AboTierzuchtAlte Schweizer Rassen erhalten ab diesem Jahr einen finanziellen ZustupfFreitag, 27. Januar 2023 Ab dem 1. Juni 2023 erhalten Freiberger (FM) Zuchtstuten nur noch die Erhaltungsprämie (Beiträge für die Erhaltung von Schweizer Rassen mit kritischem oder gefährdetem Status), wenn das Fohlen einen Inzuchtgrad von 10 % nicht überschreitet. Zur Berechnung dieses Inzuchtgrades fordert der Bund in der Tierzuchtverordnung den Einbezug von mindestens drei Generationen. 

Der Schweizerische Freibergerverband (SFV) greift bei seiner Berechnung aber weiter zurück in der Ahnenliste. Und das hat Folgen: Mit Einbezug jeder weiteren Generation steigt der Inzuchtgrad an.

Alles, was bekannt ist, wird einbezogen

«Aktuell berechnen wir die Inzucht anhand des Verwandtschaftsgrades der Elterntiere geteilt durch zwei, wobei wir die Verwandtschaft der Elterntiere über sämtliche Generationen im Pedigree berechnen», erklärt Pauline Queloz, Geschäftsführerin des SFV, auf Anfrage der BauernZeitung. Es gebe also keine festgelegte Anzahl von Generationen, es würden alle berücksichtigt, die für das jeweilige Pferd bekannt sind. «Diese Berechnung entspricht so am ehesten der Realität», sagt Queloz.

Die Gesunderhaltung der Rasse ist wichtig

ZuchtstutenprämienFür die Freibergerzüchter ändert in diesem Jahr erst mal nichtsMontag, 6. Februar 2023 Der Vorstand des SFV und die Zuchtkommission analysierten allerdings aktuell die Frage, ob die derzeitige Berechnungsmethode die richtige sei oder ob sie angepasst werden sollte. «Für den Verband ist nicht nur wichtig, ob die Prämie noch bezogen werden kann oder nicht, sondern vor allem, was für die Gesundheit der Rasse gut ist», begründet die Geschäftsführerin. So sei es sehr wichtig, Inzucht zu bekämpfen, denn zu viel davon könne zu schweren Defekten führen. «Das wollen wir unbedingt verhindern», sagt Queloz. Im Mittelpunkt stehe vor allem das Wohl des Pferdes und der Rasse. 

Der Durchschnitt liegt bei 7 %

Der durchschnittliche Inzuchtgrad liegt bei der Freibergerrasse (nach oben beschriebener Rechnung) aktuell bei 7 %. Das ist auch der Grund, weshalb im Berechnungstool «Virtuelles Fohlen» der erwünschte Zielwert des Inzuchtgrads unter 7 % zu liegen kommt. Denn der Inzuchtgrad innerhalb der Rasse nimmt stetig zu. «Schon immer. In einer geschlossenen Population steigt der Inzuchtgrad im Laufe der Zeit unweigerlich an», ergänzt Pauline Queloz.

«In einer geschlossenen Population steigt der Inzuchtgrad im Laufe der Zeit unweigerlich an.»

Pauline Queloz, Geschäftsführerin beim Schweizerischen Freibergerverband

Zuchtanlässe, wie die Hengstselektion im jurassischen Glovelier Anfang des Jahres, lassen genauer hinschauen, wenn es um die Inzucht geht. Wie die Geschäftsführerin erklärt, werde die Berechnung der Inzucht analog der Methode im Online-Tool «Virtuelles Fohlen» vollzogen. «Wenn wir uns entscheiden würden, von unserer aktuellen Berechnung zu einer Berechnung über drei Generationen überzugehen, würde dies die Inzuchtquote nach unten verändern», erklärt Queloz und ergänzt: «Allerdings würde sie dann nicht mehr wirklich der Realität entsprechen.» Wenn man bedenke, dass die Paarung eines Halbbruders und einer Halbschwester zu einer Inzuchtquote von mindestens 12,5 % führe, sei es von grundlegender Bedeutung, so nah wie möglich an der Realität zu bleiben, um die schädlichen Auswirkungen der Inzucht zu bekämpfen.

Inzuchtgrad der Fohlen nicht im Detail bekannt

Auf die Frage, wie viele Fohlen 2022 geboren wurden, deren Inzuchtgrad nach aktuellen Berechnungen über 10 % zu liegen kommt, sagt die Geschäftsführerin: «Wir haben noch nicht automatisch alle Inzuchtquoten der FM-Pferde in unserer Datenbank. Wir sind gerade dabei, mit unseren Informatikern ein System einzurichten, das es uns ermöglicht, diese Rate für jedes Pferd automatisch zu erhalten und so eine Liste aller Fohlen mit einer Inzuchtrate von mehr als 10 % zu erlangen.» Zurzeit würden die Genetiker des Schweizer Nationalgestüts auf Anfrage die Rate für bestimmte Pferde, insbesondere für Hengstanwärter, berechnen. «Ansonsten ermöglicht das Tool ‹Virtuelles Fohlen›, diese Information individuell für jedes Pferd zu suchen», erinnert Pauline Queloz.

Tiefere Werte beim RRFB

Die Freibergerhengste, die im Herdebuch des RRFB (Eidgenössischer Verband des reinrassigen Freibergerpferdes) eingetragen sind, weisen einen meist tieferen Inzuchtgrad aus als ihre «Kollegen» beim SFV. Wie das? «Das Zuchtziel des RRFB ist auf die Erhaltung der Freiberger-Genetik vor 1950 ausgelegt. Deshalb hat man seit 1994 stets auf genetische Vielfalt und Breite fokussiert», erklärt Geschäftsführer Egon Tschol aus Tornquist in Argentinien, auf Anfrage der BauernZeitung. «Damit verbunden wurden Hengste entsprechend den Züchterbedürfnissen angekört. Dem RRFB ist es gelungen, einen tiefen Inzuchtgrad zu halten. Der Median des Inzucht-Koeffizienten (IK) aller Urfreiberger-Hengste liegt bei 2,67 %», so Tschol.

AboPferdezuchtDas Fremdblut in den Adern der Freiberger ist «auf dem Mist» des Bundes gewachsenFreitag, 13. Januar 2023 Zur Berechnung des IK nutze der RRFB die Methode des Genetikers Sewall Wright. «Sie rechnet nicht fix auf eine Anzahl Generationen zurück, sondern bis zum ersten gemeinsamen Ahnen. Das können also viel mehr als nur drei Generationen sein. Zudem fliesst der IK der gemeinsamen Ahnen mit in die Berechnung ein, was datentechnisch sehr aufwendig ist», erklärt Tschol.

Keine Kompromisse eingehen

Für ihn ist klar: der Umstand des tiefen Inzuchtgrads sei darauf zurückzuführen, dass der RRFB bemüht sei, dass alle Hengste von allen alten Blutlinien, also auch B, S und U, die beim SFV auf der Hengstseite als ausgestorben gelten, zum Einsatz kommen. Diskussionen um die Methodik gebe es keine, so Tschol. «Wir haben uns entschieden, bei der Berechnung keine Kompromisse zu machen, denn alle anderen Methoden führen nicht zum Ziel», bilanziert er.