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Pflanzenschutz-Initiativen: Das Ei könnte zum Luxusgut werden

Seit er sich erinnern kann, ist Silvan Rutishauer von Hühnern umgeben. Damals, als er noch ein Kind war, kauften seine Eltern die erste Herde. Heute bevölkern über 9000 gackerndes Federvieh und ein paar «Güggel» den Hof in Thurgauischen Neukirch.


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Etwas ausserhalb gelegen liegt das Zuhause von Silvan Rutishauser, der zusammen mit Partnerin Jasmin auf dem Hof seiner Eltern wohnt. Besucher werden laut und stürmisch begrüsst von Hofhund Filou. Im kleinen Hofladen, in dem nebst Eiern auch hausgemachte Teigwaren angeboten werden, erzählen sie vom Leben auf einem Geflügelhof: «Es braucht eine Leidenschaft für die Tiere und die Natur», erklärt Silvan Rutishauser, «sonst wäre es gar nicht möglich, so einen Beruf auszuüben.»

Mit den Hühnern aufstehen

Gerade haben Ruthishauseres eine neue Herde mit jungen Hühnern erhalten. Und das bedeutet am Anfang immer einen grossen Aufwand. Vier bis sechsmal am Tag muss eine sogenannte Stallkontrolle durchgeführt werden. «Diese beginnt mitten in der Nacht um 2.30 Uhr. Ich kontrolliere, ob die Tiere gesund sind, ob die Wasserzufuhr gesichert ist, miste aus und suche nach Eiern, die nicht in das Legenest gelegt wurden.» Eier, die auf den Boden gelegt wurden, nimmt er weg. «So erziehe ich die Hühner, die Eier nicht ausserhalb des Nestes zu legen», so Rutishauser. Das Huhn merke sich, dass die Eier sofort entfernt werden, wenn diese nicht ins Nest gelegt werden. Ausserdem verhindere er damit, dass andere Hühner ebenfalls anfangen, Eier auf dem Boden zu legen. Bis sich die Tiere an diese Praktik gewöhnt haben, dauert es zwischen zwei und drei Wochen.

Gackern bedeutet, es geht den Tieren gut

Die Tiere können sich in den grosszügigen Ställen, die in verschiedene Bereiche eingeteilt sind, frei bewegen. Vor allem die höher angebrachten Sitzstangen nehmen sie gerne in Anspruch, so haben sie den Überblick und fühlen sich  geschützt. Im Scharraum können sie dem Bedürfnis des Scharens und Pickens frönen oder sich in den Wintergarten begeben, wo nebst Scharbereich und Sitzstangen zusätzlich ein Sandbad für das Wohl der Tiere sorgt . Auch erhalten sie die Möglichkeit, sich auf der Wiese aufzuhalten. Beim Augenschein treffen wir lebhafte, munter gackernde Hühner an, die neugierig jeden Besucher in Augenschein nehmen. «Wenn sie lärmen oder gackern geht es ihnen gut», sagt  Rutishauser mit einem Lachen. Man sehe aber auch dem Gang eines Huhns an, wie es ihm gehe.

Vieles geht automatisch

Rund 320 Eier legt ein Huhn durchschnittlich pro Jahr. Sind die Hühner am Eier legen, rollen diese vom Legenest auf ein Sammelband, das die Eier automatisch aus dem Stall und dann in den Sortierraum transportiert. Dort werden sie maschinell gewogen, nach Gewicht sortiert, geputzt und datiert. «Da wir jeden Tag  mehrere tausend Eier sortieren,  werden wir dabei von zwei Frauen unterstützt. Dazu kommt, dass alle Eier, die auf dem Boden gelegt wurden oder Eier, die leichte Unreinheiten haben, von Hand geputzt werden müssen», erklärt Rutishauser. Danach werden sie für den Transport bereitgestellt. Hauptabnehmer ist die Firma Eico, Rutishausers Eier findet man in Migros und Denner-Filialen unter dem Label IP Suisse sowie im Volg unter dem Label AgriNatura.

Hühner brauchen Futter aus verschiedenen Komponenten

Damit ein Huhn seinen Nährstoffbedarf ausgewogen decken kann und fleissig Eier legt, bekommt es Futter mit verschiedenen Komponenten. «Wir beziehen das Futter von der Futtermühle, da wir es nicht selber herstellen können», so Rutishauser. Wichtig ist neben der Energieversorgung mit Weizen und Mais auch die Eiweissversorgung, die unter anderem mit Nebenprodukten aus der Sojabohnenverarbeitung gewährleistet wird. Soja stammt zu 96 Prozent aus nachhaltiger Produktion, und rund die Hälfte kommt aus Europa. «Gerade in der Geflügel- und Eierproduktion sind wir auf diese ausländischen Komponenten angewiesen, denn für den Sojaanbau ist das Klima in der Schweiz nicht geeignet». Sollten nun die beiden bevorstehenden Agrarinitiativen angenommen werden, würde dies bedeuten, dass kein Futter für die Tiere mehr zugekauft werden darf. «Sojanebenprodukte und weitere Bestandteile fürs Futter dürften nicht mehr importiert werden. Denn auch Weizen und Mais gibt es in der Schweiz nicht genug. Für uns würde es bedeuten, dass wir die Herde um die Hälfte reduzieren müssten», bringt es Jasmin Widmer auf den Punkt.

Bei Annahme der Initiativen müssten mehr Eier importiert werden

Die Schweiz müsste den Import von Eiern also drastisch erhöhen, da der Bedarf an Eiern ja nicht kleiner wird. Die Preise für Schweizer Eier würden demnach stark steigen und quasi zu einem Luxusgut werden. «Dabei vergisst man, dass dies einen riesigen Einfluss auf das Tierwohl haben würde. Denn wir haben die strengsten Tierschutzvorschriften der Welt. Wer beispielsweise Eier aus dem Ausland kauft, weiss hoffentlich, dass die dortigen Tierschutzvorschriften mit den unsrigen nicht zu vergleichen sind», bringt Silvan Rutishauser die Gedanken zu Ende.

«Ich wünsche mir, dass wir alle wieder etwas mehr Wertschätzung für unsere heimischen Lebensmittel bekommen», sagt Jasmin Widmer. «Nahrungsmittel sind bei uns immer in genügender Menge, in bester Qualität und auch jederzeit vorhanden. Aber was alles dahintersteckt, damit es so ist, wissen die wenigsten.» Dabei wollen beide verstanden wissen, dass sie keinesfalls jammern. Dafür haben sie auch keine Zeit, denn bereits steht der nächste Kontrollgang bevor, und ein Lastwagen wartet auf dem Hofplatz, um die bereitgestellten Eier abzuholen.

Betriebsspiegel

Betriebsleiter: Silvan Rutishauser (29) und Jasmin Widmer (27).

LN: 10 ha; Raps, Weizen, Mais, Sonnenblumen, Hühnerweiden, kleine Christbaumanlage.

Tierbestand: Freilandhühnerhaltung mit 9300 Legehennen in zwei Herden verschiedenen Alters, damit immer Eier verfügbar sind, 20 Schafe, einige Schweine, Bienen (Eltern).

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