Die Digitalisierung schreitet rasant voran, auch im Agrarbereich. Da ist Koordination gefragt. Die Chartagemeinschaft Digitalisierung der Land- und Ernährungswirtschaft hat deshalb mit «News Spot Agridigital» ein neues Format entwickelt, bei dem aktuelle Themen aus der Branche vorgestellt und diskutiert werden können. «Die Veranstaltungen sollen regelmässig und online stattfinden», informierte Ulrich Ryser, Agridea-Direktor und Moderator der ersten Ausgabe. 

Administration vereinfachen durch Automatisation und Vernetzung

Vorgestellt wurden drei Projekte, bei denen es um den digitalen Datenaustausch geht. Allen gemeinsam ist, dass ein mehrmaliges Erfassen der Daten durch den Landwirt oder die Landwirtin hinfällig werden soll. «Das Stichwort ist ‹administrative Vereinfachung›. Einerseits kann das durch Automatisieren, anderseits durch Vernetzen geschehen», erklärt Ulrich Ryser auf Anfrage. 

Die Herausforderung bei allen drei   Projekten ist die Frage rund um Datenstandardisierung und Datenhoheit. «Am Ende geht es bei der Digitalisierung um den Nutzen, das Vertrauen und die Akzeptanz, wenn wir Erfolg haben wollen», so Ryser.

Pilotprojekt für einen bidirektionalen Austausch von Daten

Mit dem Pilotprojekt «Agrardatenaustausch» des Farm-Management-Anbieters Barto soll der Datenaustausch medienbruchfrei, d. h. ausschliesslich in digitaler Form, zwischen dem Farm-Management-System und dem Agrarvollzugssystem der Kantone ausgetauscht werden. Die Innovation dabei ist, dass der Austausch bidirektional, also in beide Richtungen, vollzogen werden soll. Die volle Datenhoheit ist immer bei der Landwirtin. Diese muss aus Haftungsgründen die Daten weiterhin bewusst freigeben. Es wird also keine vollautomatische Datenübernahme stattfinden. 

Im Februar 2022 wird Barto in Zusammenarbeit mit Gelan und Lawis, den Direktzahlungssystemen der Kantone Bern, Fribourg und Solothurn bzw. Luzern, Thurgau, Basel-Land, Basel-Stadt, Zug und Schaffhausen, den Pilot starten. Jeweils zehn Betriebe aus den Kantonen Bern, Fribourg, Thurgaz, Schaffhausen und Luzern sind beteiligt. Zu Beginn konzentriere man sich auf Nutzflächen und Kulturen und wolle so Erfahrungen sammeln. Die Ergebnisse des Projekts sollen offengelegt werden. Ziel sei es nämlich, einen Standard für alle Anbieter und Nutzerinnen in der Landwirtschaftsbranche zu schaffen.

«Ich bin überzeugt, diese Art von Datenaustausch wird auf grosses Interesse stossen, da so die Mehrfacherfassung wirklich entfällt», meint Ulrich Ryser. «In Zukunft könnte es sein, dass es bei den Kantonen keine Erfassungsmaske mehr gibt, sondern die Daten direkt aus einem Farm-Management-System eingespeist werden.»

BLW mit zwei digitalen Datenprojekten

Weiter stellte das Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) zwei Projekte vor. Bei «Meine Agrardatenfreigabe» geht es darum, dass Datenbezüger, wie z. B. wie Verbände, Label- oder Kontrollorganisationen, beim BLW einen Antrag für den Datenbezug stellen können. Der einzelne Landwirt oder die Landwirtin können bestimmen, ob das BLW die Bewirtschafterdaten freigeben kann oder nicht. Die Einwilligung kann jederzeit wieder zurückgezogen werden. 

Ein weiteres Projekt ist das «digitale Nährstoff- und Pflanzenschutzmanagement». Damit soll ein Gesamtsystem geschaffen werden, welches die Beschaffung und die Weitergabe von Informationen über die Betriebsmittel in der Schweizer Landwirtschaft er möglicht. Dabei sollen bestehende Methoden und Werkzeuge miteinbezogen werden. Es soll aber ebenfalls modular erweitert werden können. Auch hier werden die Bewirtschaftenden die Datenweitergabe verwalten und kontrollieren können. 

«Damit eine solche Vernetzung funktioniert, brauchen wir unbedingt einen Datenstandard», erklärt Ulrich Ryser. Ohne eine solche Vereinheitlichung werde man immer am Thema der diversen Schnittstellen scheitern.