Auktionen bringen Transparenz. Das ist die landläufige Meinung. Denn dort würde der Handel nicht einfach zwischen Landwirtin und Händler, wie im Stall, sondern unter dem Argusauge anderer Bauern und Käufer besiegelt. Diese Transparenz ist Jamil Boukarabila Jaquemet von der Online-Handelsplattform Swisskuh aber zu wenig. «Die Bauern in der ganzen Schweiz dürfen wissen, wie viel ein Vieh kostet», sagt er in einem Video, das viral geht.

Aebi steigt vom Podest

Die Aufzeichnungen dazu stammen von der letzten Auktion in Burgdorf BE, wo Jaquemet nicht zum ersten Mal live das Geschehen vor Ort via Social Media übertrug. Nach rund 20 Minuten Filmzeit sieht der Zuschauer, dass Urs Buri zu Auktionator Andreas Aebi schreitet und mit ihm spricht. Kurz darauf verlässt Aebi das Podest und läuft auf die Kamera zu. Aebi sagt: «Ich habe viele Rückmeldungen. Die Leute sind nicht zufrieden, wenn sie gefilmt werden!» «Welche Leute?», fragt Jaquemet. «Viele!», schliesst Aebi und geht. Jaquemet beendet zwar die Aufnahmen direkt neben dem Ring, führt aber seine Wahrnehmungen zum Geschehenen im Video neben dem Ring weiter aus. Er sagt, der Handel im Jahr 2021 entspreche nicht mehr jenem aus dem Jahr 1940. Heute sei Transparenz gefragt. Nicht wie damals, als Händler in einem Stall für 1800 Franken eine Kuh kauften und sie bereits am Nachmittag für 3900 Franken weiterverkauften.

Preise sollen nicht bekannt werden

«Für zwei oder drei grossartige Leute, berühmte und mächtige Händler, ist es besser, wenn die Preise nicht bekannt sind», sagt Jaquemet in gebrochenem Deutsch. Hier ortet er auch den Grund, warum er die Auktion nicht übertragen darf. Diese Händler würden Druck auf die Organisation ausüben, ist er sich sicher. Die Attribute «mächtig» und «berühmt» lassen auch ohne Besuch in Burgdorf darauf schliessen, dass damit unter anderen sicher der Viehhändler Rolf Hinder, Zuzwil SG, gemeint ist. «Ich bin nicht gegen eine Online-Vermarktung von Kühen, ich bin dagegen, dass eine Privatperson einen öffentlichen Markt für seine Interessen missbraucht», sagt Rolf Hinder auf Anfrage der BauernZeitung. «Ich habe in keiner Weise Druck ausgeübt», sagt Hinder, der die Verantwortung bei der Organisation sieht. «Ich will mich aber an diesen Auktionen nicht filmen lassen», erklärt er weiter.

Keine erkennbaren Personen

Rechtlich gesehen dürfte Jamil Boukarabila Jaquemet tatsächlich scheitern. «Filmen im öffentlichen Raum ist zwar gestattet», weiss Urs Buri, Präsident des Auktionskomitees in Burgdorf. Seien aber Personen auf dem Film erkennbar, ende der Spass. «Er müsste das Einverständnis der im Film erkennbaren Personen einholen», weiss Buri. Tatsächlich sind mehrere Personen auf dem Video bereits auf dem Smartphonebildschirm problemlos zu erkennen.

Nicht alle kaufen und verkaufen Kühe

Urs Buri zeigt wenig Interesse daran, dass die Auktion im Netz übertragen wird und schon gar nicht von der direkten Konkurrenz. Er ist überzeugt, die Transparenz auf dem Platz sei alles andere als aus dem Jahr 1940. «Nicht alle Leute, die hierherkommen, verkaufen oder kaufen Kühe. Sie kommen für den Austausch unter Berufskollegen und haben dabei die Gelegenheit, sich ein Bild der Preisbildung auf dem Markt zu machen.» Und genau das nütze ihnen schliesslich auch zu Hause im Stall mit dem Händler.

Händler müssen Geld verdienen

Dass Viehhändler an einem Tier Geld verdienen ist kein Geheimnis. «Das ist mein Beruf, ich muss Geld verdienen. Ich kann nicht nur zur Freude durch die Schweiz fahren», erklärt Rolf Hinder und ergänzt, dass er schliesslich auch ein Risiko zu tragen habe für jedes einzelne dieser Tiere. «Man kann für 50 Franken Marge eine Kuh vermarkten, wenn man sie nie an ein Halfter nehmen muss, wenn man keinen Transport organisieren muss, keinen Stall hat, keine Kilometer mit ihr macht, keine Überhosen trägt und kein Risiko eingeht. Wir handeln aber nicht so», sagt Hinder, der nur rund 2 % seiner Handelstiere an Auktionen kauft. Der Rest stammt direkt aus den Ställen. Hinder hat in den vergangenen zehn Jahren in Burgdorf wohl am meisten Kühe von allen gekauft. Er spricht dabei von einem Vertrauensverhältnis, das seit Jahren funktioniere. Er habe zu Hause auf privater Basis rund 100 Auktionen durchgeführt. Er schliesst nicht aus, dass auch er den Weg in Richtung Online-Vermarktung beschreiten wird. Aber egal in welche Richtung sich alles weiterentwickeln werde, der Mensch dahinter bleibe zentral. «Es wird keinen Handel ohne Händler geben», ist er sicher.