Internationaler HandelDie Verknappungskrise macht sich in der Gemüsebranche bemerkbarSonntag, 20. Februar 2022

Herr Wyssa, wir haben kürzlich darüber berichtet, dass die Bestände an Schweizer Lagergemüse wegen des miserablen Wetters letzten Sommersehr tief liegen. Wie ist der aktuelle Stand?

Thomas Wyssa: Bei den Rüebli und auch den Zwiebeln sind die Lagerbestände in der Tat sehr tief. Auch die Kohlarten sind teilweise betroffen. Wir können da schon abschätzen, dass die Lager leer sein werden, bevor die erste diesjährige Ware verfügbar ist. Diese Lücken werden zeitweise durch Importe gedeckt werden müssen. 

Wegen der Corona-bedingten Energiekrise sind die Gaspreise gestiegen, das betrifft die Gemüseproduzenten beim Heizen ihrer Gewächshäuser. Kürzlich war zu lesen, dass Tomatenproduzenten teilweise mit dem Setzen warten würden in der Hoffnung auf höhere Tem­peraturen. Wie schätzenSie das ein? 

Es gibt beim Gaskauf zwei Möglichkeiten. Ein Gemüsebaubetrieb kann laufend Gas kaufen oder längere Lieferverträge zu Fixpreisen abschliessen. Jene, die einen laufenden Vertrag haben, profitieren sicher derzeit. Ich habe das mal genauer angeschaut: Ende Januar lagen die Gaspreise 42 Prozent höher als vor einem Jahr. Inwiefern der Konflikt zwischen Russland und der Ukraine die Gasverfügbarkeit und -preise beeinflusst, ist noch schwierig abzuschätzen. Man muss ausserdem bedenken, dass nicht nur Heizöl oder Gas teurer geworden sind, sondern auch Holzschnitzel und Pellets, welche die Gemüseproduzenten teilweise zum Heizen der Gewächshäuser benutzen.

Wie ist Ihr eigener Betrieb von der Verknappungskrise betroffen?

Die grosse Frage stellt sich für mich bei der Düngerproduktion, die viel Gas benötigt. Aktuell bekomme ich das Bestellte wieder, aber die Knappheit ist sicher eingrosses Problem, und auch biologische Dünger sind betroffen. Die bestellten Jungpflanzen sollten kommen. Wenn der Samen verfügbar ist, ist es nicht so ein Problem. Aber wir merken auch die Engpässe in der Landtechnik: Ich habe eine defekte Spatenmaschine, bei der wir seit bald zwölf Wochen auf Ersatzteile aus Italien warten.

Wie schätzen Sie die Lage allgemein ein?

Es ist aktuell noch schwierig zu sagen, aber klar ist, dass fast alles teurer wird und unsere Kosten dadurch steigen.