Abo Haushalt «Viele Lebensmittel kann man länger essen, als man denkt» Montag, 16. Juni 2025 Die Schweiz ist leider Europameisterin in der Lebensmittelverschwendung: 2,8 Millionen Tonnen Lebensmittel landen jedes Jahr im Abfall statt auf dem Teller. Pro Kopf macht das satte 330 Kilogramm. «Feiertage sind prädestiniert für Food Waste», sagt Julia Nikschick von «Too Good To Go». Die dänische Firma setzt sich in 21 Ländern gegen Lebensmittelverschwendung ein. Too Good To Go bietet eine Online-Plattform, auf welcher Produzenten – Restaurants, Supermärkte, Direktvermarkter – ihre überschüssigen Lebensmittel anbieten können. Nutzer(innen) können diese unkompliziert über die App reservieren und zu einem verminderten Preis abholen.

Oft wird zu viel eingekauft

An Festtagen kommen viele Menschen zusammen. «Vielen Gastgebern graut es davor, zu wenig Essen zu Hause zu haben», sagt Julia Nikschick. Also würden sie lieber zu viel als zu wenig kaufen. Vor Ostern sind aber gerade Eier Mangelware, landen diese nach dem Fest im Abfall, ist das doppelt schade. Too Good To Go hat einige Tipps, wie nach dem «Eier-Tütsche» und Osterhasen naschen, kein Food Waste anfällt. 

Richtig gelagert sind Eier sechs Wochen haltbar

Harte Eier sind weit weniger lang haltbar als frische. Frische Eier sind durch eine natürliche Schicht geschützt, die 21 Tage lang hält. In dieser Zeit können sie bei Raumtemperatur gelagert werden. Danach sollten sie in den Kühlschrank – aber nicht in die Eierablage der Kühlschranktüre, weil dort die Temperatur schwankt. Zudem sollte man Eier immer mit der spitzen Seite nach unten lagern, so bleibt die Luftkammer oben. So sind sie sechs bis acht Wochen haltbar.

Wasser zerstört die Schutzschicht, deshalb müssen gekochte Eier innerhalb von fünf Tagen gegessen werden.

Schwimmt das Ei an der Oberfläche, landet es im Abfall

Ob ein Ei noch gut ist, sagt der Eiertest. Dazu das Ei in ein Glas kaltes Wasser geben. Liegt es flach am Boden, ist es auf jeden Fall noch geniessbar. Steht es senkrecht im Glas, muss es schnell gegessen werden. Schwimmt es gar an die Oberfläche, landet es wohl oder übel im Abfall.

Schokolade wird nicht schlecht

Abo Nichts wird weggeworfen: Was nach der Verteilung der Lebensmittel übrig bleibt, verarbeitet Yvette Kohler zu haltbaren Produkten. Food Waste Lebensmittel retten, Bedürftige stärken: Einblick in die Arbeit der Schweizer Tafel und Heilsarmee Dienstag, 10. Juni 2025 Wer an Ostern noch Schoggi-Hasen aus dem letzten Jahr hat, muss sich um diese keine Sorgen machen. In der Schweiz werden an Ostern 20 Millionen Schokoladenhasen produziert und Schoggi-Liebhaber(innen) können diese weit über das Mindesthaltbarkeitsdatum hinaus geniessen.

Wie lange Schokolade haltbar ist, ist von der Lagerung und den Zutaten abhängig: Je höher der Kakaoanteil ist, desto länger schmeckt sie gut. Dunkle Schokolade ist mit 24 Monaten Mindesthaltbarkeit absoluter Spitzenreiter. Gefüllte Schoggieili sind aber weniger lang haltbar. Deshalb die wissenschaftlich fundierte Empfehlung: gleich verzehren. Gehackt schmecken sie aber auch im Kuchen lecker. 

Kühl, dunkel und trocken mag es die Schokolade

Wer Schokolade richtig lagert, macht sie länger haltbar. Schokolade mag es dunkel, trocken und mit gleichbleibender Temperatur – am liebsten zwischen 12 und 16 Grad Celsius.

Manchmal überzieht ein feiner weisser Film die Schokolade – dabei handelt es sich um Zucker- oder Fettreif. Schokolade schimmelt praktisch nicht und wird nicht schlecht, verliert aber mit der Zeit ihren Geschmack.

[IMG 2]

Geschmolzene Schokolade geht immer

Lebensmittelretterinnen können Schokolade immer einschmelzen, auch wenn sie schon einen weissen Film hat. Sie können die geschmolzene Schoggi als unkompliziertes Schoggifondue, Mousse oder zum Backen verwenden.

Box: 17 Millionen Päckli gerettet

2018 retteten Herr und Frau Schweizer die ersten Päckli von Too Good To Go. «17 Millionen Päckli haben Schweizerinnen und Schweizer seither gerettet», erzählt Julia Nikschick. Too Good To Go ist eigentlich ein digitaler Marktplatz: Sie bieten die Schnittstelle zwischen Anbietern, die übrig gebliebene Lebensmittel vor dem Abfall bewahren möchten, und Konsumentinnen und Konsumenten, die diese Lebensmittel retten möchten. In den Päckli angeboten werden Speisen, Getränke oder Rohprodukte, die sich ihrem Mindesthaltbarkeitsdatum nähern oder im Tagesgeschäft liegen geblieben sind.

Was ins Päckli kommt, bestimmen die Produzenten selbst. «Ein Überraschungspäckli sollte aber ungefähr ein Kilogramm Lebensmittel beinhalten», erklärt Nikschick. Der Wert der Lebensmittel ist mindestens doppelt so hoch wie der Preis. Anbieter können danach selbst festlegen, wann die Nutzerinnen und Nutzer das Päckli abholen können. Viele Bäckereien oder Supermärkte schalten kurz vor Ladenschluss ein kurzes Zeitfenster frei.

Too Good To Go wickelt den Zahlungsverkehr ab. Die Firma verdient an jedem abgeholten und bezahlten Päckli. Wie viel, sei unterschiedlich, sagt Nikschick. «Lebensmittel haben immer einen Wert. Bieten Produzenten ihre übrigen Lebensmittel reduziert an, landen sie nicht im Abfall, schonen die Umwelt und generieren trotzdem Umsatz. Das ist eine Win-Win-Situation», sagt Nikschick.