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Wintergewitter: Wenn im März die Blitze zucken

Vergangene Woche blitzte und donnerte es über der Schweiz aussergewöhnlich stark. Prognostiker Fabian Umbricht erklärt, wie es dazu gekommen ist.

Im Sommerhalbjahr sind Gewitter ein bekanntes Phänomen. Und auch dass sie während der kalten Jahreszeit auftreten können, ist per se nichts Neues; die Bezeichnung Wintergewitter ist in der Meteorologie ein etablierter Begriff.

In dieser Stärke selten

Gewöhnlich sind Wintergewitter in eine Kaltfront eingebettet, und die typischen Begleiterscheinungen von Gewittern wie Blitz und Donner sind nur lokaler Natur. Oft sind Wintergewitter eher «Gewitterchen», die Graupelschauer bringen und eben vereinzelt auch mal kurzzeitig elektrisch sein können.

Was Mitteleuropa – vor allem die Nordwestschweiz und Frankreich – am letzten Montag (13. 3.) erlebte, sprengte den Rahmen der typischen Wintergewitter jedoch definitiv. Wir werfen einen etwas genaueren Blick auf die aussergewöhnliche Wetterlage, die zu diesem sehr saisonuntypischen Wetterphänomen geführt hat, denn astronomisch – also bezüglich der Sonneneinstrahlung – befinden wir uns immer noch im Winter.

Eine energiereiche Konstellation

Gewitter sind charakterisiert durch das schwere Wetter, das sie verursachen können: Starkregen, Hagel und Sturmböen, Blitz und Donner sind typisch. Die Energie für diese intensiven Phänomene wird durch die aufsteigende Luft in einer Gewitterwolke zur Verfügung gestellt: Je energiereicher die Luftmasse, die aufsteigt, ist, desto kräftiger kann ein Gewitter ausfallen – deshalb treten die stärksten Gewitter typischerweise im Hochsommer, wenn es sehr warm ist, auf.

Doch rein physikalisch ist die Lufttemperatur am Boden eher zweitrangig und hauptsächlich für das Auslösen der Gewitter verantwortlich. Noch wichtiger sind die Feuchtigkeit und die vertikale Schichtung der Atmosphäre, also wie sich die Temperatur und Feuchtigkeit mit zunehmender Höhe über Boden verändern. Ist die Schichtung der Atmosphäre sehr instabil, das heisst nimmt die Temperatur mit zunehmender Höhe rasch ab, kann die Luft sehr einfach aufsteigen – die Aufwinde in einer Gewitterwolke werden dann sehr stark, womit auch die meteorologischen Begleiterscheinungen wie Regen, Hagel und Windböen der Gewitterzelle stärker werden können.

Die Feuchtigkeit liefert dann noch zusätzlichen Antrieb: Feuchte Luft ist grundsätzlich leichter als trockene Luft, wodurch sie noch schneller aufsteigen kann und noch mehr potenzielle Energie liefert. Anderseits steigt in der feuchten Luft auch mehr Wasser in Richtung Himmel, das dann wieder herabfallen kann und damit nochmals mehr Energie bereitstellt.

Ein starkes Gewitter mitten im März

Am letzten Montag führte eine spezielle Wetterlage dazu, dass über Frankreich eine sehr instabile Luftschichtung entstand. Einerseits lag zwischen den Britischen Inseln eine ausgeprägte Kaltfront, während vor der Kaltfront sehr warme Luft aus Südwesten herangeführte wurde. Je näher die Kaltfront nach Osten über Frankreich rückte, desto stärker sank die Temperatur in der Höhe und desto instabiler wurde die Luftschichtung.

Gleichzeitig herrschte vor allem in der Höhe sehr starker West- bis Südwestwind. Die Windzunahme mit der Höhe sorgt dafür, dass sich die Aufwindzonen räumlich besser trennen und die Gewitterzellen deshalb besser organisiert und damit langlebiger und kräftiger werden. Diese gut organisierten Gewitterzellen konnten sich am Montag vor allem über Frankreich bilden und zogen dann langsam in Richtung Schweiz.

Da auch über der Schweiz im Vorfeld der Gewitter eine sehr warme Luftmasse lag, hatte die Gewitterlinie auch beim Weiterzug nach Osten, in Richtung Schweiz, weiterhin viel und energiereiches «Futter». Somit blieb die Gewitterlinie aktiv und intensiv, bis sie die Schweiz und den Jura erreichte. Beim Annähern an die Alpen verloren die Gewitter dann aber doch langsam an Intensität, sodass die stärksten Gewitterböen und die blitzaktivsten Ereignisse auf die Nordwestschweiz beschränkt blieben.

In dieser Region boten die Gewitter nicht nur schwere Sturmböen, sondern auch eine für die Jahreszeit einmalige Blitzshow. Damit Blitze entstehen können, muss sich die Wolke vorher elektrisch aufladen – dies passiert durch die Reibung der Eisteilchen in der Wolke, die sich statisch aufladen. Damit eine Wolke also Blitz und Donner bringen kann, sind Eisteilchen nötig, die Wolke muss sich also über die Nullgradgrenze hinaus aufbauen. Die tiefere Nullgradgrenze ist somit der einzige Faktor, der in der kalten Jahreszeit das Entstehen von Gewittern etwas begünstigt.

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