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«Die Kinder wachsen einem ans Herz», sagt Tagesmutter Edith Suter

Bäuerin Edith Suter betreut als Tagesmutter Kinder auf dem Hof der Familie in Densbüren AG. Dieses Angebot ist gefragt, trotz Mittagstisch im Dorf.

«An die zwanzig», schätzt Edith Suter die Anzahl ihrer Kinder in den vergangenen zehn Jahren. Drei sind eigene, alle anderen gibt sie spätestens am Abend wieder ab: Sie arbeitet als Tagesmutter zu Hause auf dem Bauernhof ihrer Familie in Densbüren. Dieser liegt abseits vom Dorf, umgeben von Blumenwiesen, blühenden Bäumen und einem Bächlein. In dieser Heidiland-Idylle spazieren tatsächlich zwei Zwergziegen namens Schwänli und Bärli über die Strasse vor dem Hof. Drei Gänse ergänzen die natürliche Verkehrsberuhigung, Hofhündin Akela meldet bellend den Besuch und Katze Juna schnurrt dem Gast um die Beine.

«Die Kinder wachsen einem ans Herz», sagt Tagesmutter Edith Suter
Gänse und andere Kleintiere geniessen viel Freiheit auf dem Hof.

Eine Back-Challenge gemacht

Dass sich Kinder hier wohlfühlen, erstaunt nicht. Obwohl die Benutzung von elektronischen Geräten für die Tageskinder limitiert ist. Das erzählt Edith Suter bei einem Kaffee am Küchentisch. Sie schneidet einen Zitronenkuchen an und informiert: «Den haben die Tageskinder gebacken. Wir haben eine Back-Challenge gemacht, mit zwei Teams.»

Edith Suter hat Floristin gelernt und ist diplomierte Bäuerin, am LZ Liebegg hat sie das Seminar zur Betreuung von Kindern und Jugendlichen in landwirtschaftlichen Familien absolviert. Trotz Mittagstisch im Dorf ist ihr Angebot gefragt; der Bauernhof steht bei Kindern und Eltern hoch im Kurs. Unter der Woche kommen zwei bis acht Mädchen und Jungs zum Mittagessen, einige bleiben danach für einige Stunden oder kehren nach der Schule am Nachmittag nochmals zurück.

«Die Kinder wachsen einem ans Herz», sagt Tagesmutter Edith Suter
Viel Ruhe und Natur gibt es rund um den Hof von Familie Suter.

Die Regeln sind klar

Am Anfang zeigt Edith Suter den jungen Gästen jeweils, welche Räume im Haus ihnen zur Verfügung stehen und welche Türen geschlossen bleiben, dasselbe draussen auf dem Hof: Maschinen sind tabu, in den Stall mit den 16 Angus-Mutterkühen geht es nur in Begleitung von Erwachsenen. Ansonsten haben die Kinder viel Freiraum in der Natur und Kleintiere zum Beobachten und Streicheln. «Gehege ausmisten gehört dazu», ergänzt Edith Suter. «Ich sehe mich nicht als Freizeitanimatorin für die Kinder. Aber sie können gerne mitmachen bei mir im Haushalt, im Garten und auf dem Hof.» Das Erledigen der Schulaufgaben kontrolliert sie, wenn es mit den Eltern so abgemacht ist.

Sie habe eine Gabe im Umgang mit Kindern, sagte einmal der Vater eines Tageskindes zu ihr, ein Pädagoge. Die gelassene und motivierende Art der Bäuerin tut Kindern und Eltern gut. Edith Suter freut sich, wenn ein anfangs verschlossenes Kind aufblüht. Als Tagesmutter begleitet sie manche Kinder vom Kindergarten bis zur Oberstufe. «Sie wachsen einem ans Herz», sagt sie.

Edith Suter ist Mitglied im Verein «Die Tagesfamilie». Dieser erledigt den Hauptteil der Administration, sie notiert lediglich die Betreuungsstunden und Mahlzeiten pro Kind mit einem elektronischen Erfassungstool. Die Entschädigung ist nicht riesig, bei mehreren Kindern gleichzeitig komme aber ein ansprechender Lohn zusammen, erklärt sie.

«Die Kinder wachsen einem ans Herz», sagt Tagesmutter Edith Suter
Die diplomierte Bäuerin Edith Suter, hier mit Hofhündin Akela, liebt ihre Arbeit als Tagesmutter.

Die älteste Tochter von Edith und Matthias Suter, die 22-jährige Sarah, ist Studentin und wohnt auswärts. Sohn Simon, 14-jährig, wird in zwei Jahren die Bezirksschule beenden und möchte danach Landwirt lernen, der 20-jährige Jonas steht kurz vor der Abschlussprüfung als Schreiner. Der erste Sohn Cyrill kam mit einem schweren Herzfehler auf die Welt und starb, als er ein halbes Jahr alt war. Das erlebt zu haben, relativiere viele kleinere Alltagssorgen, sagt die Bäuerin nachdenklich.

Kreislauf des Lebens kennenlernen

Während Edith Suter älter wird, bleiben die Tageskinder immer in derselben Altersspanne. Wird das nicht anstrengend? «Das ist gut so», findet die 51-jährige Bäuerin: «So bekomme ich mit, was aktuell ist, und bleibe selber jünger im Kopf.» In einer Mietwohnung in der Stadt zu leben, könnte sie sich nicht vorstellen, den Bauernhof sieht sie als wunderbares Umfeld zum Aufwachsen: «Hier lernen die Kinder die Kreisläufe des Lebens von Grund auf kennen.»

Der kommende Sonntag wird bei Suters eher zum Männertag als zum Muttertag: Es ist Schwinget im Zurzibiet, die beiden Söhne stehen als Wettkämpfer im Einsatz und der Ehemann als Kampfrichter. Edith Suter nimmt es für einmal gemütlich als Zuschauerin.

Tagesfamilien sind gesucht

«Es braucht generell eine kinderfreundliche Umgebung und genug Platz für die Kinder zum Spielen, Schlafen und Essen», nennt Sarah Wildi, Geschäftsführerin des Vereins «Die Tagesfamilie», als Voraussetzung für Betreuungspersonen. Dazu Verständnis, herzlicher Umgang und Freude an Kindern, ebenso Freundlichkeit und Bereitschaft für eine gute Zusammenarbeit mit den Eltern und dem Verein. Der Verein macht das Inkasso Der Verein Tagesfamilie ist im Kanton Aargau aktiv, neue Tagesfamilien sind willkommen. Der Verein erledigt die vertraglichen Regelungen zwischen Eltern und Tagesfamilien, Inkasso und Lohnzahlungen sowie Versicherungen. Die Tagesfamilie muss Deutsch sprechen, weitere Voraussetzungen sind der Nothelferkurs, ein Grundkurs und jährlich sechs Stunden Weiterbildung. Diese wird vom Verein organisiert und bezahlt, ebenso die Fahrspesen. Lohn und Zuschläge Die Entschädigung für die Tagesfamilie beträgt Fr. 7.– pro Stunde für Kinder ab 19 Monaten und Fr. 8.50 für jüngere Kinder. Dazu kommen Pauschalen für Mahlzeiten und Zuschläge am Sonntag und für Kinder mit erhöhtem Betreuungsbedarf. Für Eltern ist der Tarif höher, damit Administration und Versicherungen abgegolten werden können. Viele Wohngemeinden subventionieren aber das Angebot. In anderen Kantonen gibt es ähnliche Organisationen, Auskunft gibt der Dachverband Kibesuisse (https://www.kibesuisse.ch/) oder die Wohngemeinde.