Auf der Plattform für die ausserfamiliäre Hofübergabe der Kleinbauern-Vereinigung (VKMB) stehen aktuell 141 Profile von Hofsuchenden 30 Landwirtschaftsbetrieben gegenüber. «Die absolute Anzahl Abgebender und Suchender ist in den letzten Jahren gestiegen, das Verhältnis ist aber in etwa gleich geblieben», sagt Co-Geschäftsleiterin Patricia Mariani auf Anfrage. Dass sich der Trend zunehmender Betriebsschliessungen im letzten Jahr mit fast 500 aufgegebenen Höfen fortgesetzt hat, liegt demnach nicht an fehlendem Nachwuchs.

Wichtige Quereinsteiger 

Dies bestätigt auch ein Blick in die Statistiken des Agrarberichts: Nach einem Rückgang 2019/ 2020 verzeichnete man 2021 wieder mehr Lernende im Berufsfeld Landwirtschaft. Der Langzeittrend bleibe positiv und landwirtschaftliche Berufe seien für Junge weiterhin attraktiv, so die Schlussfolgerung. Gemäss Zahlen des Bundesamts für Statistik sind unter den Betriebsleitenden Stand 2020 65 Prozent Landwirte EFZ oder haben eine weiterführende landwirtschaftliche Ausbildung absolviert.

Es handelt sich dabei etwa um Meisterlandwirte oder ETH-Ingenieure. 14 Prozent der Betriebsleitenden haben eine nichtlandwirtschaftliche Ausbildung und praktische Erfahrung, während weitere 14 Prozent nur Ersteres haben. In 6 Prozent der Fälle leitet eine Person mit eidgenössischem Berufsattest (EBA) den Betrieb. Zunehmend ist laut Agrarbericht der Anteil der Personen, die als Zweitausbildner in die Landwirtschaft kommen.

Meist wirtschaftliche Gründe

AboAnalyseZusammenarbeit bietet einen Ausweg, wenn der Betrieb nicht mehr zu rentieren drohtMontag, 7. November 2022 Quereinsteiger(innen) sind auch gut vertreten unter den Hofsuchenden bei der VKMB. Wobei sich die Frage stellt, was als Quereinstieg gelten sollte. «Viele Hofsuchende sind nicht auf einem Landwirtschaftsbetrieb aufgewachsen und via Berufspraxis und -ausbildung in das Berufsfeld gekommen», führt Patricia Mariani aus.

Es gebe aber ebenso viele Bauernsöhne und -töchter, die z. B. den elterlichen Betrieb nicht übernehmen konnten. Als mögliche Gründe nennt Mariani die Übernahme durch ein Geschwister oder eine auslaufende Pacht. «Die allermeisten Hofsuchenden sind sehr gut ausgebildet und haben jahrelange Berufserfahrung – in der Landwirtschaft, aber auch ausserhalb», beschreibt Mariani. Defizite bei der Ausbildung erlebe sie kaum je als Grund für eine gescheiterte Suche.

Es scheint, als sei der Strukturwandel im doppelten Sinne ein treffender Ausdruck für das Hofsterben in der Schweiz: Die Struktur der Landwirtschaft wandelt sich, die Betriebe werden weniger, dafür grösser. Gleichzeitig sind es laut VKMB auch verschiedene Strukturen – und nicht mangelnder Wille der nächsten Generation –, die immer mehr Betriebe eingehen lassen. Primär genannt werden wirtschaftliche Gründe, da der Verkauf von Bauern-häusern an meist idyllischer Lage und das Verpachten der Flächen finanziell lohnender ist und Höfe ausserdem zwecks Rentabilität immer grösser werden müssen. Die Spezialisierung steige und vergrössere die Betriebsrisiken, warnt die VKMB.

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Zukunft und Finanzen beschäftigen

Linda Riedel und Jonas Fries suchen einen Hof.Schwierige Suche nach einem BetriebJonas Fries und Linda Riedel suchen einen Hof: «Wenn möglich möchten wir Milchkühe halten»Montag, 7. November 2022 Mehr noch als eine Nachfolgelösung innerhalb der Bauernfamilie sei die ausserfamiliäre Hofübergabe erschwert. «Finanzielle und soziale, aber auch persönliche und emotionale Aspekte spielen ebenfalls eine wichtige Rolle», ergänzt Patricia Mariani. Aufseiten der älteren Generation beschäftigten etwa eine ungeklärte Wohnsituation, die Folgen einer Übergabe auf Steuern und AHV sowie die Schwierigkeit des Loslassens.

«Bei Hofsuchenden scheitert es häufig an der Finanzierung, da bei einem Hofkauf ausserhalb der Familie der Verkehrs- statt der Ertragswert gilt», so die Co-Geschäftsleiterin. Das könne ein Vielfaches ausmachen. Weiter müsse man auf der Suche nach einem eigenen Betrieb im Idealfall örtlich flexibel und unabhängig sein, also auch offen für abgelegene Regionen im Berggebiet.

Der Einstieg in die Landwirtschaft via Pacht sei um einiges einfacher. 2020 waren denn auch 44 Prozent der LN verpachtet, bekanntlich ist ein Pachtverhältnis aber nicht immer einfach.

Bessere Rahmenbedingungen wären nötig

Um das Hofsterben zu stoppen, hat die VKMB die Petition «Jeder Hof zählt» gestartet. Die Forderungen darin sind zwar allgemein gehalten, die Vereinigung hat aber durchaus konkrete Vorstellungen davon, welche Anpassungen es für eine Verbesserung der Situation bräuchte:

Direktzahlungen: Obergrenze bei 150 000 Franken pro Betrieb und/oder eine Abstufung sowie ein Betriebsbeitrag, um den Fehlanreiz des Flächenwachstums zu bremsen.

Bodenrecht: Vorsichtige Anpassungen, um gemeinschaftliche Bewirtschaftungsformen zu ermöglichen.

Beratung: Besserer Zugang zu offiziellen Informationen zur ausserfamiliären Hofübergabe.

Starthilfe: Ausweitung bis 40 Jahre.

Standardarbeitskraft: Anpassung der Begrenzung nach SAK, damit sich kleinere Betriebe weiterentwickeln können.

Der Zugang zu Investitionen beim ausserfamiliären Hofkauf oder beim Kauf von Pachtland ist laut Mariani zwar geplant, wurde aber noch nicht umgesetzt. «Die Belastungsgrenze bei Hypothekarzinsen wurde bereits angepasst. Das erleichtert den Kauf ausserhalb der Familie, aber die finanzielle Hürde ist noch immer hoch.» Für Einsteiger bedeute die hohe Schuldenlast eine schwere Belastung.

Ursina und Niculin Töndury arbeiten in einer Solawi.Schwierige Suche nach einem Betrieb«Wir hatten sehr viel Glück», meint Niculin Töndury dazu, wie er einen Hof fandMontag, 7. November 2022 Da in den nächsten 15 Jahren rund die Hälfte der heutigen Betriebsleitenden pensioniert wird, bleibt die Frage der Hofübergabe und -übernahme aktuell.