Mäuse sind eine Plage für Landwirte. Abhilfe könnten die kleinsten Raubtiere der Schweiz, Hermeline und Mauswiesel, schaffen. Sie werden umgangssprachlich unter dem Begriff Wiesel zusammengefasst. Die Wiesel vertilgen täglich ein bis zwei Wühlmäuse. Eine Hermelinfamilie kann gar bis zu 50 Mäuse pro Woche vertilgen. Doch der Bestand der Wiesel ist im Grossen Moos abnehmend. Das will Irene Weinberger vom Büro für Wildtierbiologie Quadrapoda in Bern mit ihrem geplanten «Wieselprojekt Seeland» ändern. Das Projekt wird von 2020 bis 2024 dauern. Das Ziel des Wieselprojektes Seeland ist es, den Landwirten aufzuzeigen, dass Wiesel gut für ihre Kulturen sind. Die Bauern sollen erkennen, mit welchen Möglichkeiten sie die kleinen Raubtiere fördern können und diese Massnahmen dann auch umsetzen. Dazu wird Irene Weinberger die Situation mit den Landwirtinnen gemeinsam im Feld beurteilen und schauen, wo, welche Strukturen Sinn machen. Die Trägerschaft für das Wieselprojekt hat die Stiftung Biotopverbund Grosses Moos übernommen.

 

Die kleinsten Raubtiere

Die Nahrung der Wiesel besteht hauptsächlich aus Wühlmäusen. Wiesel haben meist nur während der Fortpflanzungszeit im Frühjahr Territorien. Ansonsten sind sie immer in Bewegung, auf der Suche nach Jagdgründen. Dadurch ist es für die Männchen schwierig, Weibchen zu finden. 

Gene weitergeben

Hermeline haben einen Wurf pro Jahr, Mauswiesel bis zu zwei Würfe. Um ihre Gene dennoch genügend weiterzugeben, begatten Hermelinmännchen, wenn sie mal ein Weibchen gefunden haben, auch gleich deren weiblichen Nachwuchs, so dass diese im Jahr drauf ebenfalls  Junge zur Welt bringen. Was für uns Menschen grausig töne, sei bei Hermelinen normal, weiss Irene Weinberger.

Unterschlüpfe sind nötig

Wiesel benötigen zahlreiche Unterschlüpfe, die sie vor schlechten Witterungsbedingungen und Feinden wie Greifvögeln, Füchsen, Graureihern, Hunden und Katzen schützen. Im Sommer bieten Hecken und halbhohe Vegetation den kleinen Raubtieren guten Schutz. Im Winter sind sie auf Strukturen wie Asthaufen oder Wurzelstöcke angewiesen. Ideal wäre es, wenn die Verstecksstrukturen nicht weiter als 20 Meter auseinander liegen. 

 

Vernetzung ist angedacht 

Irene Weinberger hat ein grosses Vernetzungsprojekt für kleine Tiere im Grossen Moos im Sinn. Das momentan noch laufende Projekt Lebensader Ufervegetation ist ein Teilprojekt dieser ­Vision, wozu auch die Wieselförderung gehört. In einem Zwischenbericht schrieb die Biologin zur Ausgangslage des Projekts Lebensader Ufervegetation: «Wo es die Topografie zulässt, wird oft intensive Landwirtschaft betrieben. Ein dichtes Verkehrsnetz durchschneidet die Landschaft. In dieser ausgeräumten Landschaft fehlen an vielen Orten durchgängige Vernetzungsstrukturen für Tiere.» Bäche und die Ufervegetation seien oft die letzten Vernetzungsachsen. Doch viele der ­Bäche wurden eingedolt oder eingeengt und die Ufervegetationsstreifen stark verringert, eine Verbesserung daher unumgänglich. Die zahlreichen Gewässer im Grosse Moos bieten grosses Potenzial. Mit relativ geringem Aufwand können die Uferbereiche aufgewertet und eine flächendeckende Vernetzung wiederhergestellt werden, schreibt die Biologin. Irene Weinberger arbeitet eng mit dem Amt für Wasser und Abfall zusammen. Bereits wurden einige Teilstücke der Kanäle aufgewertet. Als nächstes Teilprojekt, wobei die Übergänge zwischen den Projekten fliessend sind, geht es zu den Landwirtschaftsbetrieben – also zur Vernetzung über Land durch das Grosse Moos. Das Projekt über Land – das noch keinen griffigen Namen hat – starte im Verlaufe des Jahres. Darin enthalten ist auch die Wieselförderung.

Ganze Schweiz für Wiesel vernetzen 

Doch nicht nur im Seeland sollen die Wiesel gefördert werden. In der gesamten Schweiz laufen Projekte. So sind etwa in den Kantonen Basel-Landschaft und Solothurn Wieselförderprojekte in Umsetzung. Die Stiftung Wieselnetz ist der Kopf hinter der Idee der Vernetzung über das ganze Mittelland. Um dem Rückgang von Hermelin und Mauswiesel entgegenzuwirken und Wieselpopulationen gesamtschweizerisch zu sichern, fördert die Stiftung zur Förderung von Kleinkarnivoren (WIN) Wieselnetz die beiden Wieselarten mit dem Projekt Wiesellandschaft Schweiz systematisch, heisst es auf deren Website. 

Weitere Informationen: www.wieselnetz.ch
www.quadrapoda.ch