Das Syndrome de Basses Richesses (SBR) ist eine bakterielle Krankheit, welche durch die Schilf-Glasflügelzikade, Pentastiridius leporinus, auf die Zuckerrüben übertragen wird. Die Zikaden fliegen im Frühsommer in das Zuckerrübenfeld ein und infizieren die Pflanzen beim Saugen mit den Bakterien. Danach legen sie die Eier neben den Zuckerrüben in den Boden. Kurze Zeit später schlüpfen die Larven und entwickeln sich im Boden. Nach der Ernte der Zuckerrüben führen die Larven ihre unterirdische Entwicklung in der Folgekultur (meist Weizen) fort, bis sie im Frühjahr auf das nächste Zuckerrübenfeld fliegen können. Lässt man den Boden im Winter nach der Rübenernte brach, verhungert die Zikade.
Mais nach Rüben
Nach den ermutigenden Ergebnissen der Versuche vom letzten Jahr, in denen Mais nach Rüben zu einer Reduzierung des Zikadenflugs um mehr als 97 % im Vergleich zu Weizen geführt hatte, beschloss die Hochschule für Agrar-, Forts- und Lebensmittelwissenschaften (HAFL), diese Fruchtfolgemassnahme auf eine ganze Region auszuweiten.
Die Rübenbauern in der Region Chablais (VD/VS) haben sich mehrheitlich verpflichtet, nach den Rüben, die im 2021 geerntet wurden, keine Herbstkultur anzubauen. So folgte im Rahmen dieses vom Bundesamt für Landwirtschaft (BLW), der Interprofession Zucker sowie den Kantonen Waadt und Wallis finanzierten Projekts auf 90 % der Rübenanbaufläche 2021 eine Frühjahrskultur. Das Ziel war eine deutliche Reduktion des Flugs der SBR-Vektorzikaden im Jahr 2022.
Viel weniger Zikaden
Um die Wirksamkeit einer regionalen Fruchtfolge gegen SBR zu bestimmen, wurden in diesem Jahr in der Region der Flug und das Ausfliegen der Zikaden gemessen.
Emergenzfallen, die auf Feldern mit Winterweizen nach Rüben 2021 aufgestellt wurden, bestätigten die hohe Wirksamkeit einer Sommerkultur nach Rüben, den Zikadenflug zu reduzieren. Auf die Hektare hochgerechnet flogen bis zu 690'000 Zikaden, wenn nach den Rüben 2021 Winterweizen gesät wurde. Umgekehrt flogen keine Zikaden, wenn nach den Rüben Kartoffeln angebaut wurden. Eine geringe Menge an Zikaden flog aus Soja- und Maiskulturen mit 18'516 bzw 4630 Zikaden pro Hektare.
Verzicht zeigt Wirkung
Der Zikadenflug in den Rüben 2022 wurde allerdings auch durch die Nähe der Rübenparzellen zu den Parzellen, auf denen Weizen auf die Rüben 2021 folgte, beeinflusst. Die diesjährigen Rüben, die an die Parzellen mit Winterweizen angrenzten, zeigten den höchsten Zikadenflug. Obwohl schwächer, wurden Zikaden auch auf Parzellen beobachtet, die weit von diesen Weizenfeldern entfernt waren.
Das Vorkommen von Zikaden auf diesen Feldern kann auf den starken Zikadenflug im Vorjahr zurückzuführen sein, aber auch auf andere potenzielle Wirtspflanzen dieses Schädlings, die es ihm ermöglicht haben, den Winter zu überstehen. Der Verzicht auf Wintergetreide nach Zuckerrüben führte also zu einer starken Reduzierung der Zikaden, aber nicht zu ihrer vollständigen Ausrottung.
Anpassungen fördern
Schliesslich wurde der Schweregrad der SBR-Symptome mit dem Prozentsatz der Fläche mit einer «Rüben-Weizen-Fruchtfolge» korreliert. Auf der Walliser Seite des Chablais, wo die Beteiligung 95 % der Fläche erreichte, wurden im Jahr 2022 keine SBR-Symptome beobachtet. Im Gegensatz dazu stieg die Inzidenz (Anzahl Pflanzen mit Symptomen) auf der Waadtländer Seite der Rhone in Roche und Chessel auf 55 % bei einer Teilnahmequote von nur 65 %. Die Region Ollon hatte trotz vollständiger Teilnahme am Projekt immer noch eine Inzidenz von 17.
Der hohe SBR-Druck in einem Jahr zuvor könnte dieses Auftreten von Symptomen trotz einer Fruchtfolge ohne Winterweizen nach Rüben in dieser Region erklären. Diese Ergebnisse deuten also darauf hin, dass die Zikaden über die Fruchtfolge reduziert werden können. Für eine effektive Reduktion von SBR müsste diese Massnahme allerdings in den stark betroffenen Regionen über mehrere Jahre hinweg erfolgen.
Zwischenfrucht ohne Gras
Ein unbedeckter Boden bis zum Frühjahr nach der Rübenernte ist derzeit noch die einzige wirksame Massnahme, um die Zikadenpopulation zu reduzieren. Für eine ausreichende Wirkung muss diese Massnahme jedoch in einer ganzen Region durchgeführt werden. Die HAFL ermutigt daher die Rübenbauern und die Kantone, über die Einführung regionaler Fruchtfolgen nachzudenken. Diese Massnahme könnte auch helfen, die Ausbreitung von SBR zu verhindern, wenn sie in Regionen umgesetzt wird, die an SBR-Befallsregionen angrenzen. Aktuell führt die HAFL Versuche mit unterschiedlichen Zwischenkulturen nach früh geernteten Zuckerrüben durch, welche die Entwicklung der Zikaden unterbrechen. Diese sollten keine Gräser enthalten.

