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Finks haben mit Lehm gebaut und leben «wie in einem Kokon»

Familie Fink setzte beim Bauen ganz auf natürliche Materialien aus der Region: Dazu gehören vor allem Holz und Lehm. Das sei zwar teurer gewesen, aber ein Mehrwert fürs Leben, findet der Bauherr.

Das neue Haus auf dem Herisauer Rechberg gegenüber dem Restaurant fällt auf, da es im Appenzeller Stil gebaut ist. Doch das Besondere zeigt sich im Innern. Familie Klaus und Jeannette Fink legte nicht nur Wert darauf, dass das Haus zur Gegend passt, sondern auch auf gesunde Baumaterialien aus der Region und dass sie selbst sich darin geerdet fühlt.

«Schlafen wie ein Baby»

Im Februar 2020 fällte der Bauherr zusammen mit einem benachbarten Landwirt Fichten, die ganz in der Nähe des Bauplatzes gewachsen waren; das Holz wurde anschliessend bei 70 Grad getrocknet.

Im Mai war Aufrichte und schon im Oktober konnte die Familie einziehen. «Es ist ein Vollholzhaus», erklärt Klaus Fink. Die 39 cm starken Wände bestehen aus mehreren Bretterlagen, die mittels einer von der Zimmerei Nägeli in Gais patentierten Dübel-Technik miteinander verbunden sind. Alles ohne Leim, Metall, Farbe oder Lack. Die feinen Lufteinschlüsse zwischen den sägerohen Holzlagen führen zu einer guten Wärmedämmung. Das Holz duftet und ist atmungsaktiv. «Wir schlafen darin wie Babys», schwärmt der Hausherr.

Holz und Lehm

Seine Frau und er wollten nicht nur natürliche Baumaterialien, sondern auch Abwechslung bei der Wandverkleidung. In der Küche, im Bad, in den Vorratsräumen und der Backstube liessen sie die Wände mit Lehmputz bestreichen und der Bauherr legte sogar selbst Hand beim Spachteln an. Auf Fermacell-Platten kam ein fünf Millimeter dicker Grund- und ein zwei Millimeter dicker Deckputz.

Der Lehmputz bringt manche Vorteile. Ästhetisch bildet er einen erdigen Kontrast zum Holz, er reguliert die Feuchtigkeit im Raum, indem er bei feuchter Luft Wasser aufnimmt und bei trockener das Wasser wieder abgibt, und nicht zuletzt neutralisiert er Gerüche. Neben diesen messbaren Eigenschaften sind es aber vor allem die nicht messbaren, welche Familie Fink so wertschätzt.

Klaus Fink ist leidenschaftlicher Bäcker. Mit der Backstube aus Lehmwänden und Holz verwirklichte er sich einen Traum.
Klaus Fink ist leidenschaftlicher Bäcker. Mit der Backstube aus Lehmwänden und Holz verwirklichte er sich einen Traum.

Raum für Ruhe

«Wir fühlen uns hier wie in einem Kokon» veranschaulicht es der Bauherr. Geheizt wird dieser «Kokon» durch einen Holzofen aus gestampftem Lehm im Wohnzimmer. Das Innere des Ofens durchziehen Rohre, in denen das Wasser gewärmt wird. Es heizt das ganze Haus. Neben Lehm hat Familie Fink auch «Naturofloor» als Wandbeschichtung verwendet. Dies ist ein fugenloser, mineralischer, wasserabweisender Wandbelag, der Fliesen ersetzt.

Es ist nicht nur die ruhige Lage des Hauses, sondern auch das Eingebettet-sein in die Natur. Das gibt der Familie das Gefühl, selbst Teil der Natur zu sein. «Hier können wir herunterfahren», sagt Tochter Nadine. Wie ihre Mutter malt sie gerne. «Wir kommen vom Kopf wieder ins Herz.» Dieser Satz sagt vielleicht am besten aus, was sie im Hause ihrer Eltern so sehr schätzt.

Bei ihrer auswärtigen Arbeit sind die Bewohner vielen Reizen ausgesetzt, jeder muss funktionieren. «Hier hat man den Frieden», empfinden sie. Alle können entspannen, das «Kopf-Kino» abschalten und loslassen. Es sei nicht immer einfach, die Ruhe auszuhalten, aber es gebe Raum, um kreativ zu sein.

Finks haben mit Lehm gebaut und leben «wie in einem Kokon»
Auch im "Atelier" sorgen Lehmwände für ein gutes Raumklima.

Gut geerdet

Ein weiterer Vorteil der natürlichen Baumaterialien ist, dass sie pflegeleicht sind. Man müsse nur achtsam mit ihnen umgehen, ergänzt Klaus Fink. Gibt es einen Spritzer auf die Lehmwand, lässt er sich leicht mit Wasser abwischen, ohne dass es ein Fleck zurückbleibt. Gibt es wegen eines Schlages eine Kerbe, dann lässt sich diese leicht mit etwas vorrätigem Lehm aus einem verschlossenen Glas beseitigen.

Eine Alternative zum Lehmputz wäre gewesen, die Wand weiss anzustreichen. Doch dann hätte den Bewohnern die «Erdung» gefehlt. Das naturbelassene Holz der über hundert Jahre gewachsenen Bäume und der mit der Erde verbundene Lehm strahlen nach Ansicht der Bewohner eine wohltuende «Energie» aus.

Mehr Kosten, mehr Qualität

Das Bauen mit Vollholz und Lehm hat einen höheren Preis, antwortet Fink auf die Frage, ob das Haus deswegen teurer gekommen ist. «Es ist eine einmalige Sache, ein Mehrwert für das Leben.» Natürlich belassenes Holz ist robust und langlebig. Lehm lässt sich leicht wieder durch neuen ersetzen, ohne dass der alte Lehm teuer entsorgt werden muss, man kann ihn wieder in die Erde mischen.

Der Bauherr schätzte es, dass er selbst beim Bau des Hauses mitarbeiten konnte, sei es beim Fällen der Bäume, dem Spachteln des Lehms oder dem Befestigen der Verzierungen an den Aussenwänden. Nicht zuletzt verbindet das Begleiten des Bauvorhabens sowie die vielen Erfahrungen auf dem Weg zum Wunschhaus die Familie untereinander. Wer ein Haus bauen möchte, soll sich beraten lassen, sich Zeit nehmen und gute Lösungen anschauen, rät er. «Sehen und spüren», fasst es Klaus Fink zusammen. «Und sich Zeit nehmen.»

Finks haben mit Lehm gebaut und leben «wie in einem Kokon»
Kratzer oder Dellen kann man bei Lehmwänden einfach selbst ausbessern.

Genügsames Material

Finks haben mit Lehm gebaut und leben «wie in einem Kokon»
Lehmbau-Fachmann Rolf Schulz aus Heiden.

«Lehm eignet sich als Baumaterial vor allem für Räume, in denen man sich viel aufhält, erklärt Rolf Schulz aus Heiden. Sein Unternehmen hat den Lehmbau ausgeführt. Der Untergrund sollte mineralisch sein. Auch auf Holzplatten ist Lehm möglich, da braucht es entsprechende Vorarbeiten.

Generell sei Lehm «sehr tolerant und genügsam» bei der Verarbeitung. «Man muss aber gut abdecken und die Trennung des Verputzes zu anderen Bauteilen gewährleisten.»

Lehm gibt es in den Farbtönen, wie er in der Natur vorkommt: erdiges Rot, Gelb, Braun, Weiss, Grün, Grau bis Schwarz. Die Tönung ist von Lehmgrube zu Lehmgrube unterschiedlich. Und wie dauerhaft ist eine Lehmwand? «Lehm altert in dem Sinne nicht, er bleibt wie er ist, und zwar optisch wie auch technisch, ausser er wird verschmutzt.»