Die Faktenlage ist unbestritten: Landwirtschaft und Ernährung tragen mit 17 % einen hohen Anteil zu den Treibhausgas (THG)-Emissionen in der Schweiz bei. Gut erforscht sind die Quellen der Emissionen, grosser Streitpunkt sind aber die Massnahmen, mit welchen die Emissionen nun gesenkt werden sollen.

Bisher keine Massnahmen verabschiedet

Diese Diskussion hat in einigen Kantonen bereits zu Entscheiden und Massnahmen geführt, während in der nationalen Agrarpolitik (AP) die Strategie in Überarbeitung ist und der Weg noch weit scheint. Dabei läuft uns die Zeit davon, denn gerade in Landwirtschaft und Ernährung brauchen Umstellungen bekanntlich Zeit.

Wo muss nun angesetzt werden, damit die eindeutigen Erkenntnisse aus Wissenschaft und Pilotprojekten umgesetzt werden? Für die nationale Agrarpolitik besteht die Klimastrategie aus dem Jahr 2011. Daraus wurden zwar mögliche Handlungsfelder und Visionen abgeleitet, aber bisher keine Massnahmen verabschiedet. Das Ziel ist klar definiert: Der THG-Fussabdruck in Bezug auf die Ernährung soll bis 2050 um mindestens zwei Drittel reduziert werden.

Das ist kein besonders ambitioniertes Ziel, aber um es überhaupt zu erreichen, braucht es rasche, umsetzbare und wirksame Massnahmen. Die Entwicklung der landwirtschaftlichen THG-Emissionen zeigt, dass die Ziele aktuell verfehlt werden. Es sind somit zusätzliche Anstrengungen nötig, um die Emissionen wieder auf Kurs zu bringen.

Klare Unterschiede zwischen Kantonen

In einigen Kantonen wurden bereits Massnahmen zum Klimaschutz in der Landwirtschaft verabschiedet. Interessant ist, dass dort die Massnahmen einen breiten politischen Konsens erreichen. Die meisten Kantone haben in ihren Klimastrategien den Bereich Landwirtschaft anders behandelt als die Bereiche Mobilität und Wohnen. Die Zielvorgaben sind weniger streng. Auffällig ist, dass einige Kantone auch Massnahmen zu Ernährung und Konsum verabschiedet haben, andere hingegen verfolgen einen rein technischen Ansatz, die Treibhausgase auf den Betrieben zu reduzieren.

Die meisten der Kantone verfolgen zudem Anpassungsmassnahmen an die bereits heute akuten Probleme der Landwirtschaft durch den Klimawandel, die jedoch keine Senkung der Emissionen bringen. In Kantonen mit hohen Tierbeständen ist eine Senkung der Emissionen jedoch nur möglich, wenn diese reduziert werden. Dies wiederum ergibt nur Sinn, wenn gleichzeitig das Ernährungsverhalten der Konsument(innen) sich anpasst, weil sonst einfach mehr tierische Produkte importiert werden. Im Kanton Luzern wird auch die Massnahme «Tierbestände reduzieren» vom Luzerner Bäuerinnen und Bauernverband mitgetragen.

Standortangepasste Tierhaltung erfolgsversprechend

Im interkantonalen Vergleich wurden im Kanton Graubünden die ehrgeizigsten und konkretesten Klimaschutzziele für den Bereich Landwirtschaft beschlossen. Ein Bericht zu den Bündner Massnahmen kommt zum Schluss, dass aus systemischer Perspektive insbesondere eine standortangepasste Tierhaltung erfolgversprechend ist.

Dies bedeutet: Tierhaltung ausschliesslich auf Flächen, die nicht für den Anbau von Kulturen für die direkte menschliche Ernährung geeignet sind. Die Autor(innen) halten auch fest, dass die gegenwärtig verfügbaren Handlungsoptionen nicht ausreichen werden, um eine «klimaneutrale» Landwirtschaft zu erreichen.

Auch Untersuchungen von Agroscope zeigen auf, dass die Emissionsreduktion in der Produktion mit technischen Möglichkeiten begrenzt ist. Eine Studie zeigt, dass mit einem veränderten Konsumverhalten viel mehr Emissionen eingespart werden können. Die Reduktion des Konsums von tierischen Produkten ist dabei derentscheidende Hebel.

Sind alle bereit zur Umsetzung?

Gemäss Pyramide essen wir heute dreimal zu viel Fleisch. Um das zu ändern, müssen zuerst einmal die Fehlanreize in der Agrarpolitik beseitigt werden und die Produktion von pflanzlichen Produkten mehr Förderung erhalten. Kostenwahrheit bei den Lebensmitteln führt den Konsument(innen) die wahre Gewichtung der Nahrung vor Augen.

Zudem braucht es eine konsequente Nutzung der ackerfähigen Flächen für die direkte menschliche Ernährung. Interessant wird es nun sein, ob alle Akteure und auch die Bevölkerung bereit sein werden, die Erkenntnisse aus Wissenschaft und Pilotprojekten umzusetzen.