Plus

Kleine Fliege macht Kirschen und Produzenten sauer

Kaolin kann den Befall mit der Kirschessigfliege hinauszögern. Es muss aber optimal angewendet werden. Ein neues Prognosemodell kann dabei helfen.

Bei den Brenn- und Industriekirschenproduzent(innen) ist die Stimmung im Keller. Nach mehreren Jahren mit Spätfrostereignissen und erheblichen Ernteausfällen war Ende Mai 2022 die Hoffnung auf eine gute Ernte gross.

Es wurde jedoch die Rechnung ohne die Kirschessigfliege (KEF) gemacht, deren Entwicklung durch die warme und trockene Witterung der letzten Monate explosionsartig verlief.

Drei gegen viele

Drei Wirkstoffe sind 2022 gegen die KEF im Steinobstbereich im ÖLN wie auch im Bioanbau zugelassen: Spinosad (diverse Produkte mit Notfallzulassung), Löschkalk (Nekagard 2 mit Notfallzulassung) und Kaolin (Surround). Spinosad wirkt als Kontaktmittel nur sehr kurzfristig, ist zudem toxisch für Nützlinge und Bienen und sollte daher nur gezielt angewendet werden. Die Wirkung von Löschkalk ist nicht zuverlässig und hat nur bei leichtem Befallsdruck eine gewisse Wirkung. Die präventive Applikation von Kaolin hat in Hochstammkirschen eine gute Wirkung gezeigt und kann den Befall entscheidend hinauszögern. Zudem zeigt das Produkt auch eine interessante Nebenwirkung gegen die Kirschfliege.

Kaolin muss möglichst lückenlos auf der Kirsche liegen

Kaolin ist ein natürlicher Wirkstoff, weshalb es keine Wartefrist nach der Anwendung bis zur Ernte gibt. Wegen der Fleckenbildung auf den Früchten ist Kaolin aber nur für Verarbeitungskirschen zugelassen. Die Anwendung erfolgt ab Farbumschlag von gelb zu rot (BBCH 81) mit maximal zwei Behandlungen pro Parzelle. Die zweite Behandlung kann bei Bedarf nach sieben bis 14 Tagen vorgenommen werden.

Die Wirkung von Kaolin hängt vom möglichst lückenlosen Spritzbelag auf den Früchten ab, vor allem bei einem sehr starken Befallsdruck der KEF. Fruchteigenschaften wie Gewicht und Zuckergehalt werden durch den Kaolin-Belag nicht negativ beeinflusst und das Endprodukt wird nicht beeinträchtigt.

Neues Prognosemodell Simkef

Für eine optimale Anwendung von Kaolin wurde 2022 ein neues Prognosemodell namens Simkef in einer erweiterten Pilotphase an fünfzehn Standorten in der Nordwestschweiz angelegt. Simkef simuliert die Eiablagewahrscheinlichkeit der KEF basierend auf dem Entwicklungsstand der Kirschen und Wetterdaten. Sobald die errechnete Eiablagewahrscheinlichkeit einen definierten Grenzwert überschreitet ist damit zu rechnen, dass es auf den Früchten zu einer Eiablage kommt. Somit gibt Simkef eine Risikoanalyse ab, auf deren Basis die Entscheidung über potenziell mögliche Kultur- und Pflanzenschutzmassnahmen getroffen werden kann.

Es ist geplant, das Modell auf die ganze Schweiz zu erweitern.