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Der Thurgauer Stefan Fässler produziert mit wenig Energie viel Gemüse

Der Betrieb von Stefan Fässler in Romanshorn ist auf dem Weg zu einer CO2-neutralen Gemüseproduktion. Fässler hat die damlige Gärtnerei 1988 von seinen Eltern übernommen und zu einem über die Region hinaus bekannten Porduktionsbetrieb mit mit Gemüsen und Früchten gemacht.


Fast unscheinbar tauchen sie neben einem Einfamilienhausquartier in Romanshorn auf, die riesigen Gewächshäuser der Familie von Stefan und Beatrice Fässler. 1988 hat Stefan Fässler die damalige Gärtnerei übernommen und zu einem erfolgreichen, über die Region hinaus bekannten Produktionsbetrieb mit Gemüsen und Früchten gemacht. Wenn Stefan Fässler über seine grosse Leidenschaft zu reden beginnt, sprudelt es nur so aus ihm heraus.

Ideale Bedingungen

Wir stehen mitten in einem riesigen, sehr aufgeräumten und sauberen Gewächshaus voller Kopfsalate. «Diese werden hier mit Radiesli, Nüsslisalat und etwas Kohlrabi bei 1 bis 4 Grad angebaut. Im Sommer sind es Fruchtgemüse wie Tomaten, Gurken, Auberginen und Peperoni», erklärt Stefan Fässler. Umgesetzt wird dies in modernsten Gewächshäusern mit eigenem Regenwasser, das in drei Wassersammelbecken gelagert wird. «Bei extremer Hitze oder auch wie jetzt im Winter mit Kälte und Schnee ist das Gemüse wirklich geschützt und hat ideale Bedingungen zum Gedeihen. Wir können Temperatur, Sonneneinstrahlung und Feuchtigkeit regeln.» Verkauft wird die Ernte zu 80 Prozent an Coop, der Rest kommt in den Hofladen. Für diesen baut er im Freiland 50 verschiedene Gemüsesorten an.

Das Hobby zum Beruf gemacht

Stefan Fässler wurde 1955 in Romanshorn geboren. Sein Vater, ein Bodensee-Matrose, machte das Hobby «Gärtnern» zum Beruf. Einige Jahre später entschied sich Sohn Stefan für die Gärtnerlehre. 1967 erstellte sein Vater die ersten Gewächshäuser, welche alle zehn Jahre erweitert wurden. «Der Boden in den Gewächshäusern ist nach all dieser Zeit noch immer sehr fruchtbar und gut, gerade weil wir ihm Sorge tragen. Wenn wir neue Gewächshäuser auf einem frischen Acker erstellt haben, musste man die Erde für den Anbau fit machen mit genügend organischer Substanz», erklärt Fässler.

Unveränderte Salatpreise

Seit Stefan Fässler vor über dreissig Jahren den Betrieb übernommen hat, hat sich viel geändert. Mit den heutigen Gewächshäusern heizt man mit der gleichen Heizung fünfmal mehr Flächen als damals. So mussten früher auch die Beschattung, der Energieschirm (Wärmeregulierung) und die Belüftung von Hand gekurbelt werden, das war viel Arbeit. Heute regelt dies der Klimacomputer. «Was sich jedoch fast nicht verändert hat, sind die Salatpreise», gibt Fässler zu bedenken. «Die Löhne der Mitarbeiter sind jedoch gestiegen. Mit gutem Saatgut, rationeller Bewirtschaftung, grösseren Mengen und einer guten Kultur- und Pflanzenschutzstrategie erreichen wir, dass wir trotzdem etwas verdienen.»

Es braucht täglich ein gutes Management und Fachpersonal, um eine optimale Qualität zu produzieren. Doch Fässler sieht das relativ gelassen: «Wir haben die Möglichkeit, Produkte, die nicht ganz der Norm entsprechen, im Hofladen zu verkaufen. So werden zum Beispiel Salate, die äusserlich nicht schön sind, gerüstet und als Herzsalat verkauft». Topqualität im Aussehen ist ein Wettkampf unter Produzenten, dem Handel und dem Verkauf. Schon in den 1970er-Jahren wurden die Qualitätsnormen festgelegt. Auch Fässler weiss, dass man Kunden eher mit perfekt aussehendem Gemüse gewinnt. Die Mindestnormen müssen deshalb eingehalten werden.

Betriebsspiegel:

Ort: Romanshorn TG

Arbeitskräfte: 12 Mitarbeiter, davon acht Vollzeit

Betriebszweige: Gemüse im Gewächshaus: Tomaten Gurken Auberginen (im Sommer), Salate und Kohlrabi (im Winter). 30 bis 40 Sorten Freilandgemüse

Verkaufskanäle: 80 Prozent an Coop, 20 Prozent im Hofladen

Energieverbrauch reduziert

Dank den modernen Gewächshäusern kann sehr energie­bewusst produziert werden. So wird zu etwa 90 Prozent Regenwasser für die Kulturen verwendet. «Einzig für das Waschen des Gemüses wird Leitungswasser benötigt, weil dieses keimfrei ist. Leitungswasser brauchen wir pro Jahr 700 bis 1000 Kubikmeter, was dem Verbrauch eines Mehrfamilienhauses mit fünf Wohnungen entspricht. Wir sind auf dem Weg, das Gemüse CO2-frei zu produzieren». Zwei Wärmepumpen sind bereits eingebaut, ebenso ist eine zweite Photovoltaikanlage im Bau. Diese liefert den Strom für die Wasserpumpe und den Kühler im Gewächshaus.

Auch Tiere leben im Gewächshaus

Doch auch Tiere leben in den Gewächshäusern. So beispielsweise Bachstelzen, die mehrmals im Jahr ihre Eier ausbrüten. Auch Spatzen, Rotschwänzchen und Meisen kommen von aussen hinein und fressen beispielsweise die Raupen und Läuse. «Im Winter füttern wir die Vögel, damit sie bei uns im Sommer ihre guten Dienste leisten. Das hat zur Folge, dass wir in den Folientunnels praktisch kein Insektizid verwenden müssen», sagt Fässler. Im Sommer arbeiten wir mit vielen 100 000 gekauften Nützlingen: Neun verschiedene Raubmilben- und Schlupfwespenarten halten die Schädlinge unter Kontrolle. Ganz ohne Pflanzenschutzmittel geht es aber nicht. «Im Winter können wir beispielsweise beim Salat nicht mit Nützlingen arbeiten. Da in dieser Jahreszeit auch wenig Schädlinge vorhanden sind, brauchen wir aber auch wenig Insektizid.» Der Salat braucht einen Pilzschutz für gute Startbedingungen – damit er gut anwächst und nicht abfault. Dieses Mittel ist aber bis zur Ernte wieder abgebaut. Für Freilandgemüse, wie Bohnen, Zucchetti und Krautstiel, welches Stefan Fässler in kleinen Mengen anpflanzt, braucht er so gut wie gar keine Pflanzenschutzmittel.

Engagiert für Aquasan

Wenn im Sommer die Schadensgrenze bei den Schädlingen trotz allen biologischen Bemühungen überschritten ist, wendet Stefan Fässler ebenfalls ein Schutzmittel an. Dabei geht es zum Beispiel um eine Menge von einem Milliliter auf 100 Quadratmeter. Heutzutage können Rückstände aufs Milliardstel rückverfolgt werden. So wurde vor etwa fünf Jahren in den Kontrollen vom Millionstel auf das Milliardstel umgestellt. Vorstellen kann man sich dies mit dem Beispiel eines Würfelzuckers, der aufgelöst im Bodenseewasser nachgewiesen werden kann. «Ich beschäftige mich intensiv mit dem Umgang und der Anwendung von Nützlingen und Pflanzenschutzmitteln. Deshalb engagiere ich mich auch im Aquasan-Projekt», sagt Stefan Fässler. Im Thurgau werden an zwei Bächen Messungen gemacht, um herauszufinden, auf welchen Wegen die Rückstände in die Gewässer kommen.

Viel Raum für die Natur

Stefan Fässler ist ein Naturmensch. Das sieht man auch daran, dass rund um die Gewächshäuser überall Asthaufen und andere natürlichen Flächen Lebensraum für Pflanzen und Wildtiere, wie Kröten und Eidechsen, bieten. Er selbst ist bei Wind und Wetter mit dem Fahrrad unterwegs und lebt so seine Liebe zur Natur. Aus einer tiefen Überzeugung sagt er: «Schweizer Früchte und Gemüse sind gesund, egal ob Bio oder Suisse Garantie. Sie unterliegen strengen Kontrollen und können mit gutem Gewissen gegessen werden. Es ist nicht nötig, Produkte zu importieren, die wir selber anbauen können. Essen muss gut sein. Dazu möchte ich vertrauensvoll essen können. Das garantieren mir die Schweizer Nahrungsmittel.»

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