzen entfällt, es wird einfach «vorewäg» erledigt, was geht. Für Besuch kann man sich oft einen Moment Zeit nehmen, die meiste Arbeit läuft ja nicht weg. Genau das spüren auch die Besucher, sie fahren runter und haben Zeit. Und wer hat heutzutage noch einfach Zeit? Für einen Kaffee (natürlich mit Schnaps), etwas Käse und gute Gespräche. Mehr braucht es auch gar nicht, denn so kommt man den Menschen plötzlich viel näher. 

Trotz Sorgen über Käsekulturen, Panaritium oder Wanderer, die Zauntore offen lassen könnten, hat die Alp einen ganz speziellen Zauber: Man fühlt sich hoch oben einerseits ziemlich klein und unbedeutend, wenn beispielsweise ein Gewitter mit aller Gewalt übers Land zieht. Zum Anderen schwingt eine gewisse Erhabenheit mit, wenn am Morgen früh die Welt erwacht und der Blick auf umliegende Dörfer, Täler oder Berggipfel fällt. Die Tiere zeigen sich in ihrer ursprünglichsten Umgebung, laufen über Stock und Stein, machen ihre Rangordnung aus und fressen das, was die Weiden hergeben. 

Die Magie des Moments kennt erst, wer an einem kalten Herbstmorgen zwischen warmen, gemütlichen Kuhleiben gesessen und gemolken hat, am besten bei Glockengeläut.

Und doch ist verklärte Romantik fehl am Platz: Die Arbeit ist hart, die Tage sind lang, vor allem, wenn noch Heuen im Tal ansteht. Schreckensgeschichten über abgestürzte Tiere, Streit im Team oder schlechten Käse können schnell Realität werden. Wegen dem Geld geht nicht mancher z’Alp, so viel ist klar. Älpler sein hat auch viel mit Stolz zu tun: Wenn das Vieh im Herbst gesund und «hübsch» heim kommt. Wenn der Käse gut gelungen ist. Wenn der Holzvorrat wieder aufgefüllt und das Zaunmaterial gut instand ist. 

Noch grösser sind der Stolz und die Freude, wenn man sogar  selber Produkte verkaufen kann, ganz mit den eigenen Händen geschaffen. Denn das Prädikat «Alp» hat einen Wert, die Konsumenten sind empfänglich für die Geschichten aus einer ihnen fremden Welt. Wie viele hörte ich schon sagen, sie würden so gerne mal z’Alp gehen? Vielleicht ist das der springende Punkt: Die Alp lässt sich eben nur dort erleben, wo sie ist. Da können noch so viele Filme gedreht, Fotos geschossen oder Bücher und Blogs geschrieben werden. Da nützen alle Edelweiss-Stoffe, Deko-Kuhglocken und Plüsch-Murmeltiere nichts. Für die Alp gibt’s auch (noch) keine App. Die liesse sich bestimmt teuer verkaufen und ich wäre schon längst Millionärin, wenn ich die Entwicklerin wäre. Aber so tausche ich gerne für den Sommer die Schreibstube gegen die Alp, inklusive Älplergehalt.

Andrea Gysin

Diese Analyse finden Sie in der BauernZeitung vom 25. Mai. Lernen Sie  die BauernZeitung jetzt 4 Wochen kostenlos kennen und gewinnen Sie einen Reisegutschein im Wert von 3000 CHF.

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