In den Fahrgassen im Obst- und Weinbau stecken viele Ressourcen. Mit einem gezielten Begrünungsmanagement lassen sich diese besser und effizienter nutzen, was an einer durch die Leiser AG organisierten Fachtagung auf dem Juckerhof in Seegräben aufgezeigt wurde.
Flexibles Management nötig
Für die Bewirtschaftung sind die Fahrgassen im Obst-, Beeren- und Weinbau unerlässlich. Denn diese können für die angebauten Kulturen matchentscheidend und sehr förderlich sein.
Diese Fragen thematisierte die Leiser AG mit Sitz im luzernischen Reiden mit verschiedenen Referenten und Landtechnik im zürcherischen Seegräben. «Die Basis für die Ertragssicherheit im Wein und Obst liegt in der Pflanze, in der Wurzel und im Boden», war den zentrale Botschaft von Wilfried Hartl von der Bioforschung Austria; dabei verwies er auf das Gegenspiel. «Die Wurzeln ernähren die Bodenorganismen, der Boden ernährt die Rebe», rief Hartl in Erinnerung.
Dies gilt insbesondere bei der Begrünung und Bewirtschaftung der Fahrgassen. Diese ist aber an den Boden, die Rebsorte oder auch an die Lage anzupassen. Insbesondere hat die Begrünung auch einen direkten Zusammenhang mit dem Wasserhaushalt im Boden.
Entsprechend sprach Hartl von einem flexiblen Begrünungsmanagement. Bei zu viel Wasser mache eine intensive Begrünung in Verbindung mit Humusaufbau Sinn. Bei Wasserknappheit sei die Begrünungskonkurrenz durch ein Unterfahren zu stoppen. In diesem Verfahren mit dem seichten Unterschneiden der Narbe könne die Konkurrenz um Wasser sofort gestoppt werden.
Ein «Vielfachgerät» im Einsatz
Dass im deutschen Kirchheim unter Teck angesiedelte Landtechnikunternehmen Güttler hat für die Bewirtschaftung der Fahrgassen im Obst- und Weinbau den Green Manager entwickelt. «Offene Gassen sind flach zu bearbeiten. Damit wird das Unkraut lose abgelegt, dass es vertrocknet», führte Hans Güttler aus. Dafür kommt diese Technologie zum Einsatz, welche als Werkzeugkasten mit Walze und Sägerät, Striegel oder auch Grubber zum ganzflächigen Unterschneiden als eine Art Vielfachgerät ausgerüstet werden kann.
Striegeln und säen
Bei der flachen Bodenbearbeitung kommt insbesondere der Striegel zum Einsatz. Dieser bricht die Kapillarität, damit die wertvolle Bodenfeuchte erhalten bleibt. Zugleich kann dieser Arbeitsgang mit Sägerät und Walze für eine Einsaat genutzt werden. «Damit erreichen wir einen perfekten Schutz vor Erosionen», sagte Güttler. Doch es gebe durchaus Nuancen, welche gezielt genutzt werden sollen. Gründüngungen sollen nicht gemulcht, sondern nur durch Walzen geschröpft werden. Dadurch würden nur die Leiterbahnen unterbrochen.
Der Green Manager ermöglicht auch die Aussaat von Blühstreifen oder die Saat auf zwei Tiefen. Konkret geht es darum, dass beispielsweise in die beiden Fahrspuren die feinkörnigen Samen von Klee oder Gras flach abgelegt werden, während der Zwischenraum mit einer Aussaat von grobkörnigen Leguminosen begrünt wird.
Grubbern mit dem «Manager»
Um bei Trockenheit die Wasserkonkurrenz zu stoppen, kann der spezielle Grubber zum Unterschneiden eingesetzt werden. Hier kommen spezielle Scharen zum Einsatz, welche die Narbe wenige Zentimeter im Boden vollständig vom Unterboden abtrennen. Dies macht es möglich, dass nur die Fläche zwischen den Fahrspuren so bearbeitet wird, während die Fahrspuren grün bleiben und somit beim Überfahren besser tragfähig bleiben.
«Die dadurch absterbende Pflanzendecke ist der perfekte Erosionsschutz, ernährt das Bodenleben und senkt die Temperatur im Boden», führte Hans Güttler aus. Zugleich bleibeder Boden tragfähig, und dieFläche könne jederzeit befahren werden.
Verschiedene Formen der Begrünung
Setzt man bei der Begrünung auf Gräser, so liegen die Vorteile bei den Kosten, auf der Robustheit, auf der dichten Narbe und in einer idealen Fläche für das Mulchen.

«Nachteile sind, dass es keine Blumen hat, dass es ein einseitiges Wurzelbild zeigt und kein Stickstoff gebunden wird», führte Marc Lehmann von Schweizer Samen aus. Ähnliche Eigenschaften zeigt auch der Blumenrasen, welcher ebenfalls ideal befahren werden kann.
Nachteilig sind die geringe Artenvielfalt oder auch die Kosten. Beim Entscheid für eine Blumenwiese sieht Lehmann einen Vorteil in der artenreichen Auswahl von Pflanzen, welche ideal für Insekten sind. Doch diese hochwachsenden Einsaaten mit offener Narbe sollten nicht gemulcht werden und blühen erst im zweiten Standjahr.
Es empfiehlt sich aber auch, auf Kombinationen und Zwischenlösungen zu setzen. So fördern einjährige Blühstreifen Nützlinge und Bestäuber, während mehrjährige Blühstreifen zusätzlich gemulcht werden.
Als weitere Variante brachte Lehmann die Gründüngung ins Spiel, welche zur Bodenlockerung beiträgt, Stickstoff aus der Luft bindet oder die Bodenlebewesen aktiviert. Setzt man auf mehrjährige Blütenstreifen, so sollten diese nicht zu oft gemulcht werden, weil damit die Gräser gefördert werden. Zugleich sollte auch darauf verzichtet werden, wenn die Insekten fliegen.

