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Äugstlen bei Trockenheit: Warum jetzt Warten die beste Wahl ist

Nach der Getreideernte steht der nächste Schritt auf dem Feld bevor: Äugstlen. Wie und wann gelingt dieses Jahr die Ansaat einer Kunstwiese oder Zwischenfrucht? Da vielerorts zu wenig Feuchtigkeit im Boden ist, ist Geduld laut Futterbauberater Hanspeter Hug, wohl die erfolgreichste Strategie.

Die Vorteile vom Äugstlen liegen auf der Hand: Der Reststickstoff im Boden wird nicht ausgewaschen, sondern von den Pflanzen verwertet. Ab dem ersten Hauptnutzungsjahr kann ein Vollertrag erwartet werden.

Wenn mit einer Zwischenfrucht vor den Wintersaaten noch Futter produziert und der Boden bedeckt wird, lohnt sich der Aufwand. Damit die Ansaat gut gelingt, muss aber genügend Wasser verfügbar sein.

Das Credo heisst, zu warten

Hanspeter Hug, Futterbauberater am Strickhof, führt aus, dass Äugstlen bei der vorherrschenden Trockenheit schwierig ist. Er empfiehlt, das Vorgehen situativ anzupassen: Bei akuter Dürre und fehlenden Niederschlagsaussichten sollte mit der Bearbeitung und einer Ansaat zugewartet werden. Besser sei es, den August abzuwarten, da die Tage dann schon spürbar kürzer werden, und die Sonneneinstrahlung bereits weniger intensiv ist.

Auch mit der Stoppelbehandlung, die üblicherweise direkt nach der Ernte geschieht, sollte möglichst zugewartet werden. Durch die Bodenbedeckung mit den Stoppeln werden der Boden und die noch darin enthaltene Bodenfeuchtigkeit geschützt.

Bodenfeuchtigkeit schützen

«Ich habe Anfragen von Bauern, die mit dem Grubber die Kapillarität im Boden brechen möchten, um Wasser verfügbar zu machen», führt Hanspeter Hug aus, «doch wenn jetzt gegrubbert wird, gibt es eine sehr grobe Struktur, so trocknet der Boden noch mehr aus».

Auch wenn es normalerweise üblich ist, den Boden möglichst rasch zu bearbeiten, um Ausfallgetreide zum Keimen zu bringen, sollte das dieses Jahr verschoben werden.

Boden nur flach bearbeiten

Eine Bearbeitungstiefe von acht bis zwölf Zentimetern reicht aus, um Strohreste einzuarbeiten und den Boden gut zu durchmischen. Beispielsweise kann mit einer Spatenrollegge eine oberflächliche Bearbeitung gemacht werden.

Wenn zu flach bearbeitet wird, besteht die Gefahr einer Strohmatratze, welche den Wasserfluss im Boden stört, sodass die Jungpflanzen in der Sommerhitze verdunsten. Eine zu tiefe Bearbeitung hingegen erhöht das Trockenheitsrisiko, da die Kapillarwirkung gestört wird.

Für eine «Unkrautkur» wird ein Durchgang mit dem Grubber gemacht, um Ausfallgetreide und Unkräuter zum Keimen zu bringen. Die Saat der Kunstwiese erfolgt nach zwei bis drei Wochen. Doch, wie oben schon erwähnt: Jetzt sollte zugewartet werden, bis es zu einem Wetterumschwung kommt.

Drill oder Breitsaat?

Die Breitsaat eignet sich gut für längerdauernde Gras-Weisskleemischungen und wenn eine Weidenutzung vorgesehen ist. Allerdings ist die Breitsaat anfälliger für Trockenheit und Hitze, weil der Samen weniger tief im Boden ist.

Bei der Drillsaat wird der Samen tiefer in den Boden eingebracht: Empfohlen wird eine Saattiefe von 1–1,5 cm bei einem Reihenabstand von 7,5–12,5 cm.

Essenziell bei trockenen Bedingungen ist die Rückverfestigung: Walzen ist beim Äugstlen entscheidend, um das Austrocknen zu verhindern. Die Drillsaat ist bei trockenen Böden die erfolgversprechendere Variante, da der Samen den besseren Bodenschluss hat.

Zwischenfrucht mit verschiedenen Leguminosen.(Bild: BauZ)

Was gelingt jetzt?

Hanspeter Hug empfiehlt eine Herbstgrasig. Auch ein Wicken-Hafergemenge schätzt er als erfolgreich ein, da Saaten mit grösseren Körnern eine sichere Variante seien, um bei Trockenheit und Hitze noch ein gutes Zwischenfutter zu produzieren.

Auch Luzerne ist schnellwachsend und hat das Potential, bei den aktuell schwierigen Bedingungen gutes Futter zu liefern. Sie gibt rasch hohe TS-Erträge. Selbst wenn es weiterhin trocken bleiben sollte, kann sie für einen sicheren Schnitt sorgen.

Luzerne sollte man möglichst rasch säen, damit sie genügend Zeit hat, um sich zu entwickeln. Sie gelingt allerdings nur in den unteren Lagen (500–600 Meter über Meer). In schweren Böden mit Staunässe entwickelt sie sich schlecht.

Hug würde mit dem Anlegen einer längerdauernden Kunstwiese zuwarten, bis die Bedingungen wieder besser sind. Eine Mischung sollte so gewählt werden, dass sie breit abgestützt ist, damit sowohl in trockenen als auch in nassen Jahren mit einem Ertrag gerechnet werden kann.

Eine nutzungsflexible, breite Mischung deckt die unterschiedlichen Bedingungen ab, und kann auch in sehr trockenen Phasen noch Erträge liefern. Trockenheitstolerante Mischungen enthalten Arten wie Knaulgras, Rohrschwingel oder Rotklee.

Luzerne gelingt auch bei trockenen Bedingungen.(Bild: Isabel Althaus)

Sanierung bestehender Kunstwiesen oder Naturwiesen

Warum nicht die Gunst der Stunde nutzen und eine Sanierung bestehender Natur- oder Kunstwiesen ins Auge fassen? Gerade Bestände, die einen hohen Anteil unerwünschter Gräser wie das gemeine Rispengras, oder das Ausläufer-Straussgras aufweisen, können jetzt saniert werden.

Hug rät, mit einer scharfen Federzinkenegge zu Striegeln, um die Filzbestände auszureissen. Doch auch hier gilt: Wenn eine trockenheitsgestresste Wiese mit dem Striegeln zusätzlich belastet wird, kann das auch kontraproduktiv sein.

Der Boden erhitzt sich wesentlich mehr, wenn er nicht bedeckt ist. Auch unerwünschte Gräser schützen den Boden und den restlichen Bestand. Die Sanierungsmassnahmen sollten so geplant werden, dass eine Übersaat zeitnah, ab Mitte August bis Ende September, erfolgen kann.

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