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Schweiz-International
Publiziert: 25.05.2018 / 14:29
Bauernverband gegen Pestizid-Initiative

Der Schweizer Bauernverband (SBV) lehnt die heute eingereichte Initiative «Für eine Schweiz ohne synthetische Pestizide» ab. Sie würde Lebensmittel verteuern und die Wahlfreiheit der Konsumenten beschneiden, teilt der SBV mit.

Eine lose, politisch unabhängige Gruppe namens Future 3 habe heute die Unterschriften zum Volksbegehren «Für eine Schweiz ohne synthetische Pestizide» eingereicht und fordert damit faktisch ein «Bioland Schweiz», schreibt der Schweizer Bauernverband (SBV).

Zwar sei dem SBV ein sorgfältiger und verantwortungsvoller Umgang mit Pflanzenschutzmittel ebenfalls wichtig. Doch für ihn «verkennt die Initiative die Realitäten des Schweizer Lebensmittelmarkts». Die Anforderung von Handel und Konsumenten bezüglich der Produktequalität seien sehr hoch. Blattläuse im Salat, Drahtwurmlöchern in Kartoffeln oder Äpfel mit Schorfflecken machten Lebensmittel unverkäuflich. Die Umsetzung der Initiative – die explizit auch die Importe umfasst (Initiativtext siehe Kasten) – würde die landwirtschaftliche Produktion massiv verteuern, heisst es weiter. Auch die Wahlfreiheit der Konsumenten sieht der SBV in Gefahr.  Schliesslich kaufe nur ein kleiner Teil der Kundschaft konsequent bio, der Rest wolle nachhaltige produzierte Produkte, die nicht zu teuer sein dürften.

Zudem kämen synthetische Pestizide auch ausserhalb der Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion zum Einsatz, z.B. im Bau,-, Gesundheits- oder Hygienebereich. «Diese wären vom Verbot nicht betroffen, so dass synthetische Pestizide sowieso weiterhin ausgebracht würden», so der SBV. Aus diesen Gründen lehnt der Verband die Initiative ab.

Er will stattdessen auf die Umsetzung des nationalen Aktionsplans Pflanzenschutz setzen.

jw

 

Initiativtext «Für eine Schweiz ohne synthetische Pestizide»

Die Bundesverfassung1 wird wie folgt geändert:

Art. 74, Abs. 2bis
2bis Der Einsatz synthetischer Pestizide in der landwirtschaftlichen Produktion, in der Verarbeitung landwirtschaftlicher Erzeugnisse und in der Boden- und Landschaftspflege ist verboten. Die Einfuhr zu gewerblichen Zwecken von Lebensmitteln, die synthetische Pestizide enthalten oder mithilfe solcher hergestellt worden sind, ist verboten.

Art. 197 Ziff. 122
12. Übergangsbestimmungen zu Art. 74 Abs. 2bis

1Die Ausführungsgesetzgebung zu Artikel 74 Absatz 2bis tritt spätestens zehn Jahre nach dessen Annahme durch Volk und Stände in Kraft.

2 Der Bundesrat erlässt vorübergehend auf dem Verordnungsweg die notwendigen Ausführungsbestimmungen und achtet dabei auf eine schrittweise Umsetzung von Artikel 74 Absatz 2bis.

3 Solange Artikel 74 Absatz 2bis nicht vollständig umgesetzt ist, darf der Bundesrat vorübergehend unverarbeitete Lebensmittel, die synthetische Pestizide enthalten oder mithilfe solcher hergestellt worden sind, nur dann bewilligen, wenn sie zur Abwehr einer gravierenden Bedrohung von Mensch oder Natur unverzichtbar sind, namentlich einer schweren Mangellage oder einer ausserordentlichen Bedrohung von Landwirtschaft, Natur oder Mensch.


1 SR 101
2 Die endgültige Ziffer dieser Übergangsbestimmungen wird nach der Volksabstimmung von der Bundeskanzlei festgelegt.

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