Die zweite Dekade der Verbandsgeschichte stand ganz im Zeichen der Vereinheitlichung des Typs. Dazu beigetragen haben unter anderem die Herausgabe der zweiten Auflage der Monographie «Das Schweizerische Braunvieh» von Heinrich Abt (1910) sowie diverse Anleitungen und Handbücher zur Braunviehzucht und Herdebuchführung.

Im Bestreben, eine gleichmässige Beurteilung der Tiere zu erreichen, wurden laufend interkantonale Kurse für Preisrichter und Messexperten abgehalten. Ausstellungen, die Spaltung des Verbandes und der Krieg brachten es aber mit sich, dass solche Veranstaltungen auch lange Jahre ruhten.

Schweizer Kuh mit internationalem Ruf
Folge 2/12. Dieses Jahr feiert Braunvieh Schweiz sein 125. Verbandsjubiläum. Eine gute Gelegenheit, in den Archiven zu stöbern und einen Blick in die Geschichtsbücher zu werfen. In den nächsten zwölf Monaten werden wir Beiträge jeder Dekade von der Gründung bis heute publizieren und einen Blick in die Zukunft werfen.

Grosses Krisenjahr

1911 war ein Krisenjahr für den Verband. Der Kanton St. Gallen trennte sich vom Verband. Dies war ein grosser Einbruch der vorher stetig wachsenden Anzahl an Genossenschaften. Insgesamt 73 St. Galler Genossenschaften traten aus und die Mitgliederzahl sank auf 175 (Vorjahr 248). Zur Trennung kam es aufgrund eines neuen Marktplatzvertrages von 20 Jahren mit der Stadt Zug.

An der Delegiertenversammlung vom 4. September 1910 sprach Dr. Baumgartner − damaliger Regierungsrat − im Auftrage von St. Galler Genossenschaften gegen den Antrag des Vorstandes mit der Begründung, die Vertragsdauer sei zu lang. Man solle mit Zug nur auf fünf Jahre abschliessen und mit Rapperswil verhandeln, das besser gelegen sei als Zug.

Der Antrag des Vorstandes wurde mit 149 gegen 109 Stimmen angenommen. Die Vertragsdauer wurde dennoch auf 10 Jahre reduziert und der neue Antrag wurde an der am 4. Februar 1911 in Rapperswil einberufenen ausserordentlichen Delegiertenversammlung mit 255 gegen 198 Stimmen angenommen.

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Konkurrenzverband mit Stierenmarkt

Unzufrieden mit diesem Resultat traten die meisten Genossenschaften aus dem Kanton St. Gallen im Laufe des Jahres aus und gründeten einen Konkurrenzverband unter dem Namen «Kantonalverband St. Gallischer Braunviehzuchtgenossenschaften» mit einem Stierenmarkt in Rapperswil.[IMG 5]

Im Laufe der Jahre setzte eine erfreuliche Zusammenarbeit zwischen den zwei Verbänden ein. Doch es mussten immerhin beinahe 25 Jahre verstreichen, bis endlich wieder ein Zusammenschluss erfolgte

Zahlreiche Exporte während des Krieges

[IMG 4]Während der Kriegsjahre wurden spezielle Ausfuhrbewilligungen erteilt. Die Kommission Schweizerischer Viehzuchtverbände wurde mit der Durchführung und Organisation des Exports betraut. Die Viehausfuhr stützte sich auf vorausgegangene vertragliche Abmachungen des Bundes mit den Bezugsländern.

Im Herbst 1916 wurde unter der Leitung der Kommission Schweizerischer Viehzuchtverbände und in Verbindung mit dem Eidgenössischen Volkswirtschaftsdepartement in grossem Stil Nutz- und Zuchtvieh exportiert. Von dieser Ausfuhr − insgesamt rund 50’000 Tiere − waren etwa 21’500 Stück Braunvieh. Die Tiere wurden hauptsächlich nach Deutschland exportiert, aber auch nach Österreich, Ungarn, Luxemburg sowie eine Sendung junger Zuchttiere nach Italien.

Dieser umfangreiche Viehexport erforderte eine perfekte Organisation. So wurden in den zwei Hauptrassengebieten je eine Geschäftsstelle bezeichnet, die aus einem Kommissär und einem Chefeinkäufer bestand. Ihm standen eine grosse Zahl Einkäufer zur Seite. Die Auszahlung der einheimischen Viehlieferanten erfolgte sofort, während die Abrechnung mit den ausländischen Abnehmern durch das Büro der Kommission Schweizerischer Viehzuchtverbände auf Grund vertraglich vereinbarter und nach Qualitätsklassen abgestufter Einheitspreise erfolgte.

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