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Die Zukunft wird nur langsam weiblich

In der Schweiz werden erst 7,1 % der Betriebe von Frauen geführt. Unterschiede zeigen sich zwischen Kantonen und Betriebsformen.

2022 wies die Schweiz unter den Betriebsleitenden einen Frauenanteil von 7,1 % auf. Vor fünfzehn Jahren waren es noch 4,9 %, wie Agristat in einer ausführlichen Auswertung schreibt. Der Anteil hat ab 2011 über die Jahre konstant zugenommen und man dürfe annehmen, dass sich dieser Trend fortsetzen werde.

Im europäischen Vergleich steht die Schweiz schlecht da. Nur Malta und die Niederlande weisen weniger Betriebsleiterinnen auf (6 bzw. 5 %, Eurostat 2016). Die Spitzenplätze werden in dieser Statistik vom Baltikum besetzt; sowohl Lettland als auch Estland weisen einen Frauenanteil von 45 % auf. Der EU-Durchschnitt (ohne die Schweiz) liegt bei 29 %.

Der Anteil Betriebsleiterinnen in der Schweiz steigt zwar seit Jahren, bleibt aber insgesamt tief.
Der Anteil Betriebsleiterinnen in der Schweiz steigt zwar seit Jahren, bleibt aber insgesamt tief.

Kantonale Unterschiede

Betrachtet man die Daten auf Kantonsebene, zeigen sich laut Agristat überraschende Unterschiede. Den tiefsten Anteil an Betriebsleiterinnen weist mit 3,8 % der Kanton Nidwalden auf. Am meisten Betriebsleiterinnen weist mit 16 % der Kanton Tessin auf. Dies sind über 10 Prozentpunkte mehr als im Kanton Nidwalden. Der Kanton Baselstadt hat einen noch höheren Anteil (21,4 %), weist jedoch gesamthaft nur 14 Betriebe auf und ist daher als Spezialfall zu behandeln.

Betrachtet man die Kantonsanteile im Jahr 2022 genauer, zeigt sich ein heterogenes Gesamtbild, das sich auf verschiedene Arten interpretieren lässt: Scheinbar gibt es mehr Betriebsleiterinnen in Grenzkantonen. Ebenfalls scheint die Sprachzugehörigkeit eine Rolle zu spielen; in Kantonen mit einer lateinischen Sprache hat es tendenziell höhere Frauenanteile.

Beim Anteil Betriebsleiterinnen nach Kanton liegen die Romandie, das Tessin, Graubünden und allgemein eher Grenzregionen vorn.
Beim Anteil Betriebsleiterinnen nach Kanton liegen die Romandie, das Tessin, Graubünden und allgemein eher Grenzregionen vorn.

Romandie ist der Deutschschweiz voraus

Dass Regionen mit einer lateinischen Sprache höhere Frauenanteile aufweisen, bestätigt auch der Blick nach Deutschland und Frankreich, die mit Anteilen von 10 bzw. 21 % diese Annahme stützen. Ebenfalls scheint der Austausch mit dem nahen Ausland hilfreich, um alte Rollenbilder aufzuweichen: Grenzregionen weisen allgemein höhere Anteile an Betriebsleiterinnen auf. Zudem könnte eine höhere Bevölkerungsdichte hilfreich sein, um Veränderungen in der Gesellschaft schneller zu etablieren.

Auch die Betriebsform sowie die Region (Berg, Tal) scheint einen Einfluss auf die Anzahl Betriebsleiterinnen zu haben. Doch bei all diesen Tendenzen scheint es auch immer Ausnahmen zu geben. So gibt es mit den Kantonen Thurgau und St. Gallen auch Grenzkantone mit tieferen Anteilen, mit dem Kanton Freiburg einen zweisprachigen Kanton, der dennoch eher wenige Betriebsleiterinnen aufweist, und mit dem Kanton Graubünden einen Bergkanton, der wiederum einen relativ hohen Anteil aufweist.

Auch die Betriebsform scheint eine Rolle zu spielen: Bei Betrieben mit Ackerbau und Dauerkulturen gibt es mehr Betriebsleiterinnen.
Auch die Betriebsform scheint eine Rolle zu spielen: Bei Betrieben mit Ackerbau und Dauerkulturen gibt es mehr Betriebsleiterinnen.

Ackerbau und Dauerkulturen

Betrachtet man die Anteile an weiblichen Betriebsleitenden nach Betriebsform, zeigt sich, dass die Frauen bei Ackerbau- und Dauerkulturbetrieben tatsächlich häufiger vertreten sind. Untervertreten sind sie bei Veredlungsbetrieben, wie beispielsweise Mastbetrieben oder Betrieben mit Legehennen.

Agristat hat mittels linearer Regression den Einfluss mehrerer Variablen auf den Anteil an Betriebsleiterinnen der Kantone getestet. Weder die durchschnittliche Betriebsgrösse nach Kanton noch die Region scheinen die Frauenanteile der einzelnen Kantone signifikant zu erklären. Auch der Einfluss der Berufsprüfung als Bäuerin wurde getestet; diese Ausbildung ist vor allem in der Deutschschweiz beliebt und könnte mit der Ausbildung zur Landwirtin in Konkurrenz stehen. Doch auch hier wurde kein signifikanter Einfluss festgestellt. Ein solcher wurde hingegen bei der Variable Sprache gefunden. Einen noch stärkeren Einfluss übte aber die Tatsache aus, ob ein Kanton ans Ausland grenzt oder nicht.

Mehr Frauen in Ausbildung

Betriebsleiter und Betriebsleiterin sind in erster Linie administrative Begriffe und bedeuten nicht unbedingt, dass diese Person mehr oder besser arbeitet als andere Betriebsmitarbeiter. Ausser Frage steht, dass Frauen für die Schweizer Landwirtschaft seit jeher einen entscheidenden Beitrag leisten. Ein Indiz für zukünftig höhere Frauenanteile unter den Betriebsleitenden geben die Abschlüsse im Jahr 2022: Im Ausbildungsfeld Pflanzenbau und Tierzucht wurden 40 Betriebsleiterinnen (Eidg. Fachausweis) ausgebildet. Dies entspricht einem Frauenanteil von 12,3 %. Dieser liegt somit deutlich über dem Anteil an Frauen, die zurzeit effektiv einen Betrieb leiten.

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