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Starthilfe für die regionale Entwicklung: Was sich hinter PRE verbirgt

Seit 2007 werden Projekte zur regionalen Entwicklung (PRE) von Bund und Kanton unterstützt. Das Förderinstrument ist im Laufe des letzten Jahres weiterentwickelt worden und die Neuerungen seit Anfang Jahr in Kraft.


Projekte zur regionalen Entwicklung (PRE) verfolgen das Ziel, die landwirtschaftliche Wertschöpfung zu fördern und die branchenübergreifende Zusammenarbeit zwischen Landwirtschaft und landwirtschaftsnahen Sektoren zu stärken. 2018 hat das BLW eine Zwischenevaluation des PRE-Instruments durchgeführt. Aus dieser Evaluation ergab sich ein Auftrag zur konzeptionellen Weiterentwicklung der PRE, welche 2020 erarbeitet worden ist und seit dem 1. Januar 2021 umgesetzt wird.

Mehr Felxibilität im Prozess

«Der grösste Unterschied ist die stärkere Unterscheidung zwischen sektorübergreifenden und wertschöpfungskettenorientierten PRE sowie die erhöhte Flexibilität im Prozess», sagt Lisa Landert, Verantwortliche für PRE in der Deutschschweiz und im Tessin beim Bundesamt für Landwirtschaft (BLW). Vorher war es zwingend, dass Projekte, die durch dieses Instrument gefördert werden, sektorübergreifend funktionieren.

Beim PRE «RegioFair Agrovision Zentralschweiz AG» geht es vor allem darum die Zentralschweizer Biobetriebe zu stärken. (Bild RegioFair) 

Zentralschweizer Biobetriebe stärken

Ein Beispiel für ein sektorübergreifendes PRE, das mittlerweile bereits abgeschlossen ist und sich in der Betriebsphase befindet, ist «RegioFair Agrovision Zentralschweiz AG» in Alberswil LU. Die Idee zum Projekt ist entstanden, weil es in der Zentralschweiz eine beträchtliche Anzahl Biobetriebe gibt, die aufgrund ihres fehlenden Marketing-Knowhows sowie fehlender personeller und zeitlicher Ressourcen bisher nur einen ungenügenden Zugang zum regionalen Handel und zur Gastronomie hatten. RegioFair hat als gemeinsame Vermarktungsplattform der Bio-Produzentinnen und -Produzenten die Vermarktung sowie den Vertrieb des umfangreichen Produkteangebots übernommen. Das Projekt ist Ende Oktober 2009 gestartet worden und konnte Ende 2014 abgeschlossen werden.

Den Bauernstand unterstützen und begleiten

Urs Fanger hat per Frühling 2019 die Geschäftsleitung von RegioFair übernommen. «Von der Pionierphase sind wir in eine Differenzierungsphase übergegangen. Wir haben viel in Strukturen und Prozesse und in ein neues Management investiert», sagt Urs Fanger. Vision und Grundphilosophie hätten sich dabei jedoch nicht verändert: «Durch unser Handeln einen gesunden, auf Nachhaltigkeit ausgerichteten, marktwirtschaftlich handelnden Bauernstand zu unterstützen und zu begleiten.»

Auf Sommer 2021 kann RegioFair seinen neuen Standort im Neubau in Alberswil beziehen und rückt so mit Agrovision Burgrain und dem Schweizerischen Agrarmuseum Burgrain (Link einfügen) noch näher zusammen. Ein solches Zusammenrücken von regionalen Akteuren ist denn auch das Ziel eines PRE.

Übersicht über alle PRE

Nebst den sektorübergreifenden PRE gibt es die wertschöpfungskettenorientierten PRE. Manche sind in der Planungs-, andere in der Umsetzungsphase und nochmals andere bereits abgeschlossen und in der Betriebsphase. Hier geht es zu einer aktuellen Übersicht über alle laufenden und abgeschlossenen PRE.

Mini-Kiwis sind kleine, haarlose Schwestern der aus Übersee bekannten Kiwi. (Bild BBZ Arenenberg)

Mini-Kiwis vom Bodensee

Ein anderes Beispiel für ein sektorübergreifendes PRE ist das Projekt «Mini-Kiwi Manufaktur Bodensee». Dieses Projekt hat zum Ziel, den Anbau weiterzuentwickeln und die Vermarktung der Mini-Kiwi in der Schweiz zu intensivieren. Im Mittelpunkt steht dabei ein gemeinsames Aufbereitungszentrum. Zudem soll mit gezielter Vermarktung die Mini-Kiwi als Frucht in der Schweiz bekannter gemacht werden. Das Projekt wurde Ende 2017 eingegeben und die Umsetzung dauert noch bis Ende 2023.

«Ursprünglich sei dieses Projekt als stark wertschöpfungskettenorientiertes PRE eingegeben worden», erzählt Lisa Landert. Doch sei dies damals noch nicht ausreichend gewesen, um als PRE anerkannt zu werden. So wurde das Projekt um ein weiteres, touristisches Teilprojekt ergänzt und der bestehende Apfelweg in Altnau um ein Mini-Kiwi-Hofladen sowie eine -Plantage erweitert.

Wer ein PRE wie die Mini-Kiwi Manufaktur Bodensee umsetzen möchte, braucht einen langen Atem, sagt Urs Wehrle, Geschäftsführer des Projekts. (Bild BBZ Arenenberg) 

Langer Atem ist gefragt

Auch gut sieht man am Projekt «Mini-Kiwi Manufaktur Bodensee» wie lange es bei gewissen Projekten dauert, bis sie in die Umsetzungsphase gelangen. Mittlerweile laufe das Projekt zwar «einfach», sagt Geschäftsführer Urs Wehrle, doch das habe viel Geduld gebraucht. Die Projekteingabe erfolgte zwar erst Ende 2017, doch sei die Idee zum Projekt viele Jahre vorher schon entstanden. Und auch nach Eingabe des Projektes sei es nicht immer einfach gewesen, meint Wehrle.

«Um Projekte mit so vielen Beteiligten zu realisieren braucht es einen unglaublich langen Atem», sagt er. Doch sei er grundsätzlich zufrieden damit, wie das Projekt jetzt laufe. «Beim Absatz haben wir uns zwar ursprünglich mengenmässig etwas mehr erhofft. Doch mittlerweile sind wir damit zufrieden, dass wir jedes Jahr eine gewisse Menge Mini-Kiwis verkaufen können», sagt Wehrle. Damit sei für ihn zurzeit das Ziel des Projektes erreicht. Es brauche wirklich viel Marketing, um ein neues Produkt wie die Mini-Kiwis einzuführen und bekannt zu machen. «Das ist nicht wie bei Erdbeeren oder Heidelbeeren, die schon jeder kennt».

Voraussetzung für die Realisierung eines PRE ist, dass die Wertschöpfung in der Landwirtschaft bleibt. (Bild RegioFair)

Die Wertschöpfung bleibt in der Landwirtschaft

Damit ein Projekt die Chance hat, als PRE von Bund und Kanton gefördert zu werden, muss es mindestens aus drei Teilprojekten bestehen. «Diese Teilprojekte müssen eine unterschiedliche Ausrichtung vorweisen. Es dürfen also nicht einfach drei agrotouristische Teilprojekte lanciert werden», erklärt Lisa Landert. Dabei gibt es fünf mögliche Ausrichtungen: Produktion, Verarbeitung, Vermarktung (zum Beispiel ein gemeinschaftlicher Auftritt mit Logo), Diversifizierung (zum Beispiel der Aufbau eines neuen Betriebszweiges) oder Aufwertung der Region.

Weiter muss die Trägerschaft eines Projektes vorwiegend aus direktzahlungsberechtigten Bewirtschafterinnen und Bewirtschaftern bestehen. «Das ist wichtig, damit die PRE-Beiträge einerseits wirklich der Landwirtschaft zugutekommen und damit andererseits die Wertschöpfung effektiv in der Landwirtschaft gesteigert werden kann», sagt Lisa Landert. Meist handle es sich bei der Projektträgerschaft um eine neu gegründete Organisation wie beispielsweise ein Verein oder eine Genossenschaft.

Koordination ist wichtig

Als letzte wichtige Voraussetzung nennt Lisa Landert, dass das Gesamtkonzept des Projektes in Koordination mit der Regionalentwicklung und Raumplanung entstehe. «Es darf kein Sammelsurium von einzelbetrieblichen Massnahmen ohne ersichtlichen Zusammenhang sein», sagt Landert. Die Massnahmen innerhalb des PRE müssen inhaltlich aufeinander abgestimmt sein und mit der Neuen Regionalpolitik (NRP), welche über das Seco läuft, den Pärken von nationaler Bedeutung (Bafu) sowie der Raumplanung koordiniert werden. Die Region muss dafür klar definiert werden. «Es braucht eine gute Koordination zwischen allen Beteiligten», sagt Lisa Landert.

Beim Mini-Kiwi-Projekt musste noch ein Teilprojekt ergänzt werden, nur um die Vorgabe des Sektorübergreifenden zu erfüllen. Das ist jetzt anders. (Bild BBZ Arenenberg) 

Aufnahme auch später noch möglich

Eingereichte Projektdossiers für allfällige PRE werden von Bund und Kanton genau unter die Lupe genommen, bevor es für die Trägerschaft mit der Realisierung losgehen kann (siehe Kasten). «Neu können Teilprojekte auch dann noch aufgenommen werden, wenn sich das Projekt schon in der Umsetzung befindet», sagt Lisa Landert. Das werde laut ersten Rückmeldungen sehr geschätzt. Vor allem deshalb, weil dadurch in der Planungsphase nicht mehr wie bisher alle Teilprojekte auf eines der Teilprojekte warten müssen. So würden die Projekte zwar nicht unbedingt schneller umgesetzt, aber flexibler, sagt Landert. «PRE werden ein langfristig wirkendes Instrument bleiben, weil der Aufbau von neuen Kooperationen meist zeitintensiv ist.», sagt die Agrarwissenschafterin.

Funktioniert das Produkt wirklich?

Wo vorher während der Planungsphase nur Marktstudien möglich waren, können neu bereits nicht-bauliche Massnahmen in kleinerem Umfang (zum Beispiel der Aufbau einer Website) erfolgen. So kann besser abgeschätzt werden, wie die Nachfrage nach diesem Produkt ist und welche Mengen sich verkaufen lassen würden. «Durch diese Studie am realen Markt wird rasch klar, ob ein neues Produkt wirklich funktioniert», sagt Landert. Die Kosten für diese Massnahmen werden nur übernommen, wenn das Projekt nach der Planungsphase wirklich als PRE realisiert wird.

Denn letztlich werden nur Projekte unterstützt, die in der freien Marktwirtschaft Bestand haben werden. PRE-Gelder sind eine gefragte Starthilfe. Aktuell befinden sich schweizweit 34 Projekte in der Planungsphase und 23 Projekte in der Umsetzung.  

So läuft ein PRE ab

1. Projektskizze
Damit die Vorabklärung einer Projektidee unterstützt werden kann, muss als erster Schritt eine Projektskizze bei der Koordinationsplattform für innovative Projekte (KIP) eingereicht werden. Die KIP evaluiert eingereichte Skizzen viermal im Jahr und entscheidet, ob und mit welchem Instrument des Bundes die Idee am besten gefördert werden kann.
2. Vorabklärung
Das Ziel der Vorabklärungsphase ist die Konkretisierung der Projektidee. Das Vorabklärungsdossier (VAD) umfasst einen Projektbeschrieb des Gesamtprojekts und der einzelnen Teilprojekte (TP) sowie eine erste Finanzplanung der TP. Auf Basis des Vorabklärungsdossiers beurteilt das BLW, ob das Projekt genügend Potential für die Schaffung von Wertschöpfung in der Landwirtschaft aufweist und ob durch das Projekt die regionale Zusammenarbeit verbessert werden kann.
Der Bund unterstützt die Vorabklärung, durch die Finanzierung von 50% der Planungskosten respektive maximal CHF 20’000. Die Projektträgerschaft kann für diesen partizipativen Prozess von der Unterstützung eines externen Coachs profitieren. Diese Phase dauert in der Regel 1 bis 2 Jahre.
3. Grundlagenetappe
Bei einer positiven Beurteilung des Vorabklärungsdossiers durch das BLW, kann die Trägerschaft die Finanzierung der Grundlagenetappe beim Kanton beantragen. Das Ziel dieser Phase ist die Konkretisierung und Detailplanung der Projektideen aus der Vorabklärung. Auch für diesen gemeinschaftlichen Planungsprozess können externe Expertenleistungen (z.B. Coach, Architekt, Marktstudien etc.) budgetiert werden.
Ab dieser Projektphase ist der zuständige Kanton erster Ansprechpartner für die Trägerschaft. Diese Phase dauert in der Regel 1 bis 2 Jahre. Basierend auf der positiven Beurteilung des Grundlagendossiers durch Kanton und Bund, äussert sich das BLW in einem Vorbescheid zu einer möglichen finanziellen Unterstützung der Umsetzung des PRE. Der Vorbescheid erwähnt allfällige Auflagen damit die geplanten Investitionen nach den rechtlichen Vorgaben finanziell unterstützt werden können. Somit ist der Vorbescheid die Grundlage für die Genehmigung auf Kantonsebene sowie allfällige Fremdfinanzierungen (beispielsweise Bankkredite).
4. Umsetzung
Die Bedingungen und Anforderungen an die Umsetzung des PRE sowie die finanzielle Unterstützung von Bund und Kanton werden in einer Vereinbarung zwischen dem BLW, dem Kanton und der Trägerschaft geregelt. Darauf erfolgt der Baubeginn und es werden erste Ziele bezüglich des Umsatzes festgelegt – kurz hier wird das Geschäft zum Laufen gebracht. Wiederum ist der Kanton Hauptansprechpartner. Die Unterstützung beschränkt sich ausschliesslich auf die vereinbarte Umsetzungsdauer des Projektes (in der Regel 6 Jahre).  Alle zwei Jahre muss beim Bund und Kanton über den Geschäftsverlauf rapportiert werden.  
5. Betriebsphase
Nach dem Abschluss des PRE muss das Projekt wirtschaftlich selbsttragend funktionieren.

Weitere Details zum Ablauf dazu finden Sie unter www.blw.admin.ch/pre

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