Bislang beginnt die Tomatenkultur in der Schweiz im Januar im Gewächshaus und endet mit der letzten Ernte im November. Bei der sogenannten «zeitversetzten Produktion», oft in Nordeuropa praktiziert, kann eine zusätzliche Pflanzung im September vorgenommen werden, auf die die letzte Ernte im August des Folgejahres folgt. Mit diesem Modell könnte der Tomatenbedarf in der Schweiz das ganze Jahr über gedeckt werden.
Erhöhter Energieverbrauch
Werden auch über die Wintermonate Tomaten produziert, geht dies aber mit einem höheren Energieverbrauch durch die Beheizung und Beleuchtung der Gewächshäuser einher. Forscher und Forscherinnen von Agroscope haben sich daher mit der Frage beschäftigt, welche agronomischen und finanziellen Herausforderungen die zeitversetzte Tomatenproduktion in der Schweiz mit sich bringen würde. Zudem untersuchten die Forschenden, ob eine LED-Beleuchtung im energieintensiven, zeitversetzten Anbau sinnvoll ist.
Energieverbrauch lässt sich durch Ertragszuwachs nicht kompensieren
Die Studienergebnisse der untersuchten Cherry-Tomatensorten im zeitversetzten Anbau zeigten, dass die Lichtzufuhr durch die LED-Beleuchtung zu einer durchschnittlichen Ertragssteigerung von 20 Prozent führte. Im zeitversetzten Anbau verzeichneten die Forschenden 100 Prozent mehr Energieverbrauch als im herkömmlichen, nicht versetzten Anbau. Dieser zusätzliche Verbrauch konnte auch durch den signifikanten Ertragszuwachs nicht kompensiert werden.
Die Forscher konnten zudem im zeitversetzten Anbau einen Energieaufwand von 478 kWh pro m² messen. Verglichen mit dem Energieaufwand von 245 kWh pro m² im herkömmlichen Anbau liegt also ein zusätzlicher Verbrauch von etwa 95 Prozent vor. Auch geben die Forschenden zu bedenken, dass die aktuellen Schwankungen der Energiekosten in der Rentabilitätsrechnung berücksichtigt werden müssen.

