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Interview: «Man hielt es nicht für nötig, uns anzuhören»

Eine Gruppe von 50 aktiven und ehemaligen Milchproduzten klagt gegen die Genossenschaft Thurgauer Milchproduzenten (TMP). Roland Werner ist das Gesicht der Klägergruppe. Im Interview erklärt er, warum eine einvernehmliche Lösung nicht zu Stande kam.


Publiziert: 16.03.2019 / 07:55

BauernZeitung: Herr Werner, Sie klagen erneut gegen die TMP. Warum?

Roland Werner: Um das richtig zu stellen, ich  klage erstmals gegen die TMP zusammen mit mehr als 50 weiteren Klägern. Nach dem Bundesgerichtsentscheid haben wir eine Weile abgewartet. Aber die TMP hielt es nicht für nötig, auf uns zuzukommen. Also haben wir angeboten, die offenen Fragen zu klären. Daniel Vetterli teilte uns mit, dass es nichts zu besprechen gebe. Diejenigen, welche die aus ihrer Sicht ausstehenden Beiträge nicht bezahlten, wurden aus dem Verband ausgeschlossen.

Eine Anmerkung : Nachdem die TMP vor Bundesgericht unterlegen ist, wurde entschieden, alle Klagen zurückzuziehen. Die Einträge im Betreibungsregister sind aber immer noch nicht gelöscht. Das zeigt einfach, sie haben bis heute den Frust nicht verdaut, dass sie unterlegen sind.

Wie ist das Gespräch mit Daniel Vetterli, das Ende Februar stattgefunden hat, aus Ihrer Sicht verlaufen?

Grundsätzlich war es ein gutes Gespräch, aber ohne Resultat. Daniel Vetterli und ich hatten im November bereits zwei Gespräche unter vier Augen. Schon dort hat er kein Angebot mit Substanz gemacht. Alle Ausgeschlossenen wieder im Verband aufzunehmen, ist kein Angebot. Damit schwächt sich die TMP selber, denn unterdessen sind etwa 20 Prozent der Thurgauer Milchproduzenten nicht mehr Mitglied.

Was hätten Sie verlangt, dass Sie nicht den rechtlichen Weg beschreiten?

Das will ich nicht mehr darlegen und ich will auch keine Zahlen nennen, aber es wäre verhältnismässig wenig gewesen. Und es wäre sicher nicht zu Rückforderungen gekommen. Bei einem Vergleich müssen beide Seiten etwas hergeben. Im Klartext , wir hätten unsere Forderung reduziert, aber sie hätten etwas zahlen müssen.

Was sagen Sie zum Vorwurf, Sie wollen dem Verband möglichst grossen Schaden zufügen?

Das ist überhaupt nicht wahr. Am Anfang der Differenzen hatten wir ja auch Gespräche. Ein Punkt war Lactofama, der Rest war kein Thema für uns. Wir wollten damals, dass Reformen eingeführt werden. Wir hatten uns auch mit dem Vorstand geeinigt, dass es eine paritätisch zusammengesetzte Kommission gibt von sechs Vertretern der oppositionellen Bauern und sechs Verbandsvertretern. Nur war man mit den Personen, die wir vorgeschlagen hatten, nicht einverstanden und ist dann aus der Abmachung ausgestiegen. Offenbar hatte man Angst vor Veränderungen.

Wie interpretieren Sie die Funktion von TMP und SMP?

Beides sind zwei Schlafverbände. Sie vertreten nicht die Interessen der Milchproduzenten, sie machen zu wenig für die Milchproduzenten. Die TMP beschränkt sich auf die Vermögensverwaltung, eine Anlagestrategie, die den Bauern gar nichts nützt. Und die SMP hinkt den neusten Entwicklungen auch immer hinterher. Bei den Nachhaltigkeitsprogrammen haben sie erst reagiert, als die Migros etwas lanciert hatte. Wenn der Zug am Fahren ist, muss man ihm nicht mehr nachrennen.

Die beiden Verbände haben zu wenig für die Milchproduzenten gemacht. Mit der heutigen Agrarpolitik sind die Milchbauern die grössten Verlierer. Es wurde immer mehr abgebaut und gleichzeitig sind die Milchbauern dem internationalen Wettbewerb am stärksten ausgesetzt.

Ist es korrekt, dass Sie von den TMP-Mitgliedern verlangen, dass sie die Lactofama-Beiträge wieder zurück an die TMP überweisen?

Nein, das ist falsch. An der Klägerversammlung wollte jemand wissen, wie viele von jenen, die Lactofama befürworteten und uns als Verräter hingestellt haben, das Geld retour geschickt haben. Vermutlich keiner... Das ist in meinen Augen inkonsequent und zeigt den Charakter dieser Personen. Zuerst schimpfen, aber nachher profitieren. Wobei, es gab ja auch viele, die ruhig waren, die sich weder für noch gegen Lactofama aussprachen. Von jenen, die uns als Revoluzzer bezeichnet hatten, erwarte ich, dass sie das Geld wenigstens an eine wohltätige Stiftung überweisen – das wäre konsequent.

Wie schätzen Sie Ihre Erfolgschancen vor Gericht ein?

Wir sind überzeugt, dass wir recht bekommen. Die Urteile zeigten klar, Entscheide über Beiträge müssen von der Basis abgesegnet werden. Die Versammlung hat diese Beiträge nie beschlossen und somit wurden sie zu Unrecht eingezogen. Wir werfen dem Verband nicht vor, dies bewusst gemacht zu haben. Aber seit dem Lactofama-Urteil wissen wir, dass das unrechtmässig ist, weil der einzelne Bauer nicht Mitglied bei der SMP ist.

Falls Sie recht bekommen, ziehen Sie dann einen Schlussstrich unter die Geschichte?

Ja, ganz klar. Unserer Meinung nach muss man über die Verantwortlichkeit diskutieren. Wenn man so grobe Fehler gemacht hat, muss sich etwas ändern. Daniel Vetterli hat die grosse Chance, dass er unbelastet mit den Klägern hätte reden können, vertan, indem er das Gespräch verweigert hat. An allem anderen trägt er keine Schuld. Ich staune einfach, dass sie 50 Milchbauern einklagten. Jetzt hat der Spiess halt gedreht.

Interview Stefanie Giger

Auch TMP-Präsident Daniel Vetterli hat sich den Fragen der BauernZeitung gestellt. Das Interview lesen Sie hier.

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