Warum setzt sich Ihre Vereinigung für die ausserfamiliäre Hofübergabe ein?

Bettina Erne: Für uns ist extrem wichtig, dass es eine grosse Vielfalt bei den Betrieben gibt, das ist auch eine grosse Qualität der Schweizer Landwirtschaft. Deshalb möchten wir möglichst viele Betriebe erhalten und das «Lebenswerk weitergeben», wie eines der Stichworte bei unserer Anlaufstelle lautet. Vielfalt bedeutet auch Stabilität und diese trägt entscheidend zur Sicherung der Schweizer Ernährung bei.

Welches sind die grössten Hindernisse bei dieser Form der Betriebsweitergabe?

Zum einen ist es klar eine sehr emotionale Frage für die Hof-abgebenden. Die Landwirtschaft nimmt das ganze Leben ein, man arbeitet und wohnt am gleichen Ort, deshalb braucht es viel Willenskraft, dieses Leben zu ändern und neu zu gestalten. Bei den Hofsuchenden ist es vor allem eine finanzielle Hürde. Wir haben bei der Anlaufstelle oft Leute, die wenig Ahnung haben, was so ein Betrieb kosten oder wie man das finanzieren könnte, deshalb bieten wir Kurse an zur Finanzierung eines Hofkaufs. Leider werden ausserfamiliäre Hofübergaben politisch erst wenig unterstützt. Da arbeiten wir auch dran.

Welche Art von Unterstützung wünschen Sie sich von Seiten der öffentlichen Hand?

Zum Beispiel Erweiterung der Starthilfe von maximal 35 auf 40 Jahre. Oder Unterstützung der Käufe. Beides ist in gewissen Kantonen schon realisiert, in anderen noch nicht. Auch die Hofabgebenden müsste man besser unterstützen. Oft ist es attraktiver, Einzelparzellen zu verpachten, als den ganzen Betrieb. Offen ist auch die Frage, ob ein Verkauf unter dem Verkehrswert später durch Kürzung der Ergänzungsleistungen teilweise bestraft wird.

Wie steht es mit Angebot und Nachfrage?

Es gibt klar mehr Suchende als Abgeber. Das Verhältnis ist etwa sechs zu eins; die meisten Interessenten suchen über mehrere Jahre. Das muss man aber etwas differenzieren. So gibt es etwa im Tessin mehr Höfe als Suchende. Auch für spezialisierte Betriebe ist das Finden von Nachfolgern schwieriger, seien es Schweinemast- oder Gemüsebetriebe. Die meisten suchen klassische, mittlere Betriebe mit Wiederkäuern und Möglichkeit für Direktvermarktung. 

Weitere Informationen: www.hofübergabe.ch