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Die Bio-Milchviehzucht soll standortgerecht sein

Auf Biobetrieben werden künftig kleinere und anspruchslosere Kühe gefragt sein. Für die Zucht eignen sich insbesondere Schweizer Stiere, weiss Agnet Spengler vom FiBL.

«Viele Biobauern sind unzufrieden mit den KB-Stieren aus dem Katalog», sagte Jenifer van der Maas von der Bioberatung am BBZ Arenenberg vergangene Woche am Provieh-Biomilchstamm. Das sei der Grund, weshalb vor zwei Jahren das Projekt «Bio-KB-Stiere für die Milchviehzucht» ins Leben gerufen wurde.

Kraftfutteranteil wird gesenkt

Dieses Projekt und die Frage nach der passenden Biokuh waren Themen der Abendveranstaltung, die vom BBZ Arenenberg organisiert wurde und bei Marcel Frei im thurgauischen Illhart stattfand. Dieser hatte seinen Betrieb, der 39 Hektaren landwirtschaftliche Nutzfläche umfasst, 2009 auf Bio umgestellt. 2017 liess er einen neuen Freilaufstall bauen, in dem heute 50 Holsteinkühe leben. Diese liefern jährlich knapp eine halbe Million Liter Milch, der Anteil des Kraftfutters beträgt derzeit sieben Prozent.

«Solche Kühe würden nicht in die Bergregion passen, dort wären sie zu anspruchsvoll», meinte Anet Spengler vom Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL). Auch sei es für Milchkühe in Bergzonen üblich, dass sie jährlich abkalben. «Die Holsteinkühe von Marcel Frei haben absichtlich lange Laktationen und sehr lange Zwischenkalbzeiten. So müssen sie weniger Trächtigkeiten und Geburten absolvieren, die immer anstrengend sind für eine Kuh, und geben dennoch lange viel Milch», stellte die Rindviehspezialistin fest.

Man könne jedoch nicht sagen, Holstein passe nicht zu Bio. In dieser Region im Kanton Thurgau sei eine intensivere Haltung durchaus möglich. «Biozucht muss standortgerecht sein. Das bedeutet, dass die Kuh zum Standort passen muss», sagte Spengler weiter. Sie wies aber auch darauf hin, dass es mit den Fütterungsregeln ab 2022, die einen maximalen Kraftfutteranteil von neu fünf Prozent vorschreiben, für anspruchsvolle Kühe schwierig werde.

Mit Raufutter auskommen

Die Agronomin verwies auf zwei Semesterarbeiten an der Hochschule für Agar-, Forst- und Lebensmittelwissenschaften (HAFL), welche sie begleitet hat. Dabei wurde der Frage nachgegangen, wie und wann es Biomilchkühe nach dem Abkalben wieder schaffen, nur mit Raufutter oder mit nur sehr wenig Kraftfutter auszukommen. Dazu wurden insgesamt 20 Kühe der Rassen Red Holstein und Swiss Fleckvieh zweimal pro Woche nach der Körper-Konditionsbewertung (BCS) beurteilt. Die Hypothese lautete, dass ein Tier wieder mit Raufutter und ohne oder mit wenig Kraftfutter auskommen kann, sobald der Punkt erreicht ist, an dem es aufhört, Fett abzubauen. «Fast die Hälfte der Kühe hat dies geschafft, ohne die Milchleistung zu reduzieren oder wieder Körperfett abzubauen», sagte Spengler. Sie könne sich vorstellen, dass diese Eigenschaft ein Selektionskriterium besonders für Biobetriebe sein könnte. Das würde bedeuten, dass nur Kühe für die Zucht in Frage kämen, welche etwa 15 Wochen nach dem Kalben gut ohne Kraftfutter, sondern nur mit dem betriebseigenen Grundfutter auskommen, ohne weniger Milch zu geben. Das wäre standortgerechte Zucht.

Die Grösse ist laut Anet Spengler ein Grund, weshalb es für manche Kühe kaum möglich ist, ohne Kraftfutter auszukommen: «Grosse Kühe sind anspruchsvoller. Sie brauchen mehr Energie für Erhaltung und Leistung, während der Pansen nicht im gleichen Mass grösser ist.» Inzwischen werde bei Zuchtwertschätzungen wie etwa beim Swiss Index (SWI) die Grösse negativ bewertet. Für die Agronomin ist daher klar: «Es braucht für Bio kleinere Kühe».

Schweizer Stiere bevorzugt

Bei der Wahl eines Stiers ist auch darauf zu achten, dass seine Milchleistungsvererbung zum Betrieb passt, so Spengler. Auch sollte er punkto Zellzahl, Fruchtbarkeit, Nutzungsdauer und Persistenz überdurchschnittlich sein. Ideal sind Schweizer Stiere oder KB-Stiere mit Schweizer Leistungsprüfung. Der Weidezuchtwert (WZW) und der Fitnesswert (FIW oder IFF) sollten je über 100 liegen. Als besonders fitnessstark ausgezeichnet sind Stiere, welche das Kleeblatt-Logo tragen. Ein weiteres Kriterium sind gute Lebensleistungen der weiblichen Vorfahren, zudem sollte die Grösse der Töchter im Durchschnitt bei etwa 145 cm liegen.

Kreuzung als Alternative

Ausser auf Bio-KB-Stiere zu setzen, besteht die Möglichkeit, einzukreuzen. «Damit können unter Umständen verbesserte Eigenschaften (Heterosiseffekt) erzielt werden», sagte Anet Spengler. Allerdings sei die Weiterzucht mit diesen Tieren oft unbefriedigend und anspruchsvoll, auch gebe es bei Leistungsprüfungen meistens keine Unterstützung vom Bund.

Zudem stelle sich die Frage, welche Kreuzung sich im individuellen Fall am besten eignet. Verschiedene Varianten von Kreuzungen zwischen den gängigen Rassen würden unterschiedliche Resultate hervorbringen. Deshalb müsse man sich vorher genauer damit beschäftigen. Oder man bleibt laut Spengler bei der angestammten Hofrasse und züchtet gezielt auf bestimmte Kriterien wie geringe Grösse und gute funktionale Merkmale. Zudem empfiehlt es sich immer, die Haltungs- und Fütterungsbedingungen zu optimieren.

Download der Anleitung zur BCS-Beurteilung unter: www.fibl.org

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