Nach einem sehr warmen Start ins Jahr kippte die Temperatur in der zweiten Januarhälfte doch noch auf die kalte Seite und es gab auch in den tiefen Lagen mehrere Eistage hintereinander. Dazu kamen Bise, Hochnebel und teilweise eine Schneedecke bis in tiefe Lagen, die in der letzten Woche doch für echte Winterstimmung sorgten. Doch bereits nach wenigen Tagen steigt nun das Thermometer zum Monatswechsel wieder an und die Schneedecke in den tiefen Lagen taut zusehends ab – wars das bereits mit dem Winter für diese Saison?
Wirds wärmer?
Im Februar nehmen der Sonnenstand und die Tageslänge bereits wieder deutlich zu – bis zu 3 bis 4 Minuten mehr Tageslänge gibt es pro Tag. Damit hat es winterliche Kaltluft zunehmend schwer, sich in der Schweiz zu etablieren. Das zeigt auch die Statistik: Während es im Januar im klimatologischen Durchschnitt von 1991 bis 2020 in Bern/Zollikofen durchschnittlich 7,7 Eistage gab, so sind es im Februar nur noch 4,2 Tage, an denen das Thermometer den ganzen Tag unter dem Gefrierpunkt verharrt. Und da in den letzten Jahren markante Wintereinbrüche eher an Häufigkeit verloren haben, liegt die Vermutung nahe, dass die aktuelle Erwärmung das erste Anzeichen des Frühlings sein könnte.
Kommt Kälte?
Doch ganz so einfach gibt sich der Winter dieses Jahr nicht geschlagen. Bereits in der nächsten Woche kämpft sich das Winterwetter wieder zurück. Zwar nicht in Form von Schnee bis in tiefe Lagen, dafür in Form von neuer Kaltluft, die die Schweiz erreicht. Ein kräftiges Hoch schiebt sich vom Atlantik nach Skandinavien, wodurch die Westwinddrift über Europa zum Stillstand kommt und der Weg frei wird für Kaltluft aus den Polarregionen, die aus Nordosten nach Mitteleuropa gelangen kann. Dass diese Kaltluft nochmals zu strengen Eistagen führt, ist jedoch nicht gesichert. Denn die Luft, die herangeführt wird, ist zwar für schweizerische Verhältnisse kühl, aber an ihrem Ursprung über dem Nordpolarmeer ist die Luftmasse eigentlich verhältnismässig mild.
Kein Kühlschrank
Und auch vor Ort, in der Schweiz, gerät die Abkühlung der Luftmasse ins Stocken, denn das aktuelle Tauwetter in den tiefen Lagen sorgt dafür, dass die Schneedecke im Mittelland weitgehend verschwindet. Dabei würde eine Schneedecke die Intensität einer Kaltphase zusätzlich verstärken: Bei klaren Nächten strahlt die Schneedeckenoberfläche effizienter ab und kühlt die Luft stärker ab als über dem aperen Erdboden und tagsüber reflektiert die weisse Schneeoberfläche die Sonneneinstrahlung und verhindert damit ein Aufheizen der Luft. Eine geschlossene Schneedecke, die in den tiefen Lagen die Abkühlung verstärken und somit als lokaler Kühlschrank wirken würde, ist jedoch sehr unwahrscheinlich, so dass die Februarsonne in der kommenden kalten Episode zumindest im Mittelland tagsüber doch recht effizient wärmen kann.
Minusnächte möglich
Obwohl in den Bergen die Temperatur zur Mitte der nächsten Woche durchaus noch sehr tief sinken kann, ist die Wahrscheinlichkeit für mehrere Eistage in Folge in den tiefen Lagen eher klein. Über Nacht ist in dieser Phase jedoch durchaus strenger Frost möglich. Dabei hat die fehlende Schneedecke auch den Nebeneffekt, dass die Kälte stärker in den Boden eindringen kann, da der Schnee gegenüber dem Boden eher als Isolator wirkt.
Provisorische Prognose
Ob sich nach dieser absehbaren kalten Phase in der ersten Februarwoche das Wetter dann endgültig in Richtung Frühling wendet, ist ebenfalls noch unsicher. Es scheint eher unwahrscheinlich, dass sich im weiteren Verlauf des Februars oder Anfang März niederschlagsreiche, aber milde Westlagen durchsetzen, hingegen stehen die Zeichen auf eine erhöhte Wahrscheinlichkeit für blockierende Wetterlagen. Das heisst, dass auch mittelfristig mit eher geringen Niederschlägen gerechnet werden muss und die Witterung in der Schweiz bis zum meteorologischen Frühlingsbeginn vor allem durch Hochdruckphasen oder weitere eher kühle und trockene Nord- bis Ostlagen geprägt sein dürfte.

