Wenn die Platten-Herbometer-Messungen ein negatives Wachstum ergeben

Nach den Niederschlägen wächst das Gras auf den Weiden. Je nach Bodenart und Niederschlagsmenge sind die Unterböden jedoch immer noch trocken, wodurch der Oberboden durch die wiederholte Hitzeperiode wieder austrocknet.

Dem Grasland haben die Niederschläge von Ende August gutgetan. Die vollständig erhobenen Messwerte der Kalenderwoche 35 spiegeln grösstenteils noch die Trockenheit wieder. Für die Folgewoche melden mehrere Messstandorte ein Graswachstum von mindestens 60 kg TS/ha/Tag, was für diese Jahreszeit normal bis leicht erhöht ist. Weidebetriebe dürfen sich freuen, wenn sie jetzt noch etwas Grasvorrat für den Herbst heranwachsen lassen können.

Wenn die Platten-Herbometer-Messungen ein negatives Wachstum ergeben
Bodenfeuchte bzw. Befahrbarkeit am 6. September 2023 gemäss www.bodenmessnetz.ch. Die Heterogenität ist gross, vielerorts sind die Unterböden aber trocken.

Doppelte Überschätzung des Wachstums

Während Trockenphasen hat man oft das Gefühl, dass das Wachstum nicht nur stoppt, sondern der Futtervorrat sogar zurückgeht. Bei der Messung mit dem Platten-Herbometer hat sich beispielsweise in Flaach schon mehrfach ein negatives Wachstum ergeben, weil die Grashöhe um einige Millimeter abgenommen hat. Dies ist primär auf dürre Blätter und tiefen osmotischen Druck in den Pflanzen (Turgor) zurückzuführen. Auf tiefem Niveau kann aber die Zellteilung bis zu einer gewissen Grenze sogar weitergehen, die Pflanze wächst also weiter, ohne dass wir es äusserlich sehen.

Nach erneuten Niederschlägen überschätzen wir das Wachstum in der Folge doppelt: Der Turgor steigt, und die Pflanzen strecken sich, gleichzeitig wurde die Referenzhöhe des Grases wegen der Trockenheit zu tief gemessen. Das effektive Wachstum liegt an solchen Standorten darum unterhalb vom gemessenen Wert.

Wenn die Platten-Herbometer-Messungen ein negatives Wachstum ergeben
Berechnete Wasserbilanz für den Standort Zollikofen. Die August-Niederschläge (Zollikofen 65mm) haben das Wasserdefizit etwas abgemildert, aber längst nicht ausgeglichen.

Nach wie vor trockener Unterboden

Sehr unterschiedlich ist derzeit die Wassersättigung der Böden in den verschiedenen Regionen der Schweiz, wie die Saugspannungen auf www.bodenmessnetz.ch zeigen. Je nach Bodenart und Niederschlagsmenge ist der Unterboden (>20 cm Tiefe) nach wie vor trocken. Dies führt zusammen mit der neuerlichen Hitzeperiode dazu, dass auch der Oberboden rasch wieder austrocknet.

Wenn die Platten-Herbometer-Messungen ein negatives Wachstum ergeben
Saugspannung in drei Tiefen und Niederschläge am Standort Zollikofen. Die letzten Niederschläge wurden von den trockenen Böden rasch aufgenommen und in den tieferen Schichten (braun, 60cm Tiefe) sogar kaum registriert.

Das ist für die anstehenden Feld- und Erntearbeiten sicher sehr praktisch. Aber: das Grasland ist auf Feuchtigkeit im Oberboden angewiesen, sodass sich das Graswachstum bereits wieder verlangsamt. Immerhin führen die feuchtere Luft und der Tau am Morgen in dieser Jahreszeit dazu, dass die Trockenheit den Pflanzen merklich weniger zusetzt als noch im Hochsommer.