Welcher Zuchthengst passt zu meiner Zuchtstute?» Das ist die Frage, die sich jede Pferdezüchterin und jeder Pferdezüchter stellen sollte. Nicht selten spielen auch Modeerscheinungen, wie die Fellfarbe, in der Auswahl des Hengsts eine Rolle. Das alleine genügt aber nicht. Insbesondere in einer relativ kleinen Population mit rückläufigen Geburtenzahlen und einem geschlossenen Herdebuch nicht. Dazu zählt auch der Freiberger.

Unterstützung für Züchter

Um die Frage bezüglich eines optimalen Zuchtfortschrittes und Inzuchtgrades beantworten zu können, entwickelte das Schweizer Nationalgestüt von Agroscope in Zusammenarbeit mit der Hochschule für Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissenschaften (HAFL) und dem Schweizer Freibergerverband (SFV) einen virtuellen Anpaarungsplan (Poulain virtuel). Das Verfahren unterstützt Züchter bei Anpaarungsentscheidungen und dient dem Monitoring von Zuchtwert- und Inzuchtentwicklung bei der Schweizer Freibergerpopulation. «Das Instrument erfreut sich grosser Beliebtheit – wir beantworten zahlreiche Anfragen aus dem In- und Ausland», erklärt Agroscope auf Anfrage der Bauern-Zeitung.

Seit einem Jahr online

Das Programm war während zehn Jahren beim SFV und auf dem Gestüt durch Anfragen per E-Mail oder Telefon verfügbar. Seit Juli 2020 ist das Programm nun im Internet verfügbar und für alle Züchterinnen frei zugänglich. «Wir haben ein Monitoring-Tool entwickelt, um die Nutzung der Seite zu untersuchen», erklärt Clara Ackermann vom Schweizer Nationalgestüt, Agroscope, in Avenches VD. Nach nur fünf Monaten im Netz sei die Seite bereits von 1247 Nutzer(innen) besucht worden. Über 80 % der Besucherinnen und Besucher sind in der Schweiz wohnhaft. Die Seite wird aber auch von Personen aus anderen Ländern, wie Deutschland, Frankreich und Belgien besucht, es gibt sogar Zugriffe aus Polen, China oder den USA.

 

Wichtige Informationen

In der laufenden Decksaison haben die Zugriffe weiterhin zugenommen. Von Februar bis Mitte April betrug die Anzahl der Benutzerinnen insgesamt 2024 – mit 1910 neuen Benutzern (+75 %). Gestüt und SFV zeigen sich zufrieden mit den Zahlen. «Die Online-Variante ermöglicht, die wichtigen Informationen, die bei einer Anpaarung zu beachten sind, wie beispielsweise den Inzuchtgrad des virtuellen Fohlens, farblich hervorzuheben», erklärt Clara Ackermann. Dadurch könnten die Benutzerinnen sehen, ob sie mit der geplanten Anpaarung «im grünen oder im roten Bereich» sind.

Gut akzeptiert

Aus den Züchterkreisen sei das Feedback im Allgemeinen sehr positiv. «Es gibt auch Züchter, die zu uns kommen, um das bereits geborene Fohlen mit den Schätzungen des Programms zu vergleichen», erklärt Ackermann. «Es ist immer zu bedenken, dass das Programm Schätzungen der Zuchtwerte berechnet. Das einmal geborene Fohlen kann anders sein als das, was das Programm vorschlägt. Das ist die Magie der Natur und der Zucht», erinnert sie.

Zuchtfortschritt überwachen

Auf die Frage, welche Ziele der Freibergerverband und das Gestüt mit dem Programm verfolgen, erklärt Clara Ackermann: «Das Ziel ist, die Züchter bei der Auswahl der Hengste zu unterstützen und die Überwachung des optimalen Zuchtfortschrittes und Inzuchtgrades zu ermöglichen. Auch wenn wir uns freuen, dass viele das Programm nutzen, gibt es kein quantitatives Ziel, sondern eher qualitative Ziele, wie die Qualität der durchgeführten Paarungen über den Inzuchtkoeffizienten oder das Bewusstsein für die Inzucht zu schaffen.»

 

 

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Alle aktiven Hengste und Stuten

Das Online-Programm beinhaltet alle in der Zucht aktiven Hengste, einschliesslich jener, die nur mit Gefriersamen verfügbar sind. Zudem enthält es alle aktiven Zuchtstuten, die zwischen 2008 und 2020 Nachkommen hatten, sowie Stuten, die zwischen 2014 und 2018 geboren wurden. «Wenn die Stute älter ist und noch nie ein Fohlen hatte, kann sie nicht im Programm registriert werden», sagt Ackermann. Wenn die Stute nicht im Programm sei, soll die Besitzerin oder der Besitzer einfach Kontakt mit dem Freibergerverband oder dem Schweizer Nationalgestüt aufnehmen.