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Die Harnstoffwerte sind im Herbst ausser Rand und Band

Die Kühe geniessen vielerorts noch die letzten Tage auf der Weide. Die Hanrstoffe sind während dieser Phase meist hoch. Das ist aber nicht zwingend ein Problem.

Was gilt es bei hohen Harnstoffwerten im Herbst zu beachten? Die schnelle Antwort: Meistens nichts – sofern die hohen Harnstoffwerte durch das Grünfutter bedingt sind. Aber nun der Reihe nach: Der Harnstoffwert in der Milch entspricht dem Harnstoffgehalt im Blut sowie im Harn. Im Blut entsteht Harnstoff, wenn die Leber den aus dem Pansen kommenden Ammoniak entgiftet. Im Pansen wiederum entsteht viel Ammoniak, wenn die Pansenbakterien für ihr Wachstum wesentlich mehr Stickstoff zur Verfügung haben als Energie.

Gründe für mehr Stickstoff

Genau hier liefert das Grünfutter im Herbst aus drei Gründen meist wesentlich mehr Stickstoff als Energie (Zucker oder Zellulose). Zum einen ist die Bodentemperatur höher als bei gleichen Verhältnissen im Frühjahr. Dies begünstigt weiterhin die Mineralisierung von Stickstoff im Boden sowie deren Aufnahme in die Pflanze. Zum anderen steigt im Herbst der Kleeanteil auf den Wiesen. Kleepflanzen können mit Hilfe der Knöllchenbakterien in ihren Wurzeln Stickstoff aus der Luft gewinnen und weisen daherhöhere Stickstoffgehalte auf als Gräser oder Kräuter. Zum Dritten ist im Herbst die Spanne zwischen zwei Nutzungen kürzer. Jüngere Pflanzen haben im Verhältnis mehr Stickstoff (Rohprotein) als Energie.

Aus all diesen Gründen steigt bei vielen Milchviehbeständen im Herbst unweigerlich der Harnstoffgehalt. Aus der oben formulierten Logik kann man nun mit energiereicheren Futtermitteln den Ammoniakanfall im Pansen senken. Doch leider müsste diese zusätzliche Energie genau dann zur Verfügung stehen, wenn aufgrund der Weide oder dem Eingrasen im Pansen viel Stickstoff frei gesetzt wird. Im dümmsten Fall hat der Pansen am Morgen und Mittag auf der Weide einen Stickstoffüberschuss und nach dem Melken im Stall einen Energieüberschuss. Die gute Nachricht: Die Kühe – eigentlich die Pansenbakterien – konnten sich im Verlaufe des Sommers an das höhere Stickstoffangebot gewöhnen. Solange man mit der Milchleistung, den Inhaltsstoffen sowie Fruchtbarkeit zufrieden ist, sind hohe (oder tiefe) Harnstoffgehalte für mich kein Grund, die Fütterung zu ändern.

Umrindern nach Umstellung

Spannend ist für mich folgende Beobachtung von Landwirten am Ende der Weideperiode. Sie hatten von viel Weidefutter relativ schnell auf die Winterfütterung (Heu und energiereiche Frühlingssilage) gewechselt. Im Nachhinein fiel ihnen auf, dass in dieser Zeit viele Tiere umrinderten. Gemäss Lehrmeinung wäre weniger Harnstoff besser für die Fruchtbarkeit, aber wenn die Anpassung die Pansenbakterien «übertölpelt», hat die Kuh am Ende zu wenig Essigsäure oder Energie aus dem Pansen für ihre Fruchtbarkeit.

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