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Biodiversität – ein Muss und eine Chance für die produzierende Landwirtschaft

Gastautor Roland Heuberger sieht die Biodiversität als wichtiges und stabilisierendes Standbein der produzierenden Landwirtschaft und ermutigt die Landwirte eigene Wege zu gehen und Neues zu wagen.

Seit Monaten wird landauf und landab Stimmung gemacht gegen die Vorgaben für Biodiversitätsförderflächen im Ackerbau. Argumentiert wird mit reduzierter Produktions- und Ernährungssicherheit. Erstaunlich, dass in Zeiten, wo reduzierter Pestizid- und Nährstoffeinsatz gefordert wird und Wasserknappheit die landwirtschaftliche Produktion vermindert, die Biodiversität zum Feindbild erklärt wird.

Viele Massnahmen werden bereits umgesetzt

Das Gegenteil ist der Fall: Um die langfristige Ernährungssicherheit zu stärken, brauchen wir eine auf Artenvielfalt und Produktion abgestützte Landwirtschaft. Die Landwirtschaft ist also selber eine grosse Nutzniesserin der Biodiversität. Dies erfordert aber ein ganzheitliches Denken und Handeln.

Erfreulicherweise setzen schon viele Landwirte Massnahmen zur Biodiversitätsförderung um und erfüllen so eine wichtige Aufgabe zugunsten der ganzen Landwirtschaft. Das Wissen um die Zusammenhänge und Abhängigkeiten zwischen Produktion und Biodiversität muss aber in der Praxis noch stärker verbreitert werden.

Seien wir deshalb froh, dass Berufskollegen den Mut haben, neue Wege in der Bewirtschaftung ihrer Kulturen zu gehen.

Es braucht die Unterstützung der Landwirtschaftsverbände

Die Landwirtschaft ist gerade auch in der Biodiversitätsförderung auf Pioniere angewiesen, die traditionelle Anbaumethoden infrage stellen. Nur so kann sie sich weiterentwickeln und sich endlich von der Unterscheidung zwischen produzierenden Unternehmern und «Blüemli»-Landwirten verabschieden. Die Landwirtschaftsverbände täten gut daran, die Bauern dabei zu unterstützen, statt die vorgeschlagenen Massnahmen zur Biodiversitätsförderung zu bekämpfen.

Strukturreiche Landschaften reagieren weniger empfindlich auf Extremerreignisse

Wir müssen uns aber bewusst sein, dass der Begriff Biodiversität weit mehr umfasst, als Blütenvielfalt zur Verhinderung des Insektensterbens. Zu einer biodiversen Landwirtschaft gehören auch Massnahmen zum Humusaufbau für CO2- und Wasserspeicherung, zur Nützlingsförderung als Schädlingsbekämpfung sowie zur Reduktion von Erosion durch Wind und Regen.

Es ist längst bewiesen, dass Produktionssysteme in artenreichen und strukturierten Landschaften weniger empfindlich auf Extremereignisse reagieren. Die negativen Auswirkungen der Klimaerwärmung wie Trockenheit, Hitze und Extremniederschläge können so vermindert werden.

Produktion und Biodiversität sind kein Wiederspruch

Zur Erreichung dieser Ziele braucht es Landschaftselemente wie Hecken, Agroforstsysteme, naturnahe Gewässerräume und offene Gewässer wie Tümpel und Bäche. Solche Instrumente tragen dazu bei, dass ohne oder mit stark reduziertem Einsatz von Hilfsstoffen gute und vor allem auch stabile Erträge erreicht werden können.

Versorgungssicherheit und Biodiversität sind also kein Zielkonflikt sondern der Schlüssel zu einer nachhaltigen Landwirtschaft, welche langfristig eine für die Menschheit ausreichende Produktion von gesunden Lebensmitteln garantiert. So gesehen sind die heute vorgeschlagenen Massnahmen zur Biodiversitätsförderung erst der Anfang.

Also packen wir es gemeinsam an, die Natur wird uns belohnen.

Zur Person​

Roland Heuberger ist Landwirt und ETH-Agronom und bewirtschaftet in einer BZG einen 29 ha umfassenden Milchwirtschaftsbetrieb mit Ackerbau in Gabris im Kanton Thurgau.

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