Das «strategische Arbeitsgebiet» (SAG) ist laut Richtplan im Kanton Luzern überdurchschnittlich wertschöpfungsintensiven Industrien vorbehalten, welche viel Fläche benötigen und in bestehenden Bauzonen keinen Platz finden. Aufgrund der volkswirtschaftlichen Bedeutung wird deswegen auch ein allfälliger Verlust oder die Kompensation von Fruchtfolgeflächen (FFF) geringer gewichtet.

20 ha FFF Verlust

In Mehlsecken bei Reiden ist im dortigen SAG ein Forschungs- und Produktionszentrum für Gebäudehüllen geplant. Die Firma Swisspor beabsichtigt die Realisierung einer Produktion von Dämmstoffen. Dafür sollen 20 ha bestes Kulturland aufgegeben werden. Die dortigen tiefgründigen Braunerdeböden zählen zu den fruchtbarsten der Schweiz und sind als FFF ausgeschieden.

Zwar wird in einer Werbebroschüre erklärt, dass die FFF in der nahen Umgebung zu 100 Prozent kompensiert werden. Und geworben wird, dass mit dem nationalen Zentrum 1000 Arbeitsplätze, 350 Mio Franken jährliche Wertschöpfung und ein kommunaler Steuerertrag von 2,5 Mio Franken anfallen würden.

Schon im Sommer wurde Kritik zum Projekt geäussert, so von Kantonsrat Robi Arnold, Reiden. Ein solcher Landverschleiss sei nicht mehr zeitgemäss, meinte Arnold, der als Präsident der Unterhaltsgenossenschaft Langnau auch direkt vom Projekt betroffen ist. Und auch an einem Informationsabend für die Bevölkerung von Reiden Mitte Oktober gab es viele kritische Fragen und Widerstand.

Auch der Vorstand des Luzerner Bäuerinnen -und Bauernverbands (LBV) ist kritisch. Es sei zu hinterfragen, ob mit der Produktion von Dämmstoffen wirklich eine überdurchschnittliche Wertschöpfung und volkswirtschaftlicher Nutzen erzielt werden könnten, wie dies in einem SAG gemäss Richtplan Voraussetzung ist. Es gebe im Kanton noch sehr viele grossflächige Industriebrachen in Bauzonen, wo Swisspor genügend Platz hätte, ohne dass dafür die wertvollsten FFF aufgegeben werden müssten. Eine Kompensation dieser FFF bringe nie den gleichen Wert.«Wir fragen uns, ob die Standortfrage genügend geklärt wurde», sagt Raphael Felder vom LBV.

Zweifel an Wertschöpfung

Kurz vor Weihnachten hat Robi Arnold im Kantonsrat eine Anfrage eingereicht zum geplanten Standort Reiden. Darin will er ebenfalls wissen, ob bei der Produktion von Dämmstoffen wirklich von einem hohen volkswirtschaftlichen Nutzen gesprochen werden könne. Er fragt ferner, wie viel Reserven an FFF der Kanton noch habe und ob bei der Ausscheidung der SAG dem Schutz von FFF genügend Rechnung getragen worden sei. Und Arnold will wissen, ob die zusätzlich vorgesehenen Ansiedlungen, so für Arbeitsplätze für Forschung, den Anforderungen von SAG gemäss Richtplan entsprechen.

Bevölkerung entscheidet

Derzeit läuft die Vorprüfung für eine Einzonung des Areals. Im Frühjahr 2023 soll darüber die Bevölkerung von Reiden an der Urne entscheiden. Bei Zustimmung soll eine erste Etappe des Swisspor-Areals für die Produktion bis 2026 realisiert sein. Weitere Etappen auch für einen Cluster Umwelt-Technologie würden folgen.