Ab 2022 reduziert Bio Suisse die Kraftfuttereinsatzgrenze für Wiederkäuer wie berichtet von 10 auf 5 %. Wir befragten die Betriebsleiter eines Milchschaf- und eines Milchziegenbetriebes zu notwendigen Anpassungen von Zuchtstrategie und Fütterungsmanagement.
Kein Mehrpreis zu erwarten
Der Entlebucher Schafhalter Lukas Hofstetter ersetzte zu Testzwecken während des letzten Sommers das Sojaextraktionsschrot durch betriebseigenes Trockengras und fütterte etwas Maiswürfel dazu.
Während der Fett- und Eiweissgehalt sich in etwa hielten, sank die Milchleistung um 10 bis 20 %, da der Proteinbedarf mit den Frühlings-Graswürfeln nicht gedeckt werden konnte. Die Herbst-Graswürfel seien viel proteinreicher, doch diese sind laut Hofstetter im Verlauf des Frühlings bereits gefüttert.
Das erste Ziel bestehe darin, durch geringeren Bandrecheneinsatz weniger verschmutztes Futter zu ernten, meint der Jungbauer. Er plant zudem einen Kleesaatversuch für die Trockengrasherstellung. Die Anschaffung eines Futtermischers zur Herstellung einer Totalmixration (TMR) würde zudem den Futterverzehr erhöhen und damit die Leistungen der Auen und deren Verdauungsstabilität und Futtereffizienz verbessern, sagt Lukas Hofstetter.
«Kraftfutteranteil interessiert Käufer nicht»
«Der Konsument unseres Nischenproduktes ist ein bewusster Geniesser», sagt er, trotzdem werde er die wegfallenden Kraftfutterimporte kaum anerkennen. «Der Prozentsatz an Ergänzungsfutter interessiert den Käufer kaum und er wird für das Milchprodukt in einem gesättigten Markt keinen höheren Preis bezahlen wollen», prognostiziert Hofstetter. Ungeachtet dessen würden aufgrund der Rohstoffverknappung die Bio-Kraftfutter bestimmt teurer.
Die in Frankreich mit viel Kraftfutter ernährten Lacaune-Zuchttiere müssten nun so weitergezüchtet werden, dass sie das kraftfutterreduzierte Fütterungssystem ertragen. «Dieser Prozess braucht viel Zeit und Geduld bis wir wieder das heutige Leistungsniveau erreicht haben», so Hofstetter. Gelegentlich verkauft er Böcke aus seiner Zucht, welche schon einen Teil dieser gewünschten Eigenschaften mitbringen.
Milchleistung beeinträchtigt
Auch Milchziegenhalter Nicolas Crottaz macht sich Gedanken zur künftigen Fütterung. «Der Start der Jungtiere sowie die Transitphase der Milchziegen werden am schwierigsten zu bewältigen sein», so sein Fazit. Die Situation verschärfe sich weiter, da die Jungziegen in der GVE-Berechnung immer noch nicht berücksichtigt werden und damit das Kraftfutteranrecht für den Betrieb tiefer ausfalle, sagt Crottaz. «Ich rechne kurzfristig mit einer Minderleistung von bis zu 100 kg je Ziege aufgrund des tieferen Laktationsstarts und der längeren Galtphase.»
Die intensive Beweidung des Grünlands durch Mähweide gelinge mit Ergänzung von Maiswürfeln im Frühling und Herbst sowie wenig Kraftfutter bei höheren Leistungen im Sommer erfahrungsgemäss gut. Für die Winterration ist eine Erhöhung der betriebseigenen Trockenluzerne ab 2022 geplant, um den Laktationsstart der Ziegen aufgrund des tieferen Kraftfuttereinsatzes besser zu meistern.
Da mit 5 % Ergänzungsfutter eine Ration kaum auszugleichen sei, werde sein Futtermittellieferant die Mischfutter-Lieferung nur Produzenten garantieren können, die eigene Futtergetreide und Eiweissträger (Lupinen, Soja, Ackerbohnen) liefern können. Für die andern werde es schwierig, ein eiweissreiches Ergänzungsfutter zu kaufen, da die Mengen an einheimischen Bio-Proteinträgern heute noch fehlen, so Crottaz.
Der Milchschafbetrieb
Betrieb: Lukas Hofstetter, Bützmannsguet, Entlebuch (Luzern)
Betriebszweiggemeinschaft mit Bruder
LN: 43 ha
Viehbestand: 280 Lacaune-Auen, Milchleistung 450 kg/Jahr,
Gehalte: Fett 6,5 %, Protein 5,5 %
Lämmerausmast: ca. 80 % auf Betrieb, Rest Verkauf
Arbeitskräfte: Betriebsleiter, 2 Mitarbeiter, Bruder als Aushilfe
Milchkäufer: Emscha GmbH, Entlebuch
Der Milchziegen-Betrieb
Betrieb: Nicolas Crottaz, Prévonloup (Waadtland, Broyetal)
LN: 21 ha
Viehbestand: 180 Gämsfarbige Gebirgsziegen, Milchleistung 600–650 kg in 220 Laktationstagen
Gehalte: Fett 3,15 %, Protein 2,75 %
Arbeitskräfte: Betriebsleiter, 1 Angestellter, 2 Lehrlinge, Eltern
Verarbeitung: Eigene Käserei «La capricieuse»
Produkte: Frisch-, Raclette-und Halbhartkäse
Verkauf: Direkt in Geschäften und Wochenmarkt Vevey

