Die Schweizer Schafhaltung sieht sich derzeit mit verschiedenen Belastungen konfrontiert, die Betriebe finanziell und psychisch stark beanspruchen. Hannes Jörg, Geschäftsführer des Schweizerischen Schafzuchtverbandes (SSZV), erklärt: «Die Kombination von Wolfspräsenz, Tierkrankheiten und Sanierungsaufwand stellt viele Betriebe vor grosse Herausforderungen.» Der Verband beschäftigt sich aktuell intensiv mit Herdenschutz, der Einführung der linearen Beschreibung und Einstufung sowie Tiergesundheitsthemen wie der Blauzungenkrankheit und der Moderhinkesanierung.
Die Geburten sind gesunken
Zwischen Januar 2025 und Januar 2026 sank die Zahl der Geburten von rund 30 000 auf etwa 28 000. «Wir diskutieren unter anderem die Blauzungenkrankheit als mögliche Ursache, da sie zu weniger Trächtigkeiten geführt haben könnte», sagt Jörg. Gleichzeitig haben einzelne Betriebe im Zuge von Moderhinkesanierungen ihre Schafhaltung aufgegeben. Dieser Rückgang hat Folgen für die Bewirtschaftung der Alpen: Werden weniger Schafe gesömmert, werden Flächen schlechter genutzt, Sträucher und Bäume breiten sich aus.[IMG 2]
Für viele Alpen gilt ein Normalbesatz – wird dieser nicht erreicht, können Sömmerungsbeiträge gekürzt werden. Gleichzeitig steigen die Kosten pro Tier, weil sich Fixkosten für Hirten, Herdenschutz oder Infrastruktur auf weniger Tiere verteilen. Auch der Markt könnte betroffen sein: Weniger Mastlämmer bedeuten weniger Schweizer Lammfleisch, was kurzfristig zu steigenden Preisen führen kann.
Blauzunge und Wolfsrisse als Risiken
Mit Blick auf die kommenden Monate bleibt vieles unsicher. Die Blauzungenkrankheit könnte mit steigenden Temperaturen erneut auftreten, und die wachsende Wolfspopulation dürfte weiterhin zu Rissen auf den Alpen führen. «Unsere Mitglieder erwarten von uns vor allem eine sachliche Vertretung ihrer Anliegen», so Jörg. Genau darin sieht die Verbandsführung ihre zentrale Aufgabe.