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Trockenheit in der Zentralschweiz: Wiesen und Weiden leiden unterschiedlich

In der Innerschweiz hat sich die Situation im Futterbau nach den Regentagen etwas entspannt. Nicht so im nördlichen Luzern und Aargau. Berater geben Tipps, wenn das Futter nicht mehr wächst.

Braune Wiesen und Weiden im Aargau und nördlichen Luzernbiet, dann wieder grüne, saftige Matten in der Innerschweiz und auf den Alpen. Nicht alle Regionen leiden noch unter der Trockenheit.

Im Fricktal sind Wiesen vertrocknet

Bereits Anfang Sommer wurde für das Fricktal in der Meteo-Schweiz-App «grosse Gefahr durch Trockenheit» ausgewiesen. Das bestätigte sich später bei der Futterernte. Bereits beim ersten Schnitt waren der Untergrasanteil und damit die Futtermenge geringer als üblich. Früh gemähte Naturwiesen konnten noch etwas Wachstum verzeichnen, während spät gemähte Ökowiesen aktuell kaum Entwicklungschancen haben – insbesondere bei lückigen Beständen.

Viele Wiesen seien vertrocknet, und auch Kunstwiesen sowie Weiden zeigten ein ähnliches Bild, wird aus dem Fricktal berichtet. Hier fielen in den letzten zwei Wochen lokal lediglich rund zehn Millimeter Regen. Der mittlere und südliche Teil des Aargaus sei deutlich weniger stark betroffen als der nördliche Teil, heisst es beim Bauernverband Aargau.

So sehen im Aargau derzeit viele Wiesen aus. Nur der Klee konnte sich etwas halten.(Bild: Anita Märki)

Naturwiesen haben stark gelitten

Im Luzerner Wiggertal gab es weniger Niederschlag als im Rottal oder im Entlebuch, stellt Hubert Trüssel, Leiter Pflanzenbau bei der Landi Luzern West, fest. Am stärksten seien flachgründige, sonnige Parzellen betroffen. Bei Naturwiesen und Weiden seien die Bestände viel mehr ausgetrocknet als die Kunstwiesen.

Früh gesäter Mais sei dieses Jahr meist im Vorteil, da die Wurzelmasse und Bodendeckung helfe, die Hitze besser zu überstehen. Trüssel erwähnt auch die lokalen Hagelschläge von letzter Woche, so im Gebiet Mauensee/Leidenberg, aber auch Ziswil. «Einigenorts hat der Hagel den Raps gedroschen.» Auch Mais sei teils geschädigt worden, das könne einen Einfluss auf den Erntezeitpunkt haben.

Saftige Wiese im Kanton Schwyz. Dank dem Regen wächst es wieder gut.(Bild: Reto Betschart)

Trockenheitsresistenteres Zwischenfutter

Einige Betriebe hätten nach der Getreideernte gleich Wick-Hafer-Erbsen, Alexandrinerklee-Erbsen- Sandhafer, Moha oder Sudangras angesät. Diese Samen würden unter trockenen Bedingungen gut keimen. Dank des Regens letztes Wochenende seien auch die Ansaaten von ein- und zweijährigen Mischungen ein Thema. Mischungen mit Luzerne seien sehr gefragt. «Allerdings braucht es für einen guten Auflauf von Klee-Gras-Mischungen noch mehr Niederschläge», erklärt Hubert Trüssel weiter. Schwieriger seien Übersaaten in Weiden und Naturwiesen, da sich zum Teil nicht erwünschte Gräser wie das Ausläufer bildende Straussgras oder Hirsen ausbreiten. In diesen Fällen seien Bodenbearbeitung und Nährstoffzufuhr nicht bestandesfördernd.

Einsatz von Pflanzenstärkungsmitteln

In vielen Weiden, Naturwiesen- und Maisparzellen hätten auch Mäuse erhebliche Schäden verursacht. Da sei eine Mischungswahl mit Knaulgras, Wiesenfuchsschwanz, Thimothe und weniger Raygras empfehlenswert. Einige Landwirte hätten gezielt das Raygras absamen lassen, damit sich die Bestände wieder etablieren.

Am besten würden sich Bestände präsentieren, die im Frühjahr schöne Wurzelmasse bilden konnten und gut mit Nährstoffen versorgt sind. Auch würden die Saatmischungen in der Zusammensetzung laufend an solche Gegebenheiten angepasst. «Viele Kulturen wie Mais oder Getreide profitieren auch vom Einsatz von Pflanzenstärkungsmitteln, die gegen Stress helfen», sagt Trüssel.

Weiden haben stark gelitten

Manuel Ulrich, Bereichsleiter Pflanzenbau bei der Landi Sursee, stellt fest, dass die Weiden in der Region Sursee teilweise stark unter der Trockenheit gelitten haben. Einigenorts sei die Weidehaltung eingestellt oder stark eingekürzt worden. Sehr stark betroffen sind die Naturwiesen, vor allem an exponierten Lagen mit wenig tiefgründigem Boden. Da seien Sanierungen sehr aufwendig und schwierig, aber wohl unumgänglich. Kunstwiesen hätten je nach Mischungswahl unterschiedlich gelitten. Teilweise sei es erstaunlich, was gleichwohl noch wuchs, je nach Standort, moosigen oder tiefgründigen Böden, trockenheitsverträglichen Mischungen, Schnittzeitpunkt und Schnitthöhe.

Allgemein müsse aber in der Region je nach Standort mit einem Verlust von sicher einem Schnitt gerechnet werden, sagt Ulrich. Im Surental fielen beispielsweise seit Anfang Jahr laut Aussagen eines Landwirts keine 300 mm Regen.

Spät gesäter Mais im Fricktal hat dieses Jahr keine Chance.(Bild: Anita Märki)

Es wird kein gutes Maisjahr

Bei Mais gebe es grosse Unterschiede bei den Beständen, im Vorteil sei früh gesäter Mais mit frühem Reihenschluss. Es sei aber nicht mit einer durchschnittlichen Ernte zu rechnen. Mais habe wegen zu wenig Wasser die gewohnte Grösse und Masse nicht erreicht bis zum Stossen der Fahne. Genau in der entscheidenden Phase von der Blüte bis zur Kornfüllung habe der Regen für eine schöne Kolbenbildung gefehlt, erklärt Manuel Ulrich.

Mehr Klee in die Wiesen

Nach der diesjährigen frühen Getreideernte sei die Nachfrage nach rasch wachsenden Zwischenfutter mit weniger Wasserbedarf sehr hoch gewesen, erklärt der Fachmann weiter. So wurde viel mehr Wick-Hafer-Erbsen-Gemenge gesät als sonst. Sehr gefragt wie noch nie seien auch Futterhirsen und Sudangras gewesen, viele Landwirte hätten sich an diese neuen Zwischenfutter herangewagt.

Grundsätzlich rät Manuel Ulrich, Gründüngungen und Zwischenfutter (nicht 300er bis 400er Mischungen) unmittelbar nach der Ernte zu säen, auch in Direktsaat, wo möglich. Die Böden dürfe man ja nicht austrocknen lassen, sondern die seien sofort wieder zu begrünen. 

Geduld brauche es mit den länger andauernden Mischungen, diese gelängen von Juni bis Mitte August oft nicht gut. Und er rät, beim Zwischenfutter nicht nur auf Raygräser zu setzen. Sofern möglich, sollten mehr Mattenklee- und Luzerne-Mischungen gesät werden, die hätten sich bei Trockenheit bewährt. «Mattenklee passt besser in unsere Region als Luzerne», rät Ulrich.

Lückige Wiesen vermeiden

Dominik Amrein vom BBZN Hohenrain bestätigt, dass vielerorts Naturwiesen und Weiden mehr unter der Trockenheit gelitten haben als Kunstwiesen. Er stellt aber fest, dass Weiden mit guter Bodenbedeckung viel robuster sind als solche mit Lücken. «Gut geführte Weiden leiden weniger.»  Vorsicht sei bei der Bodenbearbeitung auf den abgeernteten Getreidefeldern geboten, flache Bearbeitung oder Zuwarten mit der Saat von Zwischenfutter seien empfehlenswert. Die Situation müsse allerdings sehr betriebsindividuell betrachtet werden.

Auf den Innerschweizer Alpen wachsen die Weiden dank des Regens wieder gut nach.(Bild: Reto Betschart)

Reger Handel mit Schlachtvieh

Die regionalen Unterschiede betreffend Trockenheit zeigen sich nicht nur auf den Wiesen und Weiden, sondern auch im Nutz- und Schlachtviehhandel. «Sowohl die Tierauffuhrzahlen als auch die Überbietungen lagen beim letzten Schlachtviehmarkt vom 6. Juli im Rahmen der Vorwochen», erklärt Felicia Schuler von der Schwyzer Viehvermarktungs AG. 117 Tiere seien aufgeführt worden, die Kühe seien um rund 60 Rappen überboten worden.

Auffuhren im Normalbereich

Für den kommenden Schlachtviehmarkt vom 27. Juli seien 130 Tiere angemeldet worden. Da seit dem letzten Markt drei Wochen vergangen seien, würden diese Tierzahlen im Normalbereich liegen. Allerdings sei es schwierig abzuschätzen, wie sich die Tierauffuhr in den kommenden Wochen entwickeln werde. Die Niederschläge der vergangenen Tage im Voralpengebiet haben das Wachstum des Grases wieder angeregt. Entsprechend blicken die Tierhalter in diesen Gebieten wieder positiver auf die kommenden Wochen.

Im Mittelland fehlt viel Futter

Von einer ganz anderen Situation spricht Karl Fallegger, Betriebsleiter am Standort Gunzwil der Vianco. «Vor allem letzte Woche war beim Metzgvieh die grosse Trockenheit im Mittelland und damit das fehlende Futter stark zu spüren, die Tieranmeldungen stiegen bedeutend an», betont Fallegger. Die Vianco-Nutzviehauktion von letzter Woche in Brunegg, wo 100 Stück Milchvieh angeboten wurden, sei mit einer Verkaufsquote von 97 Prozent noch erstaunlich gut gelaufen. «Allerdings wurden die Tiere zu verhaltenen Preisen gehandelt», so Fallegger weiter. Bei den Mutterkühen sei die Nachfrage nach Nutztieren hingegen momentan verhalten. Die Mutterkuhhalter würden ihre Bestände erst wieder ergänzen, wenn genügend Futter vorhanden sei.

Ab Herbst fliesst die Milch wieder

Zuerst warnte die Branchenorganisation Milch (BOM), dann die SMP und nun auch die Zentralschweizer Milchproduzenten (ZMP) in ihrem aktuellen Newsletter. Ab Herbst rechnet man wieder mit viel Milch. Wie soll das gehen, nach dem Hitzesommer 2026, wird da mancher Praktiker sagen.

ZMP-Präsident Thomas Grüter erklärt die Hintergründe: Einerseits sei da die Saisonalität, die es schon immer gab. Im Herbst kommen die Kühe von den Alpen und meist setzt dann auch nochmals zünftig Graswachstum ein. Vor allem bei Gräserarten weiss man, dass diese nach einem zähen Sommer im Herbst bei genügend Feuchtigkeit kompensieren können. Strukturell habe man aktuell schon recht viel Milch. Zwar sinken die Mengen wie jedes Jahr seit Mai, aber sie sind halt immer noch über der Kurve der letzten Jahre.

Reger Futterhandel

Die hohen Temperaturen und der schlechte Futterwuchs dürften in den vielen neuen und automatisierten Ställen mit Mischration vorerst weniger Einfluss haben als angenommen. Dass die Verarbeitungskapazitäten nicht mehr werden, ist auch bekannt. «Die Trockenheit ist zudem nicht flächendeckend», sagt Grüter. Auch der Effekt des Futterhandels, der aktuell heiss läuft, sei noch schwer abzuschätzen. Es könne sein, dass einige Produzenten mit ein paar Kühen weniger in den Winter starten. Trotzdem habe man in den Gremien, auch aufgrund der Futterqualität vom Frühling, grossen Respekt vor der Situation ab Herbst.

Trotz Hitze hohe Produktion

Die Schweizer Milchproduktion lag im Mai um 2,1 Prozent über Vorjahr, schreiben die ZMP. Die Milchproduktion der ZMP-Lieferanten Milch Suisse Garantie lag im Juni um 6,4 Prozent über dem Vorjahreswert und hat damit den Vorjahresabstand gegenüber dem Monat Mai (5,4 Prozent) deutlich ausgebaut. Bei Berücksichtigung der Neulieferanten und Wechsler aus der Tunnellösung war die Produktion im Juni noch um 4,2 Prozent über dem Vorjahr. Damit sei die Milchproduktion trotz Hitze auf einem ausserordentlich hohen Niveau. Die weitere Entwicklung werde massgeblich abhängig sein von den weiteren Ernteerträgen.

«Sollten die Milchmengen auf diesem Niveau bleiben, werden ab Oktober 2026 wiederum einschneidende, mengenreduzierende Massnahmen notwendig werden», so die ZMP weiter. Die Biomilchproduktion lag im Juni bei 4,7 Prozent über Vorjahr. Die Preise für Milch Suisse Garantie und Biomilch Knospe bleiben in den Monaten August und September 2026 stabil.

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