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Warum der Spruch «Es Gwössa haa wie en Laubsack» auf ein unbequemes Bett hinweist

Unsere Gastautorin ist Kuratorin am Appenzeller Brauchtumsmuseum Urnäsch und erzählt von früheren Zeiten, als man sich mangels Alternativen mit Säcken voller Laub zugedeckt hat.

Ende Mai 2002 durften wir unsere Sommer-Sonderausstellung im Appenzeller Brauchtumsmuseum Urnäsch eröffnen. Die Ausstellung erzählt den Besucherinnen und Besuchern ländlich-bäuerliche Geschichten rund ums Bett. Der Begriff «Laub ober Laub onder» bezeichnet im Appenzellerland einen ärmlichen Haushalt, in welchem das Deckbett mit Laub gefüllt ist und ein Laubsack als Matratze genutzt wird. Stroh gilt als Luxus, da in der Region kaum Getreide angebaut wird.

Laubsäcke wurden auch geklaut

Die Hülle des Laubsacks hat möglichst robust zu sein. Einen Laubsack zu besitzen, war im 19. Jahrhundert nicht selbstverständlich. Belegt wird dies durch Diebstahlsanzeigen. Ein besonders wertvoller Laubsack wird laut Anzeige vom 17. Februar 1857 in Speicher gestohlen. Der Wert dieses «zweischläfigen» Laubsacks beträgt 16 Franken.

Ein weitaus billigerer Laubsack wird im März 1875 in der Tell in der Gemeinde Urnäsch entwendet. Er gehörte zu mehreren gestohlenen Gegenständen im Gesamtwert von 6.50 Franken. Bequem sind die mit Laub gefüllten Säcke nicht lange. Wie leicht das Laub nachgibt, spiegelt die Redewendung «Es Gwössa haa wie en Laubsack». Gemeint ist damit eine wenig standfeste Person, die dem geringsten Widerstand ausweicht. Wer keine Bettstatt vermag, schläft im Appenzellerland mit seinem Laubsack auf dem Boden.

Inspiration für moderne Bettwäsche

Noch 1947 kennt längst nicht jedes Kind in der Schweiz den Luxus des eigenen Bettes mit einer richtigen Matratze. Deshalb führt das Schweizerische Rote Kreuz zusammen mit der Winterhilfe Schweiz und der Schweizerischen Vereinigung gegen Tuberkulose und Lungenkrankheiten eine «Bettenaktion für Schweizer Kinder» durch. Es werden Bettgestelle, Matratzen und Bettwäsche an bedürftige Familien abgegeben. Spenden von 4 Millionen Franken ermöglichen es, bis 1974 insgesamt 7283 vollständig ausgestattete Betten zu verteilen.

Zum Luxus von heute zählen Bettwäschekreationen der St. Galler Firma «Christian Fischbacher Bed & Bath AG». Die Ideen für neue Trends findet das Designerteam in den unterschiedlichsten Kulturen weltweit. Umso mehr weiss das Appenzeller Brauchtumsmuseum zu schätzen, dass gemalte und gestickte Motive und Szenen auf Objekten der Museumssammlung als Inspiration für die neusten Fischbacher-Kreationen dienen. Ziel des Designerteams ist, «mit historischem Material Neues zu schaffen und für die Ästhetik von heute zu kreieren».

Motive vom Kuhhals aufs Bett

Für die Garnituren «Hochalp» und «Saentis» suchte das Designerteam die hervorragendsten Arbeiten der traditionellen Appenzeller Möbelmalerei aus. Dazu gehören Motive und Szenen des Malers Conrad Starck. Starck gilt als der bedeutendste Möbelmaler des Appenzellerlands im späten 18. und frühen 19. Jahrhundert.

Für das Muster der Garnitur «Alpstein» haben die Designerin und der Designer die gesteppten Motive des bekanntesten Sennensattlers Johannes Weishaupt auf den Schellenriemen der Kühe künstlerisch weiterentwickelt. «Wishopt» hat zwischen 1895 und 1939 einen eigenen Stil für diese Stepparbeiten erarbeitet, der von allen später tätigen Sennensattlern übernommen wird.

Zur Ausstellung

Die Sonderausstellung «Laubsack und Luxus» läuft noch bis am 30. Oktober 2022. Öffnungszeiten und weitere Informationen finden Sie unter www.museum-urnaesch.ch

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