Inmitten einer Gruppe von typisch dänischen Backsteingebäuden ertönt das Stimmengewirr von 150 Agrarjournalisten aus aller Welt. Biergläser klirren, auf dem Grill brutzeln Rindersteaks und junges Gemüse. Lisbeth Arnbjerg ist überall; füllt die Gläser auf, bringt dem Küchenchef Salat aus ihrem Garten und unterhält sich mit den Gästen, während sie das Buffet herrichtet.

«Ich kann besser zuhören»

«Ich liebe es, Menschen aus aller Welt zusammenzubringen, alles zu tun, damit es ihnen wohl ist», sprudelt es aus ihr heraus. Wohl ist es auch den Journalisten. Die einen bewundern den Blumengarten mit den cremefarbenen Edelrosen und dem tiefblauen Storchenschnabel. Andere sitzen auf dem Steinsofa beim Pavillon. Animiert diskutieren sie mit Lisbeth Arnbjergs Mann Jens Krogh und Sohn Andreas, welche den Journalisten ihren Hof Kroghsminde vorgestellt haben.

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«Ich bin keine Frau grosser Worte», sagt die hochgewachsene Bäuerin und Krankenschwester. «Ich kann besser zuhören, bin am liebsten im Hintergrund.» Das gilt auch auf dem Betrieb. Die Familie hat 165 Milchkühe und betreibt auf 450 Hektaren Acker- und Futterbau. Zum Hof gehörten ferner eine Biogasanlage, ein Windrad und zehn Hektaren. Auf der «Kroghsminde» walten Lisbeth Arnbjergs Mann und Sohn mit drei Angestellten. «Meine Priorität ist, sie bestmöglich zu unterstützen», sagt die 56-Jährige. «Ich bin bei Beratungen und Entscheidungen dabei. Wir fordern einander heraus.»

Das erste Brot war steinhart

«Hast du meinen Küchengarten gesehen?», fragt sie die Schreibende. Dort wachsen Erdbeeren und Randen zusammen, Ringelblumen und Salat. Himbeeren gibts, andere Früchte und Obstbäume. «Vor 30 Jahren hiess es, auf den Teller gehörten 80 Prozent Eiweiss und 20 Prozent Gemüse», erzählt sie. «Heute ist es genau umgekehrt. Alles verändert sich. Es ist eine so spannende Zeit.»

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Lisbeth Arnbjerg und Jens Krogh laden gerne Gruppen auf ihren Hof ein. Die Gäste sollen erleben, dass eine biologisch produzierende, klimaneutrale Farm mit Tieren funktionieren kann. Die Bäuerin plant dann jeweils ein erlesenes Essen, möglichst aus betriebseigenen Produkten. Dazu besuchte sie Kochkurse und lernte das Brotbacken. «Mein erstes Brot vor 35 Jahren war so hart, ich hätte es an die Stallwand werfen können», erzählt sie mit einem Lachen.

«Wir sind grundverschieden»

Das Paar ist seit 35 Jahren verheiratet. «Wir sind grundverschieden, aber wir sind ein gutes Team», stellt Lisbeth Arnbjerg fest. Das liege sicher daran, dass sie die gleichen Werte teilten. Die Liebe zur Landwirtschaft, eine Verantwortung gegenüber den Menschen um sie herum, der Umwelt, der Natur. «Wir erwachen am Morgen und fragen, was wir heute besser machen könnten.» Das muss nicht immer etwas Grossartiges sein. Morgen wird sie den Pullover flicken, den ihr Sohn schon vor drei Monaten brachte, sowie ein neues Rezept für Cassis-Schnaps ausprobieren.

Auf der Kroghsminde wird der Realität ins Auge geschaut, der lokalen und der globalen. «Wir wollen uns den Herausforderungen stellen und realistisch agieren», sagt Lisbeth Arnbjerg. Schon dreimal haben sie einen Klima-Aktionsplan für ihren Betrieb verfasst und umgesetzt. Heute ist der Betrieb praktisch klimaneutral. Ein Ziel, das Dänemark und viele andere Länder auf das Jahr 2050 erreichen wollen.

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Hofübergabe läuft

Der Prozess zur Hofübergabe an die achte Generation läuft. Bereits ist der 27-jährige Andreas Besitzer der halben Kroghsminde. «Es ist ein Privileg, den Hof an die nächste Generation übergeben zu dürfen», sagt Lisbeth Arnbjerg. Der Betrieb, auf dem sie aufgewachsen ist, verkauften ihre Eltern mangels Nachfolger. Ihr ist bewusst, eine junge Frau auf den Hof zu bringen ist anders, als wenn man in der Stadt lebt. «Ein Haus kann man wieder verkaufen. Ein Generationenhof wiegt viel schwerer», gibt sie zu bedenken. «Für uns Eltern beginnt mit der Übergabe ein neues Kapitel. Wir müssen uns neu definieren.»

Familie, Beruf, Kreativität

Die Mutter von vier erwachsenen Kindern arbeitet 25 Stunden pro Woche in einem Ärztezentrum als Krankenschwester. Ihre Arbeit beflügelt sie. Menschen zu einem besseren Wohlbefinden zu verhelfen, ist für sie ein grosses Geschenk. Daneben arbeitet sie in einem Hospiz. In ihrer Freizeit findet man sie in der Freiwilligenarbeit. Im Dorf sitzt sie in einer Kommission, welche für Sozialbenachteiligte sorgt. «Meine erste Priorität ist die Familie, die zweite mein Beruf», erklärt Lisbeth Arnbjerg. «Und die dritte sind zwanzig andere Sachen!» Zum Beispiel das Fotografieren: das Leben auf schöne und doch realistische Art zu dokumentieren.

Auf die Frage «Wie machen Sie das alles?» antwortet sie: «Ich glaube, ich bin einfach so. Es macht mich einfach glücklich, andere glücklich zu machen.»