«Über die letzten drei Generationen wurde der Betrieb dreimal umgestellt», erklärt Benjamin Meier. Seit 2020 führt er zusammen mit seiner Partnerin Désirée Mathis den Brunnenhof im solothurnischen Metzerlen. «Mein Urgrossvater betrieb hier Milchwirtschaft, der Grossvater stellte dann auf Ackerbau um», fährt er fort.

Mit der Erstellung der ersten Obstanlage legte sein Vater René Meier dann den Grundstein für die weitere Entwicklung des 46 Hektaren grossen Landwirtschaftsbetriebs. Zusammen mit seiner Frau Brigitte eröffnete er etwas später den Hofladen, der heute durch einen Selbstbedienungsautomaten ergänzt wird.

Frischer als im Handel

Inzwischen ist der Obstbau zum wichtigsten Betriebszweig auf dem Brunnenhof angewachsen. Auf insgesamt 4,5 Hektaren werden in Niederstammanlagen Tafelkirschen und -äpfel angebaut, dazu liefern rund 800 Hochstammbäume Industrie-, Brenn- und Mostobst. Der Grossteil der Ernte wird an die Fenaco-Genossenschaft geliefert, rund 10 % verkauft die Familie Meier ab Hof.

Zweimal pro Woche bietet Brigitte Meier im Hofladen zudem frisches Brot an. «Dadurch haben wir viele Stammkunden», meint ihr Sohn. Den grössten Ansturm verzeichnen sie aber klar in den Sommermonaten – dann, wenn frisches Obst neue Kund(innen)auf den Brunnenhof lockt. «Das zieht Leute aus der ganzen Region an. So frisch wie bei uns gibt es die Kirschen in keinem Laden», erzählt Benjamin Meier stolz.

 

«Die Entscheide sind nicht so kurzfristig wie im Ackerbau.»

Benjamin Meier ist Obstfachmann, Landwirt und Agrotechniker HF.

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Frost hat Folgen

AboIm April spielt das Wetter gerne verrückt – wie hier am 4. April 2019 in Freiburg, als Schnee auf Menschen und blühende Bäume rieselte. WetterTemperaturen auf Achterbahnfahrt - wie kommt es eigentlich zu Aprilwetter?Freitag, 31. März 2023 Durch den engen Kundenkontakt lebe man mit dem Zeitgeist, meint der gelernte Obstfachmann und Landwirt. So sei auch bei ihm immer wieder der Gedanke aufgetaucht, auf die biologische Produktion umzusteigen. Doch das Risiko eines Ertragsausfalls sei zu gross, konstatiert er und erklärt: «Die Kirschenplantage kann auf zwanzig Jahre abgeschrieben werden, deshalb sind die Entscheide nicht so kurzfristig möglich wie im Ackerbau.»

Die Kirschessigfliege sei auch im Leimental einer der wichtigsten Schädlinge, erklärt Meier und ergänzt: «Doch was wirklich bedrohlich ist, ist der Frost. Wenn es kalt wird, ist man komplett machtlos.» Um Totalausfälle zu verhindern, habe er schon verschiedenste Massnahmen angewendet; von Frostkerzen über Ventilatoren bis hin zur Stärkung der Pflanzen mit Nährstoffen. «Doch es gibt nicht ein einziges Mittel, welches durchschlagend wirkt», zeigt sich der Landwirt und Präsident der Obstproduzentenvereinigung Schwarzbubenland ernüchtert.

Qualität und Innovation

Was bleibt, ist die Versicherung und eine angepasste Betriebsstrategie. Auf dem Brunnenhof bedeutet dies, dass die Kirschenproduktion nicht noch weiter ausgebaut wird. Dafür soll mit grösseren Sortenblöcken und effizienterem Sortieren die Produktivität gesteigert werden. Trotz diesen Unsicherheiten zeigt sich das Betriebsleiterpaar zuversichtlich: «Es wird weitergehen. Denn Frische und Qualität haben immer Zukunft.»

Gute Erfahrungen machen sie indessen im Ackerbau. «Unsere Kulturen reagieren nicht besonders empfindlich auf trockene Sommer», erklärt Meier beim Gang über die Felder. Dort baut er nebst Urdinkel, Hafer, Raps, Soja auch Potimarron, Butternut und viele weitere Speisekürbisse an. «Es ist eine einfache Kultur, die wirklich Freude macht», meint seine Partnerin Désirée mit Blick auf das Kürbisfeld. Mit dem Erntegut baut sie jeweils im Herbst eine Ausstellung auf, die inzwischen zu einem Wahrzeichen des Brunnenhofs wurde und Besucher(innen) aus der ganzen Region anlockt.

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Zweites Standbein

Auch die restlichen Aufgaben sind klar verteilt: Der Vater und ehemalige Betriebsleiter René führt das Zepter beim Pflücken, seine Frau Brigitte führt den Hofladen und sorgt während der Kirschensaison für das leibliche Wohl des Brunnenhof-Teams. Benjamin Meier selbst hat die Bürokratie und Administration unter sich, seine Partnerin Désirée ist verantwortlich für das Sortieren des Frischobsts. Daneben führt die kanadisch-schweizerische Doppelbürgerin eine kleine Massagepraxis. «Mit diesen zwei Aufgaben habe ich eine super Kombination erreicht», erzählt die 24-Jährige.

 

Vor vier Jahren kam Désirée Mathis der Liebe zu Benjamin wegen in die Schweiz – wo sie dieses Jahr die Bäuerinnenschule auf dem Wallierhof abschloss. An der Ausbildung schätzte sie nicht nur die fachlichen Inhalte, sondern auch die Kontakte mit anderen jungen Frauen.

«Die Vernetzung unter den Bäuerinnen ist hier sehr stark ausgebildet.»

Désirée Mathis, lebt seit vier Jahren in der Schweiz.

Was die landwirtschaftliche Produktion angeht, seien die Unterschiede zu Nordamerika gross. «Wenn man Kanada kennt, kann man in der Schweiz nicht von Monokultur sprechen», meint Désirée Mathis schmunzelnd. Sie schätze die Vielfalt an Kulturen und Landschaften sehr – und doch sei es immer wieder erstaunlich, wie solch kleine Strukturen rentabel bewirtschaftet werden, ergänzt sie. «Aber es funktioniert auch hier», fasst die Bäuerin zusammen, «einfach mit anderen Dimensionen, anderen Mitteln und anderen Herausforderungen.»

Betriebsspiegel Brunnenhof

Name Benjamin Meier und Désirée Mathis
Ort Metzerlen SO
Zertifizierung IP-Suisse, Suisse Garantie, Swiss-GAP, Hochstamm Suisse
LN 46 ha
Ackerbau 12 ha Urdinkel, 6 ha Hafer, 6 ha Soja, 4 ha Raps und 0,4 ha Speisekürbisse
Obstbau 3,5 ha Tafelkirschen Niederstamm, 1 ha Tafeläpfel Niederstamm, 800 Hochstammbäume (Zwetschgen, Kirschen, Birnen, Äpfel) für Industrie-, Most- und Brennobst.
Vermarktung Ein Grossteil geht an die Fenaco-Genossenschaft, rund 10 % der Ware wird über den Hofladen abgesetzt.
Arbeitskräfte Betriebsleiterpaar, die Eltern René und Brigitte Meier-Studer, sechs Saisonarbeitskräfte.