Bei Erika und Hans Ruepp in Biel-Benken BL ist die Bewässerung längst zur nächtlichen Routine geworden. «Wir sind jede Nacht unterwegs», sagt Erika Ruepp. Trotzdem könne man nicht alles retten. Besonders gefährdet seien frisch gesetzte Pflanzen.
Früher habe man versucht, während einer Hitzewelle etwas aufzusparen und Setztermine zu verschieben – «aber das geht jetzt nicht mehr». Vor 20 Jahren habe niemand gedacht, dass Wasser einmal so knapp werden könnte. «Es ist wirklich ein andauernder Ausnahmezustand, sehr schwierig», bestätigt Hans Ruepp.
Auch beim Birsmattehof in Therwil BL ist die Hitze das grosse Thema. Alexander Tanner beschreibt, wie in der Dammkrone die Temperaturen so hoch steigen können, dass Saatgut im Boden regelrecht verbrennt. Bei den Rüebli hätten trotz tieferer Saat viele Keimlinge die Hitze nicht überstanden – ausser auf einem Damm, der aus Versehen nicht abgeflammt worden war und dadurch etwas Beschattung bot. «Es war schon die letzten Jahre oft sehr heiss und trocken, aber die gegenwärtige Situation ist wirklich extrem», sagt Erika Ruepp.
Unterschiedliche Wasserquellen, gleiche Unsicherheit
Die Ruepps beziehen das Wasser für die Bewässerung über die normale Wasserversorgung, was natürlich auch finanziell zu Buche schlägt. Die vor rund 20 Jahren installierte Anlage, damals selten gebraucht, laufe heute im Regelbetrieb.
Auch der Birsmattehof, den Nicole und Alexander Tanner mit dem Team der Agrico Genossenschaft bewirtschaften, bezieht den Grossteil des Wassers aus der regionalen Versorgung, die teilweise aus Quellen gespeist wird, sich aber dank eines Verbundsystems auf Grundwasser aus der Rheinwasserversickerung in Birsfelden BL verlassen kann.
Bislang habe der Betrieb durchgehend bewässern können. «Damit ist unsere Situation günstig», sagt Tanner – auch wenn das Kosten verursache und offen sei, wie viel Wasser die Versorgung künftig liefern könne.
Strategien gegen die Trockenheit
Bei den Ruepps heisst die Strategie in erster Linie Priorisierung: Man konzentriere sich auf Kulturen, die vom Ertrag her noch lohnend seien, und lasse andere fallen – etwa Kohl und Kochgemüse, das bei Sommerwetter ohnehin weniger gefragt sei, sagt Hans Ruepp.
Die Bewässerung sei nicht nur teuer, sondern auch aufwendig: Zwei Personen seien allein mit der Bewässerung beschäftigt. Verwendet werden mehrere Systeme – Ruepps verfügen über Röhrenregner, eine Bewässerungsrolle mit Schlauch sowie fest verlegte Leitungen mit Feldhahnen und Schächten für die verstreuten Parzellen. Der schwere, sandig-lehmige Boden im Talbereich ist einmal ausgetrocknet kaum mehr zu bearbeiten, dafür aber tiefgründig, was das Austrocknen verlangsamt.
Der Birsmattehof setzt als Bio-Betrieb auf einen breiteren Massnahmen-Mix statt auf eine einzelne Lösung: Mulch senkt die Verdunstung, deckt betriebsweit aber nur einen kleinen Teil der Fläche ab und stösst bei den aktuellen Verhältnissen an Grenzen. Ein 2500 Kubikmeter fassender Regenwasserspeicher versorgt zusätzlich das Gewächshaus, vor allem mit Dachwasser, aber auch gespeist aus der Drainage – «aber wenn aus der Drainage nichts mehr kommt, hilft das auch nichts.» Für die Zukunft denkt Tanner über mehr Tropfbewässerung nach. Dem stehen der hohe Kunststoffbedarf, der Arbeitsaufwand und die Lagerung des Materials im Winter entgegen.
Beim nicht abgeflammten Damm bleibt er vorsichtig: «Auf das Abflammen können wir nicht verzichten, sonst haben wir zu viel Arbeitsaufwand. Nächstes Jahr haben wir vielleicht einen nassen Sommer und zu viel Unkraut auf dem Damm. Ob es andere Möglichkeiten gibt, den Damm zu kühlen, müssen wir ausprobieren.» Man müsse einfach immer die Augen offenhalten. Wichtig sei zudem die Staffelung des Risikos über verschiedene Kulturen und Anbauzeitpunkte hinweg – ein Vorteil, den die Direktvermarktung biete. «Bei der Direktvermarktung sind wir Pionierbetrieb, bei der Bewässerung nicht. Aber wir arbeiten daran», sagt Tanner.
Ein weiterer Baustein für mehr Resilienz ist für ihn der Boden selbst: Die Bemühungen um den Humusaufbau seien letztlich auch eine Form von Resilienz. Das sei mit ein Grund für die Verbindung mit der Tierhaltung, sodass der Betrieb trotz der vielen Hackkulturen über Gründüngungspflanzen und Komposte möglichst viel für Humuserhalt und -aufbau tue.
Risikostreuung als gemeinsames Prinzip
Beide Betriebe setzen auf Direktvermarktung und auf eine bewusste Streuung des Risikos über verschiedene Kulturen und Anbauzeitpunkte. Bei den Ruepps – 5 ha Gemüse, 1 ha Kartoffeln, 6 ha Brotgetreide, das sie selbst zu Mehl und Brot verarbeiten – brachte der Weizen dieses Jahr wider Erwarten gute Erträge.
«Wir wollen nicht von ein oder zwei Kulturen abhängig sein», so Hans Ruepp. Ein einzelnes trockenes Jahr lasse sich aushalten, häuften sich solche Sommer aber, werde der Gemüsebau im Leimental grundsätzlich schwierig.
Blick nach vorn
Für die Ruepps liegen die grösseren Zukunftssorgen nicht nur bei der Trockenheit: Der Pflanzenschutz werde durch abnehmende Mittel und wachsende Bürokratie schwieriger, auch die Rekrutierung von Arbeitskräften – derzeit vor allem aus Polen – werde zur Herausforderung. «Die Zukunft wird schwierig», fasst Erika Ruepp zusammen.

