Der Alpwirtschaftliche Verein Luzern lud kürzlich auf die Alp Trockenmatt am Fusse des Mittaggüpfi beim Pilatus zu einer Fachtagung zu Themen wie standortangepasste Nutzung, Biodiversität und Landschaftsqualität sowie Herdenschutz auf Rindviehalpen.

Die alte Scheune war baufällig

Besichtigt wurde aber auch die neue Scheune, der 150-jährige Anbindestall musste einem modernen Boxenlaufstall weichen. Josef Burri, der Präsident der Alpgenossenschaft, präsentierte mit Stolz den im Jahr 2020 neuerbauten Alpstall. Der alte Stall war in verschiedenen Hinsichten nicht mehr zeitgemäss. Da nur noch zwei der zwölf Genossenschafter Vieh auf die Trockenmatt zur Sömmerung geben, wurde zuerst ein kostengünstigerer Umbau favorisiert. Da der Zustand der Stützmauer die Statik des Gebäudes gefährdete, wurde schlussendlich der Entscheid zu Gunsten eines Neubaus gefällt. Dem Vorstand und den Mitgliedern war es wichtig, dass eine arbeitswirtschaftlich gute Lösung gefunden wird, die zum Standort auf der Trockenalp passt.

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Neuer Laufstall mit Hochboxen

Auch die Familie Ziegler, die seit zwölf Jahren als Hirten für die Sömmerung der Tiere auf der Alp sorgt, hatte ein Mitspracherecht. Gemeinsam wurde entschieden, einen Laufstall mit 82 Liegeplätzen zu realisieren. Die Hochboxen sind mit einer Gummimatte ausgestattet, so muss kein Stroh für das Einstreuen zugeführt werden. Zudem müssen die Tiere, die auf den Talbetrieben vorwiegend in Laufställen gehalten werden, nicht mehr angebunden werden. Die Investition belief sich auf 540'000 Franken. Davon wurden 65 Prozent durch Kapital der Genossenschafter finanziert. «Jeder Besitzer eines Anteilscheins war verpflichtet, ein zinsloses Darlehen auf unbestimmte Zeit zu geben», erklärte Burri.

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In diesem Ökonomiegebäude wurden rund 130 Kubikmeter Bauholz verbaut, das ausschliesslich von der Sägerei in Schwarzenberg stammte. Seit dem 1. Juni weiden dieses Jahr vier Gruppen auf der 1400 Meter über Meer gelegenen Alp im Eigenthal. Die Tiere stammen von acht verschiedenen Betrieben aus den Kantonen Luzern und Aargau.

Biodiversität auf Alpen

Linda Riedel, Biodiversitätsberaterin beim BBZN Schüpfheim, wies darauf hin, dass das Projekt Landschaftsqualität im Sömmerungsgebiet bis 2025 ver­längert wurde. Betriebe müssten bei der Anmeldung die Eintrittskriterien erfüllen, so die drei Grundanforderungen und mindestens drei weitere Massnahmen. Merkblätter zum Herunterladen gibt es bei der Dienststelle Landwirtschaft und Wald (Lawa). Wer neu in die Landschaftsqualität einsteige, müsse bis zur nächsten Betriebsdatenerhebung im Folgejahr die Beratung in Anspruch nehmen. Biodiversitätsbeiträge auf Alpen gibt es auch für artenreiche Grün- und Streueflächen mit hoher floristischer Qualität. Auch Objekte von nationaler Bedeutung wie Flachmoore sind ohne Beurteilung beitragsberechtigt, sofern sie als solche angemeldet sind und deren Schutz in einem Naturschutzvertrag mit dem Kanton geregelt ist. Ferner gibt es auch Naturschutzbeiträge, mit welchen naturschutzfachliche Leistungen individuell abgegolten werden. Auch dazu gibt es Merkblätter auf der Website vom Lawa.

Zäune für den Herdenschutz

Über Erfahrung, Massnahmen und Zukunft des Herdenschutzes informierte Dieter von Muralt, Herdenschutzberater beim BBZN Schüpfheim. Die aktuellen Risse von Nutztieren, sogar von Mutterkühen, lassen derzeit die Emotionen der Alpbewirtschafter hochgehen. In der Tat könnten Rinder Opfer von Wölfen werden, wenn diese gemeinsam jagen, zitierte von Muralt aus dem Merkblatt von Agridea.

Kälber müssen  geschützt werden

Rindviehhalter sollten deshalb vor allem in den ersten zwei Wochen nach der Abkalbung die Jungtiere schützen, dies wegen einer allfälligen Entschädigung. Während der Sömmerungszeit sollten deshalb Abkalbungsweiden eingeplant werden, für das Tierwohl, die Unfallverhütung und für den Herdenschutz. Von Muralt ging ferner auf Wolfschutzzäune auf Kleinviehweiden ein. Für die Erstellung und den Unterhalt seien aber einige Punkte zu beachten. Auch dazu gibt es Merkblätter von Agridea.

Elektrozaun für Rinder verbreitet

Der Einsatz von Herdenschutzhunden sei oft bei Kleinvieh, doch seltener beim Rindvieh anzutreffen. Die Herausforderung sei, dass der Hund von der Herde akzeptiert werde und nicht selbst mit den Kühen in Konflikt gerät. Deshalb sei der Elektrozaun eine weitverbreitete Lösung. Die Abkalbeweide für die ersten beiden Lebenswochen der Kälber sowie für Kleinvieh hätten folgende Anforderungen:

  • Mindestens vier Litzen
  • Erste Litze max. 20 cm über dem Boden
  • Mindesthöhe des Zaunes von 90 cm
  • Minimale Spannung von 3000 Volt am Ende des Zaunes

«Es ist lohnenswert, auf hochwertiges Zaunmaterial zu setzen», betonte Dieter von Muralt. Zudem sei auf eine gute Erdung der Elektrozäune zu achten.

Weitere Infos zu Beiträgen an Herdenschutzmassnahmen oder auch zur Entschädigung bei Rissen von Nutztieren gibt es unter https://www.herdenschutzschweiz.ch/

Portionenweide ist vorteilhaft

Über standortangepasste Nutzungen auf Alpen orientierte Hans Siegenthaler, Alpwirtschaftsberater vom BBZN Schüpfheim. In Jahren mit einem hohen Futterangebot könne auch auf den Alpen die Konservierung eine Entlastung bringen. Um die Weideverluste so gering wie möglich zu halten, sei eine Portionenweide von Vorteil. So werde die ganze Weide abgefressen, und nicht nur stets die guten Weidegräser. Ansonsten würden stets die weniger wertvollen Gräser versamen und überhand nehmen. Um einen guten Wiesenbestand erhalten zu können, müssten Trittschäden möglichst gering gehalten werden.

Stallen wenn nötig

Die Koppeln sollen dafür hoch und nicht zu breit sein, damit keine Weidewege entstehen. Zudem sei nach Möglichkeit die Tränke an der Oberseite der Koppel zu platzieren. «Die wichtigste Massnahme zur Weidepflege ist das Einstallen der Tiere bei zu nassen Bedingungen», hielt Hans Siegenthaler fest. So könnten raue Stellen minimiert werden. Dazu müsse aber das Einstallen einfach zu handhaben sein. Für eine Übersaat auf Alpen eigne sich die Mischung 481 gut. Diese enthält gute Weidegräser, die auch in höheren Lagen gedeihen.

Versamen vermeiden

Damit die Ausbreitung der Unkräuter bestmöglich unterdrückt werden kann, sei es wichtig, das Versamen der Pflanzen zu vermeiden. Dazu könnten die Blütenköpfe abgeschnitten werden. «Wichtig ist, diese Blüten abzuführen und nicht auf den Wiesen zurück­zulassen, denn die Nachreifung der Samen ist nicht zu unterschätzen»,  erklärte Marco Odermatt, Pflanzenbauberater beim BBZN Schüpfheim. Denn gewisse Pflanzen, wie das einjährige Berufkraut, das als invasiver Neophyt gilt, hätten ein enormes Vermehrungs­potenzial. Das Ausreissen oder Ausstechen sei eine effektive Methode, die jedoch mit gros­sem Aufwand verbunden sei. Pflanzenschutzmittel erzielten im Frühling oder im Spätsommer die beste Wirkung. «Aber aufgepasst, Flächenbehandlungen sind bewilligungspflichtig», ergänzte Hans Siegenthaler.