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Christine Ferrari fand mit dem Anbau von Safran in Marokko zum Glück

Christine Ferrari gab ihren Job in Basel auf und wanderte nach Marokko aus. Dort baut sie erfolgreich Safran an.

Wenn Christine Ferrari am Morgen auf ihrer Terrasse frühstückt, duftet es nach Jasmin und Rosen. Sie hört Vögel zwitschern und geniesst den Blick über grüne Felder auf die schneebedeckten Gipfel des Atlasgebirges. Oft zupft sie sich zum Zmorge Feigen direkt vom Baum, dazu eine Papaya. «Es ist fast schon unwirklich schön hier», sagt sie leise.

Christine Ferraris Paradies liegt in Marokko, 30 Kilometer vor den Toren von Marrakesch. Hier hat sich die gelernte Hotelkauffrau aus Basel ein 2,5 Hektaren grosses Grundstück gepachtet. Drauf baut sie Safran an, aber auch Kräuter wie Rosmarin, Thymian, Salbei und Zitronengras. Dazu kommen tropische Früchte und jede Menge Rosen. «Es ist ein richtiger Garten Eden», sagt sie lachend.

Weg vom Stressjob

Ihr Weg ins Paradies war aber ein Weg mit Umwegen. 2006 kommt sie zum ersten Mal nach Marokko. Damals lag eine steile Karriere hinter ihr. Sie arbeitete in Basel als Führungskraft in einer Behörde. Ein Stressjob, der sie immer mehr belastete. Sie fühlte sich müde, ausgelaugt, sehnte sich nach einer Auszeit mit Ruhe, ohne Internet und Handy.

In einer Zeitschrift las sie von einer Wüstentour und buchte spontan eine Reise in den Süden Marokkos. Allein mit zwei Berbern und drei Kamelen ging sie auf Tour. Was sie in der Woche erlebte, veränderte ihr Leben. «Die Stille und Weite der Wüste haben meine Seele berührt. Ich fuhr nach Hause und war ein anderer Mensch», erinnert sie sich.

Die Hektik in Basel war ihr plötzlich fremd, sie wollte ein anderes Leben. Ihre Idee: in Marokko ein kleines Grundstück mit Gästehaus kaufen. 2008 düste sie mit ihrem Auto in den Süden Marokkos, auf dem Konto die Ersparnisse ihres Arbeitslebens. Damit war sie ein gefundenes Fressen für Betrüger.

Safranernte: Die Safranfäden werden aus den Blüten gezupft. Das kleine Unternehmen bietet Arbeitsplätze für Frauen aus der Umgebung.
Safranernte: Die Safranfäden werden aus den Blüten gezupft. Das kleine Unternehmen bietet Arbeitsplätze für Frauen aus der Umgebung.

Fast alles weg

Sie kaufte und bezahlte auf Rat eines marokkanischen Bekannten ein völlig wertloses Grundstück und verliert fast ihr gesamtes Vermögen. Ein Jahr lang kämpfte sie vergebens um Gerechtigkeit. 2010 musste sie sich eingestehen, dass all ihre Pläne wie Seifenblasen zerplatzt waren.

Sie stand vor der Entscheidung, ihren Traum aufzugeben und in die Schweiz zurückzukehren oder ganz von vorn zu beginnen. «Ich fühlte mich wohl in Marokko, wusste aber nicht, wovon ich hier dauerhaft leben sollte. Ich war richtig verzweifelt.»

In dieser Krise nahm sie sich ein kleines Zimmer in der Altstadt von Marrakesch und versuchte, einen klaren Gedanken zu fassen. Monatelang liess sie sich einfach nur treiben, lernte Arabisch, beobachtete viel, versuchte, das orientalische Leben zu verstehen.

Neuer Versuch

Als sie 2012 vor den Toren der Stadt ein brachliegendes Grundstück pachten kann, krempelte Christine beherzt die Ärmel hoch. Sie zog in das kleine, gerade mal 50 Quadratmeter grosse Lehmhaus, bewirtschaftete mit Hilfe einiger Berber aus den nahegelegenen Dörfern das fruchtbare Gelände und begann, Biosafran anzubauen.

Christine Ferrari fand mit dem Anbau von Safran in Marokko zum Glück
Buchtipp: Christine Ferrari – Die Gewürzapotheke

Was sie an Safran erntete, verkaufte sie nach und nach in ganz Europa. Ihre neue Existenz und ihr Gelände wurde immer grüner und blühender. «Da kam mir die Idee, meinen exotischen Garten für Touristen zu öffnen.»

Paradies mit Besuchszeiten

Mittlerweile kommen täglich Touristen aus den nahegelegenen Hotels, um durch das «Paradis du Safran» zu spazieren, einen frischen Pfefferminztee oder ein Essen zu geniessen. «Sie fragen nicht mehr, warum ich hier lebe. Sie erleben, dass ich hier glücklich bin und das Gefühl teilen möchte.» Selbst die Coronazeit hat ihr Unternehmen einigermassen überstanden. «Ich konnte das Team weiter beschäftigen, doch es war eine bittere Zeit.»

In die Schweiz kommt sie immer noch einmal im Jahr. «Aber eher geschäftlich, für den Safranverkauf.» Daneben gönnt sie sich eine Schifffahrt, einen Ausflug in die Berge oder geniesst einen Kultur-Event.

Hat sie konkrete Pläne für die Zukunft? «Das Team und ich tüfteln an neuen Naturprodukten wie Tee- oder Gewürzmischungen und Kosmetik», sagt Christine Ferrari. Zudem plant sie ein orientalisches Kochbuch mit Glücks-Rezepten.

Weitere Informationen:

Das Safranparadies: www.paradis-du-safran.com Safran-Verkauf: www.safranprofi.ch

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