Der Hügel oberhalb von Wittinsburg BL steht beispielhaft für die Lage in weiten Teilen der Schweiz: Das Gras ist knochentrocken, der Mais kümmerlich und die Krone der Linde lichtet sich bereits. «Wir haben 50 bis 60 Prozent Ertragsausfall beim Mais», sagte Elias Zumbrunn, zu dessen Betrieb die Fläche gehört.
«Nächste Woche werden wir diesen Mais silieren», fuhr er fort. Auf den Teilen mit besseren Bodenverhältnissen der Parzelle wurden die Pflanzen zwar etwa zwei Meter gross und bildeten noch einen Kolben, normalerweise sollte der Mais aber drei Meter hoch stehen und die Kolben doppelt so gross sein. Regen ist jedoch weiter nicht in Sicht und wird der Bestand noch trockener, steigt das Risiko für Fehlgärungen.


«Höhere Gewalt» und frühzeitige Auszahlung der Direktzahlungen
Elias Zumbrunn schilderte die Situation aus Sicht der landwirtschaftlichen Praxis vor Medienschaffenden, die zahlreich der Einladung des Bundesamts für Landwirtschaft (BLW) gefolgt waren. BLW-Direktor Christian Hofer erklärte, wie der Bund den Betrieben in dieser schwierigen Situation hilft.
«Wir haben uns auf diesen Sommer vorbereitet, damit wir reagieren können», versicherte er. Die Trockenheit und Hitze gelten als «höhere Gewalt» und Direktzahlungen werden in voller Höhe ausbezahlt, obgleich witterungsbedingt gewisse Vorgaben nicht eingehalten werden können.
Dazu gehören die Bestimmungen zu RAUS oder dem Weidebeitrag. Ebenso greift die Regel, wenn Tiere wegen Futter- oder Wassermangel frühzeitig abgealpt werden müssen. «Zudem haben wir die Kantone informiert, dass wir die Hauptzahlung der Direktzahlungen früher machen können, wenn sie uns das Gesuch vorzeitig stellen», so Hofer.
Weiter erklärte Christian Hofer, das BLW habe per 1. August zur Erleichterung der inländischen Futterversorgung die Zölle auf Importe von Heu und Grassilage aufgehoben. Mittlerweile folgte auf Antrag des Schweizer Bauernverbands zusätzlich die Aufhebung der Zölle auf Futtermais (frisch oder siliert). «Betriebe, die infolge der Trockenheit in Liquiditätsschwierigkeiten geraten, können zur Überbrückung zinsfreie Betriebsdarlehen beantragen», ergänzte der BLW-Direktor.

«Futterhändler gehen nicht mehr ans Telefon»
Tiefere Hürden für Futterkäufe im Ausland und Liquiditätshilfen zum Trotz ist die Generationengemeinschaft Zumbrunn wenig zuversichtlich, Futter beschaffen zu können. «Nach diversen Gesprächen mit Futterhändlern scheint es fast ausgeschlossen, dass im Moment Futter gekauft werden kann», meinte Elias Zumbrunn.
Manche Futterhändler würden gar nicht mehr ans Telefon gehen, bemerkte sein Vater Bruno Zumbrunn. Die Baselbieter zehren zur Versorgung ihrer 40 Brown-Swiss-Milchkühe derzeit von Vorräten. Nach zwei Schnitten sei die Grasnarbe aktuell komplett abgestorben. Der dritte Schnitt fällt vollständig aus und auch tiefwurzelnde Luzerne kommt mit dieser Trockenheit nicht mehr zurecht.
Besonders geplagte Tiere mehrmals pro Tag abduschen
Nach dem Hitzesommer 2003 hatte Bruno Zumbrunn die Sommerfütterung seiner Herde auf Silo und Weide statt Frischgras umgestellt. «So sind wir weniger abhängig von den Schwankungen im Graswachstum, haben ausgeglicheneres Futter und weniger Stress», beschrieb er die Strategie.
Dafür waren aber Investitionen in mehr Siloplatz nötig. Und nun reisst die Trockenheit trotzdem ein grosses Loch in die Futterplanung für den Winter und das kommende Frühjahr. Bis auf Weiteres bleibt Vater und Sohn nur, die besonders geplagten älteren Tiere mehrmals täglich abzuduschen und der Herde im Stall mit Lüftern so viel Abkühlung wie möglich zu verschaffen. Wenn es so weitergeht, sehen sie sich gezwungen, ihren Tierbestand zu reduzieren.
Ein neuer Stall mit Regenwassertank und Grauwasserkreislauf
Die Generationengemeinschaft arbeitet jedoch daran, den Betrieb resilienter zu machen. Zumbrunns sind Teil des Slow-Water-Projekts der Kantone Baselland und Luzern, das vom BLW unterstützt wird. Mit verschiedenen Massnahmen verfolgt man darin unter anderem das Ziel, Regenwasser langsamer abfliessen zu lassen, es zu speichern und insgesamt die Ertragsfähigkeit in Pflanzenbau und Tierhaltung langfristig durch die Sicherstellung der Wasserverfügbarkeit zu erhalten.
Am Ende sollen Empfehlungen für das Vorgehen in der ganzen Schweiz resultieren, erläuterte Projektleiterin Sereina Grieder.
Bruno Zumbrunn führte aus, dass seine Familie in einen zukunftsgerichteten Stall investiert. Mit Beratung von Slow Water wurden ein 300 000-Liter-Regenwassertank und ein Grauwasserkreislauf geplant. Letzterer sorgt dafür, dass – wo möglich – statt Trinkwasser Regenwasser genutzt wird.
Ausserdem verfügt der neue Stall, der sich derzeit im Bau befindet, über eine Biogasanlage. «Sie entzieht dem Hofdünger das Methan. Pro Kuh produzieren wir damit 4–6 kWh Strom und können insgesamt zwei Wohnhäuser heizen», so der Landwirt.
Hinzu kommen bauliche Massnahmen zur Reduktion der Ammoniakemissionen. «Für uns als Tierhalter ist es das Schönste, unseren Tieren viel Licht und frische Luft bieten zu können, damit sie den Hitzestress ertragen», meinte Zumbrunn.

An Trockenheit gewöhnt – aber 2026 bricht Rekorde
Im Baselbiet gibt es keine Seen, die zur Bewässerung genutzt werden könnten. Dieser Umstand – neben der tiefen Höhenlage des Gebiets und verbreiteten Karstböden mit geringem Wasserspeichervermögen – gehört zu den Gründen, weshalb der Kanton das Projekt Slow Water mit weiteren Partnern initiiert hat. «Hier ist man sich Trockenheit eher gewohnt», sagte Christoph Böbner, Leiter des Ebenrain-Zentrums.
Um sogleich klarzustellen: «Aber 2026 ist ein Ausnahmejahr.» 2002 sei die Situation zwar ähnlich gewesen, damals hätten aber noch Maisimporte aus dem nahen Elsass zur Überbrückung dienen können. Heuer sieht die Lage im europäischen Ausland nicht besser aus.
Zur Entlastung der Landwirt(innen) hätten Kantone und Bund Massnahmen in die Wege geleitet, schloss er sich den Ausführungen Christian Hofers an. Böbner stellte zusätzlich Erleichterungen hinsichtlich Nährstoff- und Futterbilanz in Aussicht, da die Erträge insbesondere der Sommerkultur sehr mager oder gar ganz ausfallen dürften.
Wasser aus dem Neuenburgersee für über 4000 Hektare
Zu langfristigen Massnahmen zur Bewältigung von Jahren wie 2026 gehören grosse Bewässerungsprojekte. Auch sie werden vom BLW unterstützt, etwa das Projekt Arrobroye. «Es wurde von Landwirten lanciert, seit 2025 sind wir eine Genossenschaft», sagte Arrobroye-Präsident Fabrice Bersier. Die Projektkosten von rund 70 Millionen Franken tragen Landwirte, die Kantone Waadt und Freiburg sowie der Bund zusammen.
Der Zeitplan sieht vor, dass die Bauarbeiten 2029 starten und ab 2031 Wasser aus dem Neuenburgersee zur Bewässerung von rund 4350 ha Anbaufläche zur Verfügung steht. Zu den Projektzielen gehören allerdings nicht nur die Bewässerung und der Erhalt nachhaltiger Landwirtschaft in der Broye, sondern auch der Schutz der Broye durch ein Revitalisierungsprogramm.
Mehr Gelder für die Strukturverbesserung sind vorgesehen
«Es braucht beides, Lösungen für die Bewässerung und Ansätze wie bei Slow Water zur Wasserretention und -speicherung», betonte Christian Hofer. Mit Blick auf die weitere Zukunft, angesichts dessen, dass die Klimaszenarien Jahre wie 2026 tatsächlich erwarten lassen, hätten mehrere Bundesämter zusammen mit Kantonen und Landwirt(innen) die Klimastrategie Landwirtschaft und Ernährung (KSLE) 2050 ausgearbeitet.
Sie verfolgt einen ganzheitlichen Ansatz, um das Ernährungssystem klimaresilienter zu machen – inklusive Anpassung der Konsummuster. Bauten, Anlagen und Maschinen, die zum Ressourcenschutz beitragen, sollen mit Strukturverbesserungen unterstützt werden, heisst es in der KSLE.
«Das BLW hat 2022 zusammen mit den Kantonen eine Strategie ausgearbeitet, die den künftigen Investitionsbedarf insbesondere in den Bereichen Wasserzufuhr, Bewässerung usw. aufzeigt», sagte Hofer. Das Parlament habe die Mittel für die Strukturverbesserungsbeiträge im Finanzrahmen 2026–29 um gut einen Drittel erhöht. «Die Strukturverbesserungen sollen im Rahmen der AP 30+ weiter ausgebaut werden», schloss der BLW-Direktor.
Auf die Frage eines Journalisten hielt Bruno Zumbrunn fest, durch die Lockerungen bei RAUS und Co. als Folge der Trockenheit fühle er sich von den Behörden unterstützt. Aber das BLW könne es eben auch nicht regnen lassen.
«Es ist gut, dass wir nicht noch bestraft werden, wenn wir Vorgaben wegen höherer Gewalt nicht einhalten können», fasste er zusammen. «Aber grundsätzlich hätten wir gerne Regen.»

