«Was ich dort gesehen habe, war immens», berichtete Christian Hofer vor den Medien. Der Direktor des Bundesamtes für Landwirtschaft (BLW) hat vergangenes Jahr bei einem Besuch im Tessin selbst gesehen, was der Japankäfer anrichten kann. «Wir waren dort für einen Austausch mit Agroscope und haben einige Rebberge besucht», erinnert sich Hofer. Die Reben seien teilweise von oben her kahl gefressen gewesen. Wenn man sich den Pflanzen näherte, seien scharenweise Käfer als schwarze Punkte aufgeflogen. «Da fragt man sich: Lässt sich das noch stoppen?»
Hunderte Millionen Franken pro Jahr an Schäden
Angesichts eines grob geschätzten Schadenspotenzials für die Landwirtschaft von mehreren 100 Millionen Franken pro Jahr steht ausser Frage, dass sich zumindest der Versuch lohnt. Zu den 400 Wirtspflanzen des Japankäfers zählen neben Reben auch diverse Obstarten und Ackerkulturen.
Das BLW startet daher eine breite Kampagne, um vor Beginn der Hauptreisezeit einen eindringlichen Appell an die Bevölkerung zu richten. Alle sollen mithelfen, die Schweiz vor dem Japankäfer zu schützen. Für die Reisenden heisst das konkret, Gepäck und Autos vor der Rückfahrt von Süden in Richtung Norden nach Exemplaren des invasiven Insekts zu durchsuchen und so eine Verschleppung zu verhindern. Zum Kampagnenstart erläuterte man in Bern die Hintergründe und das weitere Vorgehen.
[IMG 2]
Tilgen im Norden, Eindämmen im Süden
«Die Situation in der Schweiz ist zweigeteilt», erklärte Andreas von Felten, stellvertretender Fachbereichsleiter Pflanzengesundheit beim BLW. Auf der Alpennordseite werde die Strategie der Tilgung verfolgt, da dort erst kleine, isolierte Populationen des Japankäfers entlang der Hauptverkehrsachsen aufgetaucht sind. Die sollen möglichst wieder ausgerottet werden.
Im Süden der Schweiz hingegen geht es um eine Eindämmung, also das Verlangsamen der Ausbreitung zwecks Schadensbegrenzung. Denn die Japankäfer-Populationen im Tessin und im Wallis sind laut BLW direkt mit der italienischen Befallszone verbunden. «Diesen Käfer bringt man nicht mehr weg, wir müssen mit ihm leben», stellte von Felten in Bezug auf die Alpensüdseite klar. 2025 gab es gemäss Christian Hofer erstmals erhebliche Schäden an landwirtschaftlichen Kulturen im Tessin, nachdem der Japankäfer in diesem Kanton 2017 zum ersten Mal gesichtet worden war. Im vergangenen Sommer und auch im laufenden Jahr kamen in verschiedenen Kantonen der Alpennordseite neue Meldungen hinzu.
«Wir-Gefühl» schaffen, damit alle mithelfen
Bei der Bekämpfung des Japankäfers zielen die Massnahmen sowohl auf adulte Exemplare als auch auf die Larven ab. Beispielsweise helfen Lockfallen, punktueller Insektizideinsatz und Vorkehrungen gegen das Verschleppen gegen die Käfer. Nematodenbehandlungen, intensive Bodenbearbeitung und Bewässerungsverbote gegen die Larven.
«Der Personenverkehr hat sich als bedeutender Verbreitungsweg herausgestellt», ergänzte Andreas von Felten. Entsprechend ist geplant, die neue Kampagne mit Plakaten an bekannten Reiserouten und ausgewählten Bahnhöfen umzusetzen. Hinzu kommen Online-Werbung und eine eigene Website mit praktischen Hinweisen, Kontaktadressen und Steckbriefen zum Japankäfer sowie verschiedenen Arten, die mit ihm verwechselt werden könnten. Der Aufruf «Hilf mit! Gepäck checken, Japankäfer stoppen!» soll ein «Wir-Gefühl» schaffen. «Die Ziele erreichen wir nur, wenn alle mithelfen», betonte Christian Hofer.
[IMG 3]
Auf der Kampagnenwebsite gibt es eine «Checkliste für die Heimreise» mit dem Hinweis, z. B. Taschen innen und aussen abzusuchen, im Fussraum des Autos nachzusehen und es generell mit geschlossenen Fenstern sowie in befallenen Gebieten nicht neben Rebbergen zu parkieren.
In der Zuständigkeit der Kantone
Für die Umsetzung der Massnahmen gegen den Japankäfer sind die Kantone zuständig. Michel Gygax, Leiter Ressort Quarantäne der kantonalen Pflanzenschutzdienste, versicherte, die Kantone würden die Kampagne des Bundes unterstützen. «Das hilft, den Japankäfer in den Griff zu bekommen», zeigte er sich zuversichtlich. Die Pflanzenschutzfachstellen überwachen die Lage mit Fallen, prüfen Verdachtsmeldungen aus der Bevölkerung, planen an die Situation angepasst das Vorgehen, ordnen Massnahmen an und setzen sie um, wie Gygax schilderte. «Wir krempeln die Ärmel hoch», bemerkte er. Wichtig sei die Koordination zwischen Kantonen und Bund.
[IMG 5]
International vernetzt und mit Verantwortung
Darüber hinaus stehe die Schweiz in direktem Austausch mit dem ebenfalls betroffenen Ausland, gab BLW-Direktor Christian Hofer zu Protokoll. Bisher gab es zwei jährliche internationale Konferenzen in der Schweiz zum Thema Japankäfer. Hier und andernorts wird an effektiven Bekämpfungsmassnahmen gearbeitet. «Es handelt sich um einen Quarantäneorganismus», ergänzte Hofer. «Wir haben daher auch eine internationale Verpflichtung zur Bekämpfung dieser Art.» Bisher bekannt seien Befallsherde etwa in verschiedenen Teilen Deutschlands, in Italien und Slowenien. Hierzulande gilt für den Japankäfer eine Melde- und Bekämpfungspflicht.
Japankäfer erkennen
[IMG 4]
Der Japankäfer ist etwa so gross wie eine Kaffeebohne und damit deutlich kleiner als einheimische Rosen- oder Junikäfer. Typisch sind die fünf weissen Haarbüschel auf jeder Seite des Hinterleibs und zwei grössere, ebenfalls weisse Haarbüschel am Hinterteil. Kopf und Körpermitte des Japankäfers schimmern grün, die Deckflügel sind kupferbraun. Eier, Larven und Puppen müssen zur Bestimmung in einem Labor analysiert werden. Das Schadbild umfasst Frass an Blättern, Blüten und Früchten, die Larven fressen die Wurzeln verschiedener Gräser.
Wenn Sie einen verdächtigen Käfer finden, gilt:
- Käfer einfangen und nicht wieder freilassen.
- Prüfen, ob die charakteristischen Haarbüschel vorhanden sind.
- Käfer unschädlich machen (z. B. einfrieren oder beherzt zertreten).
- Käfer fotografieren (evtl. vor dem Zertreten), Standort der Beobachtung notieren und dem kantonalen Pflanzenschutzdienst melden.
Alle Infos und Adressen unter: www.stopp-japankäfer.ch.

