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«Als ich zum ersten Mal hier oben stand, ging mir das Herz auf»

Manuela Langenberger gab ihren Job als Kleinkindererzieherin auf und arbeitet heute auf einem Hof. Dort ist sie auch die Hüterin der Waldkapelle, deren Altar sie jeweils liebevoll schmückt.

Durch den «Zauberwald» – so nennt Kapellenwächterin Manuela Langenberger das kleine Wäldchen vor dem Kirchlein – führt ein schmaler Fussweg zu einem unscheinbaren Holzschopf, der vorne offen ist. Wer auf den Bänken in der Kapelle sitzt, sieht direkt in den Wald, auf die Wiese dahinter und in den Himmel.

Die kleine Holzkapelle zwischen Zeihen und Herznach im Kanton Aargau ist ein magischer Ort. «Als ich zum ersten Mal hier oben stand, ging mir das Herz auf und ich wusste: Das ist der richtige Hof und der richtige Ort für uns», sagt Manuela Langenberger, die mehrmals pro Woche nach dem Rechten schaut und den Altar den Jahreszeiten gemäss liebevoll schmückt.

Das Kreuz vor der Kapelle befindet sich im Besitz der Kirchgemeinde, das Gebäude selber gehört zum Bauernhof «Im Eich», auf dem Manuela Langenberger seit sechs Jahren als landwirtschaftliche Angestellte tätig ist.

Traum-Bauernhof gefunden

Manuela Langenberger ist in Überlingen am Bodensee aufgewachsen. Ihre Eltern waren Geschäftsleute, ihre Mutter eine Bauerntochter; Kindheit und Jugend verbrachte sie im Städtchen, ohne wirklichen Bezug zur Landwirtschaft. Sie hat Kleinkindererzieherin gelernt und war lange in Königsfelden bei Windisch tätig. Dort hat sie die Sozialpädagogin Andrea Lütolf kennengelernt. Andrea Lütolf ist mit Albert von Felten, einem gelernten Landwirt, zusammen; die beiden sind Eltern der 13-jährigen Nadine.

«Unser Traum war ein gemeinsamer Bauernhof. Wir haben rund zwei Jahre darüber nachgedacht und nach einem passenden Hof gesucht», sagt Manuela Langenberger. Vor sechs Jahren haben sie das Anwesen «Im Eich» mit 17 Hektaren Land in Zeihen gefunden. Zum Biobetrieb gehören eine Herde Schottischer Hochlandrinder, zehn Pferde – die meisten davon Pensionäre –, Ackerbau mit Emmer und Dinkel sowie diverse Kleinstrukturen wie Weiher, Hecken und Baumkapellen.

«Ich habe das noch keine Sekunde bereut.»

Manuela Langenberger

Mit dem Hof hat Manuela Langenberger, die Jahrgang 1965 hat, ihren Beruf gewechselt. «Ich habe das noch keine Sekunde bereut.» Sie arbeitet zu 100 Prozent als landwirtschaftliche Angestellte, fährt Traktor und kümmert sich um die Rinder und Pferde. Die Tage seien viel länger, als sie es von früher gewohnt sei, aber anders, da auch zwischendurch Pausen möglich seien, wenn mal nicht so viel los ist.

Begegnungen auf dem Hof bereichern

Anfangs habe es Bedenken gegeben, dass es auf dem Hof einsam werden könnte. Diese Befürchtungen waren unnötig. «Wir haben jeden Tag Leute hier. Einerseits die Besitzerinnen und Besitzer der Pferde, andererseits die Kundschaft von der Direktvermarktung. Ich geniesse diese Kontakte sehr», sagt Manuela Langenberger.

Die Arbeit sei körperlich streng, aber nicht strenger als erwartet. «Obwohl ich vorher nie im landwirtschaftlichen Sektor tätig war, habe ich richtig eingeschätzt, was auf uns zukommt. Durch die lange Vorbereitungszeit vor der Hofübernahme waren unsere Erwartungen realistisch.»

«Durch meine Tätigkeit hier bin ich geerdeter. Ich bin mehr mit dem Boden verbunden.»

Manuela Langenberger

Als schwierig hat sie vor allem am Anfang den Abschied von den Rindern empfunden. «Ich habe eine Beziehung zu ihnen, sehe, wie die Tiere in der Herde als Familie zusammenleben. Andererseits leben wir vom Fleischverkauf. Es ist uns sehr wichtig, dass nie ein Tier alleine geht. Sie verlassen den Hof immer zu zweit.»

Neuer Weg mit fünfzig

Manuela Langenberger liebt die Natur und sie sagt, dass sie dank dem Bauernbetrieb gesünder lebt als früher. «Durch meine Tätigkeit hier bin ich geerdeter. Ich bin mehr mit dem Boden verbunden.» Sie habe beim Projekt Bauernhof von Anfang an ein gutes Gefühl gehabt. «Es war alles richtig, was ich vorher gemacht habe, aber ich wusste mit fünfzig instinktiv, dass dies mein neuer Weg ist. Ich bin ihn gegangen und es ging alles relativ reibungslos, was für mich auch ein Zeichen war, dass der Weg so richtig ist.»

Die Arbeit als Kapellenwächterin sei nicht wirklich Arbeit für sie. «Ich mache das sehr gerne und die Zeit hier oben auf dem Hügel ist auch eine Auszeit von der Hofarbeit.» Die Besucherinnen und Besucher sind dankbar. «Ich werde immer wieder reich beschenkt von den Menschen. Ich erhalte viele positive Rückmeldungen und Komplimente.»

Oft ist sie auch einfach so hier oben, zusammen mit Albert von Felten und Andrea Lütolf. «Wir sitzen hier und lassen den Tag Revue passieren.» Das Kreuz stammt aus dem Jahre 1874, die Holzkapelle wurde in den 1930er-Jahren durch Spenden aus der Region erbaut. Sie sei einerseits ein Ort der stillen Einkehr, ein Gedenkort – einige kommen und möchten einfach in Ruhe dort sein –, aber auch ein Begegnungsort. «Wir haben hier schon einige Kontakte geknüpft mit Menschen, die nun zu unserem Bekanntenkreis gehören.»

Viel besuchte Kapelle

Smalltalk gibt es in der Eich­chrüz-Kapelle nicht. «Gespräche gehen immer sehr schnell in die Tiefe und es geht ums Wesentliche», sagt Manuela Langenberger. Ihr persönlich gefällt auch der immer wieder wechselnde Ausblick aus der Kapelle sehr gut. Besucht werde der Ort vor allem von älteren Menschen aus der Umgebung, aber auch von Familien. Wer möchte, darf gerne ein paar Zeilen im Kapellenbuch hinterlassen. «Wir freuen uns immer über die Einträge.» Es vergeht wahrscheinlich selten ein Tag, an dem niemand im Eichchrüz oben ist. «Es brennen fast immer Kerzen.»

Weitere Informationen: www.natura-hof.ch