«Es hat, was es hat», sagt Manuela Giger. «Letztlich bestimmt die Natur, was im Garten wächst.» Das tönt bescheiden. Tatsächlich erhält die Bäuerin zahlreiche Komplimente für die Vielfalt auf ihrem Blumenfeld, die weit über das Standardangebot hinausgeht. Selbst unter Floristinnen hat sich das Angebot auf dem Lettenhof in Zuckenriet SG herumgesprochen.
Seit Jahren einheimische Wildpflanzen
Mit dem Anbau von Blumen hat Manuela Giger vor rund sieben Jahren angefangen. Damals wurde sie angefragt, ob sie künftig wöchentlich die örtliche Kapelle schmücken wolle. «Für uns war das ein willkommener Anstoss zu einem weiteren Betriebszweig», sagt die gelernte Floristin. Zusammen mit ihrem Mann Bruno, der ebenfalls einen grünen Daumen hat und vor zwei Jahren Gewinner der St. Galler Wiesenmeisterschaft war, führt sie einen Bio-Milchwirtschaftsbetrieb mit Obstbau.
Auf dem Hof hatten sich bereits seit Jahren zahlreiche Töpfe mit einheimischen Wildblumen angesammelt, nun ging es einen Schritt weiter: Gigers bereiteten ein Feld von zwei Aren vor und fanden einen Lieferanten, der auf Jungpflanzen und Sämereien für Blumenfelder spezialisiert war.
Sie liessen sich beraten und starteten mit rund 85 Arten ein- und zweijähriger Gewächse. Das Blumenfeld ist auch zugänglich für die Kundschaft, die selbst Blumen pflücken will. Dazu hat Manuela Giger einen kleinen Stand mit den wichtigsten Utensilien zum Schneiden und Binden bereitgestellt.
Schafwolle als Dünger und gegen Unkraut
Der Frühling beginnt jeweils mit Tulpe, Osterglocke und Akelei, weiter geht es zum Beispiel mit Flockenblume, Esparsette, Grossem Wiesenknopf, Sonnenhut, Bartnelke bis hin zur Herbstchrysantheme. «Sinnvoll sind dabei auch brückenbildende Mischkulturen», erklärt Manuela Giger. So finde man etwa unter den Pfingstrosen das Purpurglöckchen, damit es weniger zu jäten gebe.
Herbizide setzt Giger dagegen keine ein. Gegen Unkraut und auch als Dünger kommt Schafwolle zum Einsatz. Fein geschnittenes Chinaschilf, auf die Wege zwischen den Beeten gestreut, unterdrückt ebenfalls unerwünschte Kräuter. Und als Nährstofflieferant dient der Hofmist, der jeweils im Herbst ausgebracht wird.
Bewässerung mit Regenwassertank
Als weitere Herausforderungen neben dem Unkraut nennt die St. Gallerin Schneckenfrass, Trockenheit, Kälte und Hagel. «Derzeit macht uns besonders die Trockenheit Sorgen», erzählt sie. Grundsätzlich giesse sie nur die Jungpflanzen regelmässig. Diese müssten sich allmählich daran gewöhnen, über ihre Wurzeln selbst Wasser aufzunehmen. Das Resultat seien kräftigere und robustere Pflanzen.
«Doch der Regenmangel der letzten Wochen bringt viele Blumen sichtbar an ihre Grenzen», hält Manuela Giger fest. Daher nutzt sie für den Garten aktuell das Wasser des 70 000-Liter-Tanks, mit dem sich auf dem Betrieb Regenwasser von den Dächern sammeln lässt.
Blumen verschwinden und tauchen später wieder auf
Im Herbst lässt Manuela Giger die Gewächse versamen. Dies habe zur Folge, dass die Beete mit der Zeit nicht mehr gerade seien, erklärt sie. Auch würden sich manche Pflanzen einen anderen Ort aussuchen, der ihnen besser passt. «Pflanzen vergesellschaften sich gerne selbst.»
Zudem stelle sie fest, dass manche Blumen verschwinden und Jahre später wieder auftauchen würden. Auch wimmle es beispielsweise in einem Jahr von Ringelblumen und im nächsten Jahr gebe es nur wenige. «Weil die Natur das Angebot bestimmt, sind fixe Bestellungen kaum möglich», so die Bäuerin, die inzwischen nicht mehr nur die Kapelle im Dorf beliefert, sondern auch Blumengeschäfte.
Auch für den eigenen Hofladen macht sie Werkstücke und Dekorationen. Sie liebe es, Sträusse zusammenzustellen und dabei den Blumen Raum zu geben und die Blüten entfalten zu lassen, schwärmt Giger. Zudem entwickle sich ein Strauss weiter und könne auch noch schön sein, nachdem die ersten Blüten abgefallen seien. «Auf diese Weise lässt sich der Lauf der Natur auf den Tisch holen.»
Sirup aus Kräutern und Wildpflanzen
Manuela Giger bietet in ihrem Hofladen auch Selbstgemachtes wie Sirup und Konfitüren an. Seit die dreifache Mutter vor zwei Jahren die Kräuterakademie in Salez SG abgeschlossen hat, hat sich das Sortiment nochmals erweitert, so sind beispielsweise verschiedene Salzmischungen sowie Sirup aus Kräutern und Wildpflanzen dazugekommen.
Bei all der Arbeit erhält sie regelmässig Unterstützung von der Familie, allen voran von der Mutter und der Schwiegermutter. Diese helfen beispielsweise beim Unkrautjäten und im Frühling beim Setzen der Pflanzen. Seit einer Weile bietet Manuela Giger zudem zusammen mit einer Kollegin auch Kräuterkurse an, beispielsweise zur Herstellung von Salben. «Mich fasziniert, wie man aus einfachen Materialien etwas Wirkungsvolles herstellen kann», hält sie fest.
Betriebsspiegel Lettenhof
Manuela und Bruno Giger, Zuckenriet SG
Betriebsart: Bio
LN: 27 ha
Viehbestand: 50 Milchkühe
Kulturen: Mostobst, Mais, Weizen, Naturwiesen und auf 2 Aren Blumen
Produkte: Blumen zum Selberschneiden, Sträusse, Selbstgemachtes wie Kräutersalz, Sirup, Konfitüren, Tee sowie weitere Teigwaren, Vasen und Deko von anderen Herstellern
Vermarktung: Sträusse auf Bestellung und im Hofladen
www.letten.ch







