In der Mutterkuhhaltung eine mit der Milchviehhaltung vergleichbare Wirtschaftlichkeit zu erreichen, sei schwierig, stellt Agroscope in einer Mitteilung fest. Das liege daran, dass es eben nur Fleisch und keine Konsummilch produziert werde. Da es aber immer mehr Betreibe mit Mutterkühen in der Schweiz gibt, wollten die Forscher herausfinden, wie sich die Mutterkuhhaltung an verschiedenen Standorten wirtschaftlich optimieren liesse.

Mehr Effizienz oder weniger Kosten

Die Studie kommt zu dem Schluss, dass es zwei grundsätzliche Strategien gibt:

Effizienz steigern: Die Produktivität der Mutterkuh wird erhöht, z. B. mit zugekauften Kälbern, die zusätzlich zum eigenen Kalb am Euter saugen. Pro Kuh können so mehr Kälber verkauft werden.

Kosten senken: Die Arbeits-, Maschinen- und Kraftfutterkosten tief halten und sich auf den Erhalt von Direktzahlungen konzentrieren. D. h. man erbringt möglichst viele gemeinwirtschaftliche Leistungen für die Biodiversität, die entsprechend entschädigt werden.

Für beide Strategien gelte es, den Wettbewerbsvorteil einer standortangepassten, graslandbasierten Fleischproduktion zu erhalten, betont Agroscope. Das bedeute unter anderem, den Import von Kraftfutter zu minimieren.

Deutlich höhere Einkommen wären möglich

Ein besonders grosses Potential sieht man auf reinen Grünlandbetrieben an guten Futterbaulagen in der Tal- und Hügelregion. Eine Umstellung von der herkömmlichen Natura-Beef- auf intensive Natura-Veal-Produktion würde zu «deutlich höheren Einkommen» führen, schreiben die Studienautoren. Voraussetzung dafür seien mindestens zwei Kälber pro Kuh und Jahr. Generell könnten fruchtbarere und robustere Mutterkühe die Effizienz verbessern.

Was nicht Teil der Untersuchung war, ist die Frage, inwieweit eine solche Intensivierung umweltverträglich wäre. Dies unter anderem bezüglich Nährstoffkreisläufe. In der Talregion könne es allerdings bei guten Produktionsalternativen im Gesamtbetrieb auch sinnvoll sein, eine Low-Cost-Straregie zu fahren. Das würde bedeuten, dass die Mutterkuhhaltung zu einem weniger relevanten, aber doch unverzichtbaren Nebenbetriebszweig würde.

Im Berggebiet sind Mutterkühe rentabler

Was den Standort angeht, fand Agroscope signifikante Unterschiede zwischen dem Tal- und Berggebiet. In Letzterem seien die Einkommen aus der Mutterkuhhaltung sowohl absolut als auch pro Hektare deutlich höher als im Tal (im Durchschnitt mehr als doppelt so hohes Einkommen je Hauptfutterfläche und mit 20 Franken pro Arbeitsstunde gut 50 Prozent höhere Arbeitsverwertung). Bei Talbetrieben würden hohe Strukturkosten z. B. für Gebäude und Maschinen vereinzelt gar zu negativen Einkommen führen.

Direktzahlungen machen den Unterschied

Im Berggebiet sei die Mutterkuhhaltung eine Haupterwerbsquelle im Sine einer Landschaftspflege mit Fleisch aus Gras als Nebenprodukt. Die Produktion und die Pflege der Landschaft unter erschwerten Bedingungen generiert höhere Direktzahlungen, weshalb Verbesserungen in der Fleischproduktion wenig Einfluss auf das Einkommen haben. Optimieren liesse sich die Mutterkuhhaltung im Berggebiet aber schon, namentlich über eine standortangepasste Genetik mit leichteren Kühen oder Stieren mit besserer Fettabdeckung, bemerken die Autoren. Für gemischte Talbetriebe rentiere sich die Mutterkuhhaltung nur dann, wenn die Kosten konsequent tief gehalten werden.

Empfehlungen für alle 5 Produktionssysteme

Agroscope hat die untersuchten Betriebe jeweils einem von fünf Produktionssystemen zugeordnet (siehe unten). Basierend auf der Wirtschaftlichkeitsanalyse geben die Autoren jeweils folgende Empfehlungen zur Optimierung:

Intensive Natura-Veal-Betriebe: Geeignet v.a. für gute Futterbaulagen in der Hügel- oder nicht-ackerfähigen Talregion. Mindestens zwei Kälber pro Kuh, optimales Weidemanagement, qualitativ hochwertige Wiesenbestände, um den Zukauf von Ergänzungsfutter zu vermeiden. Je nach Anzahl Kälber pro Kuh könne ein mässiger Einsatz von Kraftfutter aber sinnvoll sein.

Extensive Natura-Veal-Betriebe: Für höhere Lagen mit mässiger Futterbauqualität. Landschaftspflege und Biodiversität ins Zentrum stellen, Low-Cost-Strategie mit idealerweise grösserer Fläche. Tiefe Maschinenkosten, wenig Arbeitszeit, robuste, problemlose und kleinrahmige Kühe mit ausreichender Milchleistung. Bei mässiger Grundfutterqualität Stier mit überdurchschnittlicher Fettabdeckung einsetzen (evtl. KB mit digitaler Brunsterkennung).

Natura Beef Berggebiet: Für durchschnittliche bis gute Futterbaulagen. Effiziente Arbeitsorganisation bei tiefen Maschinenkosten, bei der Zucht auf minimalen Bedarf an Ergänzungsfutter achten, dazu mässiges Kuhgewicht bei trotzdem ansprechender Schlachtkörperqualität, an Fettabdeckung angepasste Genetik einsetzen.

Natura Beef Talgebiet: Eine grössere Fläche ist wirtschaftlicher (mehr Spielraum für das Ausschöpfen von Direktzahlungen für die Biodiversität), hier sind die Betriebe aber oft limitiert bzw. es besteht Konkurrenz mit anderen Kulturen. Je nach Betriebssituation entweder Low-Cost-Strategie fahren (bei lukrativen alternativen Betriebszweigen) oder intensivieren (in nicht-ackerbaufähigen, niederschlagsreichen Gebieten mit weniger Alternativen).

Ausmast-Beef Talgebiet: Ähnliche Situation wie bei Natura-Beef-Betrieben. Eine bessere Kuhproduktivität via Herden- und Fruchtbarkeitsmanagement lohnt sich hier genauso, wie  in den anderen Produktionssystemen. Weitere Optimierung möglich über zugekaufte Remonten für die Weidemast (Kombination klassischer Mutterkuhhaltung mit Weidemast).

 

Die vollständige Studie «Wirtschaftlich optimale Produktionssysteme in der Mutterkuhhaltung: Eine ökonomische Analyse basierend auf 42 Mutterkuhbetrieben im Tal- und Berggebiet» finden Sie hier.   

 


42 Betriebe und 5 Produktionssysteme untersucht.

Für die Studie wurden 42 spezialisierte Mutterkuh-Betriebe aus verschiedenen Kantonen und Höhenzonen mit mindestens 18 Rindergrossvieheinheiten ausgewählt. Über diese Grössengrenze schloss Agroscope bewusst Nebenerwerbs- und Hobbybetriebe aus, die Strichprobe sei hinsichtlich Grössenstruktur dem Durchschnitt im Verband Mutterkuh Schweiz sehr ähnlich. Die Hälfte der teilnehmenden Höfe arbeiten nach den Bio-Suisse-Richtlinien. Es waren mehrere Rassen vertreten, wobei meist F1-Kreuzungstiere oder Mehrfachkreuzungen mit Milchviehgenetik eingesetzt wurden. Die Forscher charakterisierten die Betriebe nach fünf Produktionssystemen:

  • Natura Veal Intensiv
  • Natura Veal extensiv
  • Natura Beef Berg
  • Natura Beef Tal
  • Ausmast Beef Tal

Im Vergleich zu älteren Studien kam man in dieser Arbeit durchschnittlich auf eine höhere Arbeitsverwertung in der Mutterkuhhaltung. Agroscope führt dies auf die Stichprobe unter weitestgehendem Ausschluss von Nebenerwerbsbetrieben zurück. Ausserdem gehe man davon aus, dass eher besonders kostenbewusste und wirtschaftlich interessierte Landwirt(innen) an der Studie teilnahmen.