An einem Oktobertag standen um halb sieben die ersten der fünf Bauern an der Rampe im schaffhausischen Thayngen, die ihre Zuckerrüben auf die Bahn nach Frauenfeld verladen wollten. Von der Zuckerfabrik her sollte ein Zug mit 22 Bahnwagen nach Schaffhausen kommen, wo er halbiert werden sollte, damit die ersten Waggons um sieben Uhr in Thayngen parat sind. Die Bauern aus Thayngen und Barzheim warteten aber über zwei Stunden, bis der Zug der TR Trans Rail endlich kam.

Schweizweit die teuersten Rüben

Dann ging es zügig: Die Bauern brachten die Rüben von den Feldern und kippten sie an der Rampe ab, wo sie der Barzheimer Landwirt Urs Winzeler mit dem Radlader in die Waggons füllte. Andere kippten ihre Rüben vom Anhänger direkt in die Bahnwagen. Um 12 Uhr waren die ersten Waggons geladen. Bis die Wagen in Schaffhausen ausgetauscht waren, dauerte es wieder zweieinhalb Stunden. Das Verladen ging weiter. Zwischendurch warteten die Männer nochmals eine Dreiviertelstunde, bis der Zug rangieren konnte. «Bei diesem Wetter hätte ich auch noch andere Arbeit», schimpfte ein Bauer. Es war schliesslich dunkel, bis der Zug mit 1100 Tonnen Zuckerrüben nach Frauenfeld abfuhr.

Es waren die letzten Zuckerrüben, die mit der Bahn vom Reiat nach Frauenfeld gefahren werden. «In der Zuckerfabrik hiess es, dass die Rüben aus Thayngen vom Transport her die teuersten der ganzen Schweiz sind», sagte Winzeler und fügte hinzu, dass der ganze Prozess sicher schon zehn Jahre laufe. Das Problem sei, dass die Bahnstrecke von Thayngen nach Schaffhausen Gebiet der Deutschen Bundesbahn ist und das private Bahnunternehmen Gleismiete bezahlen muss.

«Als der Halbstundentakt kam, bedeutete dies das Ende des Bahntransports», sagte Winzeler. Die TR Trans Rail müsse im Voraus die Trassenzeiten fixieren und komme nicht mehr in das enge Zeitfenster. Obwohl der Rübentransport nun Geschichte ist, lassen die Bauern jedoch ihre Laderampe stehen. «Wir wissen nicht, was in der Politik passiert. Heute dies, morgen das, und übermorgen sagt der nächste, dass wir die Rüben wieder auf die Bahn bringen müssen», so Winzeler.

Transport wird neu organisiert

Alle Bauern vom Reiat werden künftig ihre Rüben über eine Transportorganisation vom Feld abholen lassen. Pascal Brunner vom Dörflinger Lohnunternehmer Markus Sigg GmbH erklärte, dass die Anfuhrtage vom Maschinenring Thurgau organisiert werden und die Lohnunternehmer fünfmal am Tag pro Fuhre 25 Tonnen Zuckerrüben in die 37 Kilometer entfernte Zuckerfabrik fahren können. Ein Bahnwaggon hingegen kann 50 Tonnen laden. Der letzte Zuckerrübenzug mit den 22 Bahnwaggons aus dem Reiat entspricht somit 44 Strassentransporten. «Die Traktoren sind ein Verkehrshindernis und künftig liegen noch mehr Rüben in den Kreisverkehren», meinte ein Rübenbauer.