Der Januar hat uns ganz unterschiedliches Wetter beschert. Zeit für einen Blick zurück und eine Prognose bis zum Monatsende.
Warmer Start ins neue Jahr
Nicht nur am Himmel knallte es ordentlich, als das Jahr 2023 in der Silvesternacht seinen Anfang nahm. Nebst Feuerwerkskörpern schoss auch die Temperatur in die Höhe und liess kurz nach Mitternacht die ersten Januarrekorde purzeln. So geschehen beispielsweise in Delsberg JU mit einer nächtlichen Temperatur von 19,3 Grad.
Tagsüber sorgte der jurassische Ort für weitere Schlagzeilen: Stolze 20,2 Grad gingen als höchste Januartemperatur in die Messgeschichte der Alpennordseite ein. Der Grund für die aussergewöhnlich hohen Werte lag in einer Südwestströmung, die am Westrand eines Hochdruckgebiets sehr milde Luft aus den Subtropen in die Schweiz führte.
Zusätzliches Absinken der Luft (der sogenannte Föhneffekt) führte zu den beobachteten Spitzenwerten der Temperatur.
Wenig später gelangte die Schweiz zunehmend in den Einflussbereich eines ausgeprägten Tiefdruckgebietes über Skandinavien.
Mattes Altjahresgrün
Zur Wochenmitte überquerte eine Luftmassengrenze die Alpen; die erste einer nun längeren Serie von Frontendurchgängen. Die Temperatur sank im Mittelland in den einstelligen Bereich ab, lag damit aber im Vergleich immer noch 3 bis 6 Grad über der langjährigen Norm. Logisch, dass so etwaiger Niederschlag nicht in Kristallform den Boden erreichte. Die zu milden Bedingungen machten sich aber auch in den Gipfellagen bemerkbar.
Das weit verbreitete matte Altjahresgrün sorgte in den Skigebieten für Unmut und in 1500 Metern Höhe für weitere Rekorde: Seit Beginn der Beobachtungen im Jahre 1967 hatte sich das Messfeld in Andermatt UR in der ersten Januarwoche noch nie schneefrei gezeigt.
Endlich Schnee
Erleichterung kam schliesslich mit einem erneuten Luftmassenwechsel vom 8. auf den 9. Januar. Innerhalb weniger Stunden wuchs in den westlichen Alpen eine lokal über 40 Zentimeter dicke Neuschneedecke. Im Osten hingegen reichte es an den meisten Orten nur für ein paar wenige Zentimeter.
Beinahe als Entschädigung für die bis anhin schneearmen Verhältnisse lieferte das Wetter von nun an spannende Unterhaltung. Regelmässige Frontendurchgänge liessen die Nullgradgrenze auf über 2500 Meter ansteigen und kurz darauf wieder in die Tiefe stürzen.
Ähnlich aktiv zeigte sich der Wind, der hin zur Januarmitte in Gipfelhöhe wie stellenweise in den tiefen Lagen zu orkanartigen Böen führte. So verzeichnete beispielsweise die Messstation in Thun BE am 15. Januar 2023 Windspitzen von 106 Kilometern pro Stunde.
Ein Blick voraus
Als Kontrast zur überwiegend von (Süd-)Westwinden geprägten Grosswetterlage findet in der zweiten Januarhälfte ein jäher Wetterumbruch statt (Stand 18. Januar 2023).
Bereits in den vergangenen Stunden hat sich ein Kaltluftvorstoss aus den arktischen Gebieten bemerkbar gemacht, Schneeflocken rieseln zum Zeitpunkt der Erstellung dieses Beitrages auf den Berner Asphalt. Die Frostgrenze wird in den kommenden Tagen voraussichtlich auch die tiefsten Lagen des Mittellandes nicht mehr verlassen. So könnten sich bis zum Ende des ersten Monats im neuen Jahr noch ein paar Eistage in die Schweizer Wetterstatistik einreihen.
Obwohl sich voraussichtlich auch das Schneegestöber beruhigen wird, sorgt die aufkommende Bisenlage für Hoffnung: Zumindest die Schweizer Gipfel könnten es mit einer Schicht Puderzucker in den Februar schaffen und damit wertvolles Wasser für die Sommermonate speichern.

