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Anpacken haben die Regierungsrätinnen Laura und Valérie Dittli auf dem Bauernhof gelernt

Die beiden Regierungsrätinnen können Traktor fahren und kennen die Misere mit der Kirschessigfliege aus erster Hand. Auf einem Landwirtschaftsbetrieb aufzuwachsen, hat die Schwestern Laura und Valérie Dittli geprägt.

Die Aussicht vom Büro im dritten Stock an der Zuger Bahnhofstrasse geht auf den See. Laura Dittli schaut aber nicht aus dem Fenster, sondern auf den Computerbildschirm. Sie hat den Tag mit einer Sitzung um sieben Uhr gestartet, gefolgt von mehreren Stunden Aktenstudium, dann ein Mediengespräch. Über Mittag ein Wirtschaftsanlass mit Stehlunch, später weitere Verwaltungsarbeit. So oder ähnlich geht das jeden Tag, auch am Wochenende stehen Aktenstudium und der Besuch von Anlässen auf dem Programm.

Viel Arbeit macht Spass

Dieses Pensum würde andere Leute in Schweiss treiben, aber die 32-jährige Laura Dittli findet: «Es macht Spass.» Seit Anfang Jahr leitet die Mitte-Politikerin das Zuger Sicherheitsdepartement. «Ich bin am richtigen Ort.»

Nicht weit davon entfernt ist ein ganz anderer Ort: der elterliche Landwirtschaftsbetrieb in Oberägeri, wo Dittli aufgewachsen ist. Die 20 Hektaren werden biologisch bewirtschaftet, Haupterwerbszweig ist Milchwirtschaft.

Anpacken haben die Regierungsrätinnen Laura und Valérie Dittli auf dem Bauernhof gelernt
Laura und Valérie Dittli auf dem elterlichen Betrieb in Oberägeri im Kanton Zug.

Darum kann die Frau Regierungsrätin Traktor fahren und kennt die Misere mit der Kirschessigfliege aus erster Hand. Melken mag sie weniger, «Tiere waren nicht so mein Ding», erinnert sie sich an ihre Jugendzeit. Sie und ihre Geschwister halfen mit, hatten Platz und Freiheit. «Selbstständig zu arbeiten und anzupacken lernt man auf dem Bauernhof», findet Laura Dittli. Sie schreibt es auch ihrer Herkunft zu, dass sie eine Macherin ist: «Man könnte immer nochmals über die Bücher gehen, aber irgendwann muss man mit der Arbeit anfangen.»

Mit 22 Jahren im Kantonsrat

Laura Dittli politisierte schon früh und wurde mit 22 Jahren in den Zuger Kantonsrat gewählt. «In der Politik lässt sich vieles nicht planen. Manchmal geht ein Fenster auf und dann packt man die Chance», sagt sie über ihre Wahl in den Regierungsrat. Zuvor war sie in einer Anwaltskanzlei angestellt, jetzt steht sie einer Verwaltung mit rund 600 Mitarbeitenden vor, behandelt Geschäfte von der Revision der Motorfahrzeugsteuer bis zur invasiven Quagga-Muschel. Hat dieser Schritt Mut gebraucht? Laura Dittli ist eine konzentrierte Gesprächspartnerin, jetzt geht ihr Blick kurz in die Ferne. Dann antwortet sie mit einem Lächeln: «Ja, das braucht schon eine Portion Mut. Aber die habe ich.»

Wer über Laura Dittli spricht, spricht auch über ihre Schwester Valérie, die Regierungsrätin im Kanton Waadt ist (s. Kasten). Es fehle die Zeit für regen Kontakt, sagt Laura Dittli. Zudem hätten sie beide unterschiedliche Themenfelder, «verschiedene Kantone und Departemente», aber über die Optimierung von internen Abläufen beispielsweise hätten sie sich auch schon ausgetauscht. «Als Politikerin brauchst du eine gewisse Distanz und eine dicke Haut», kommentiert Laura Dittli die aktuelle Situation ihrer Schwester. Mit Kritik müsse auch sie selber rechnen, wie jeder Politiker und jede Politikerin. Das mache ihr keine Angst, sagt sie und schwenkt über zum tollen Team, das sie bei ihrer Arbeit unterstütze.

«Mit den Händen arbeiten macht den Kopf frei»

Valérie Dittli, Schwester von Laura Dittli und Leiterin des Waadtländer Finanz- und Landwirtschaftsdepartments, musste in den vergangenen Wochen viel Kritik einstecken. Das Staatspersonal streikt für mehr Lohn und die Waadtländer grollen, weil Dittli trotz Westschweizer Wohnort die Steuern jahrelang in ihrem Herkunftskanton Zug bezahlt hatte, wogegen mittlerweile ein entlastendes Rechtsgutachten vorliegt. Auch die BauernZeitung will Auskunft. Aber nicht zum Tagesgeschehen, sondern darüber, was das Aufwachsen auf einem Bauernbetrieb der Politikerin fürs Leben gebracht hat. «Wir Geschwister haben früh gelernt, Verantwortung zu übernehmen – genau darum geht es auch in der Politik», antwortet Valérie Dittli am Telefon. Für ihr Jurastudium war sie vor neun Jahren in die Westschweiz gezogen. Dort stieg sie für «Die Mitte» in die Politik ein und holte im April 2022 überraschend einen Sitz im Regierungsrat. Themen wie der Milchpreis hätten ihr Interesse an Politik geweckt, sagt Valérie Dittli und ihr Tonfall wird emotional: «Der Milchpreis heute ist einfach lächerlich. Das kann doch nicht sein, wenn man weiss, wie viel Arbeit dahintersteckt.» [IMG 3 ] Im beruflich intensiven vergangenen Jahr konnte Valérie Dittli zu Hause nur einmal beim Heuen helfen. Schade, findet sie: «Denn solche Arbeiten machen den Kopf frei. Ich bewege mich und arbeite mit den Händen, dann läuft es auch im Kopf.» Die Juristin ist eine Leserin der BauernZeitung: «Die gehört zu meinen Lieblingszeitungen. Da bekomme ich in kurzer Zeit viele Informationen.»

Auch schon in der Gärtnerei gejobbt

Beide Schwestern sind Juristinnen, der Bruder studiert an der ETH Lebensmittelwissenschaften. Hätten sich die Eltern nicht eine Landwirtin oder einen Landwirt gewünscht? «Ihnen war es wichtig, dass wir eine Ausbildung machen, die uns Freude bereitet. Sie haben uns bei allem immer unterstützt», erklärt Laura Dittli. Sie arbeitete während der Ausbildung an der Migros-Kasse und nach der Anwaltsprüfung einige Monate in einer Gärtnerei. Dazu kam sie in ihrer gewohnt geradlinigen Art: «Da war eine Saisonstelle ausgeschrieben und ich habe mich beworben.» Ein eigener Blumenladen sei nämlich ein Traum von ihr. Sie bekam den Job und machte sich schleunigst schlau in Pflanzenkunde. Denn Mut allein reiche nicht, «vieles ist eine Frage des Fleisses».

Der Harmonie-Musik ist sie treu

Für Laura Dittli hat sich in diesem Jahr vieles geändert, etwas ist geblieben: Schon als Teenager spielte sie Klarinette in der Harmonie-Musik Oberägeri und das tut sie heute noch als Regierungsrätin. «Es ist manchmal schwierig zu organisieren, aber 60 bis 70 Prozent Anwesenheit bei den Proben schaffe ich.»

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