Dass gegensätzliche Einstellungen und Lebenswelten zusammentreffen, ist im «Reality-Check» des BR-Politikmagazins Kontrovers Programm. So schickt der Sender die grüne Bundestags-Kandidatin Jamila Schäfer auf den konventionellen Betrieb von Landwirt Martin Stadler – ohne dass die Politikerin im Voraus weiss, wohin es geht.

Schwieriger als gedacht

Stalder hat 70 Milchkühe, einen Melk- und einen Entmistungsroboter im Stall. Sein Anliegen ist es, seiner Besucherin seine Arbeitsweise zu zeigen und «dass es viel schwieriger ist, das alles anders zu machen oder umzustellen, als sie es sich vorstellen».

Im Stall findet Jamila Schäfer den «Scheisseroboter» doch sehr praktisch, äussert aber auch Kritik an den Umweltwirkungen der «industriellen Landwirtschaft». Das müsse man gemeinsam anders gestalten. Der Landwirt ist wenig begeistert und fürchtet neue Vorschriften. Technik koste und er brauche Planungssicherheit, schliesslich habe er 750‘000 Euro in den Stall investiert.

[EXT]

Preis ist für Konsumenten das Wichtigste

Schwierig wird es für die Grüne beim Tränken der Kälber. Sie fragt nach dem Trennungsschmerz der Tiere. Martin Stalder ist überzeugt, die Jungtiere hätten keinen. Bei den Kühen sei es unterschiedlich – das gehe ihm schon auch nahe. Der Landwirt weist auf den hohen Preisdruck hin, als Schäfer ein muttergebundenes System vorschlägt. Aus demselben Grund bekommen die Kälber nicht nur Milch, sondern auch Palmöl. «Das ist nicht reichhaltiger, aber billiger», erläutert Stadler. Jamila Schäfer sieht die Ursache des Problems mit Billigpreisen bei Lebensmittelmonopolen und zu geringer Wertschätzung.

Ähnliche Zielvorstellungen, aber noch keine Stimme für die Grünen

Später wird Jamila Schäfer bei der Kartoffelernte eingespannt. Auf dem Feld erklärt ihr der Landwirt, wegen des vielen Regens in der Region könne er hier nicht biologisch arbeiten. Zu hoch wäre der Druck der Krautfäule.

Die Politikerin packt wie schon im Stall auch auf dem Vollernter mit an und scheint sich auf ihr eintägiges «Praktikum» einzulassen. In vielen Dingen habe man ähnliche Zielvorstellungen, so ihr Fazit – «die Frage ist halt nur, wie man dahin kommt». Für sie sei es spannend gewesen, die realen Probleme auf diesem Weg zu sehen. «Beide Seiten haben irgendwo eine gewisse Wahrheit mit dabei», resümiert Martin Stadler, «da müssen wir halt schauen, dass wir das in Zukunft möglichst gut über die Bühne bringen.»

Zum Abschied bekommt Schäfer einen Sack ihrer selbst geernteten Kartoffeln. Auf die Frage des Senders, ob er denn nun die Grünen wählen werde, verneint der Landwirt: «So weit sind wir noch nicht.»